Phlebothrombose der Becken/Beinvenen

Autor: Ralph Hamann 

 

Therapie

Es soll eine Übersicht gegeben werden über Therapieziele, Therapieoptionen und Indikationen zu den einzelnen Therapiemöglichkeiten bei der Thrombose der tiefen Becken- und Beinvenen.

 

Thrombose der linken Beckenvene (in einer Röntgendarstellung = Phlebografie)

 

 

 

Thrombose der Oberschenkel- und Knie-Vene

 

 

Welches sind die Ziele der Therapie?

•  Das erste Ziel muss sein, ein weiteres Wachstum der Thrombose zu verhindern.
•  Es muss eine Lungenembolie, als wichtigste und schwerwiegendste Komplikationsmöglichkeit, vermieden werden.
•  Das langfristige Ziel ist, die verlegte Beinvene wieder zu eröffnen und vor allem die Funktion der Venenklappen möglichst voll wieder herzustellen.
•  Ebenfalls langfristig ist das Ziel, ein sog. postthrombotisches Syndrom, d.h. die Entwicklung von Krampfadern und eines offenen Beines zu vermeiden.

Welche Therapien stehen uns zur Verfügung?

Die erste und am weitesten verbreitete Therapie besteht in der konservativen Therapie, die im wesentlichen durch Gabe von Heparin und Marcumar das erste Therapieziel erreicht. Die Auflösung der Blutgerinnsel und das langfristige Ergebnis ist abhängig von der Fähigkeit des Körpers, die Blutgerinnsel selbst aufzulösen.

Die zweite Möglichkeit, eine Lyse sowie auch die dritte eine Operation und die vierte Möglichkeit der Implantation eines sog. Cava-Filters sind spezielle Indikationen, die nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Patienten in Frage kommen.

Die Säulen der konservativen Therapie bestehen in der Antikoagulation, d.h. der Aufhebung der natürlichen Blutgerinnung, der Kompression mittels elastischen Binden oder Kompressionsstrumpf und der Mobilisierung des Patienten.

Die Antikoagulation, d.h. die Aufhebung der normalen Blutgerinnungsfähigkeit, wird nach Diagnosestellung mittels Heparin durchgeführt. Einzelne Präparate werden nach Körpergewicht dosiert und meistens zweimal pro Tag gegeben. Andere Präparate müssen nur einmal täglich gegeben werden oder müssen nicht dem Körpergewicht angepasst werden.

Eine Alternative zu den Heparinen besteht in den Präparaten Arogaran und Refludan, welche jeweils spezielle Indikationen und Vorteile bzw. Nachteile bieten.

 

Nach initialer Aufhebung der Gerinnung durch Heparin oder ein Alternativ-Präparat wird dann auf Marcumar in Tablettenform übergegangen. Die Marcumarisierung ist anfänglich aufwändig und muss relativ häufig, d.h. im Abstand von einigen Tagen, durch Blutkontrollen (Quick-Wert) eingestellt werden. Die Medikation mit Marcumar, d.h. die Marcumarisierung, dauert je nach Ausdehnung der Thrombose drei bis sechs Monate.

 

Die Kompressionstherapie wird initial mit elastischen Binden, sog. Kurzzugbinden, vorgenommen. Es wird ein Kompressionsstrumpf der Klasse II, meist ein Oberschenkelstrumpf, verordnet. Soweit dieser vorhanden ist sollte mittels dieses Kompressionsstrumpfes komprimiert werden.

Die Mobilisierung erfolgt in der Regel nach Vorgaben des betreuenden Arztes, wobei die Devise für den Patienten Laufen oder Liegen lauten muss. Stehen oder Sitzen ist für das Bein schlecht und führt zu deutlichen Stauungssymptomen. Es wird allgemein in den Leitlinien ein dreimal täglich durchzuführendes, bewusstes Gehen für 20 bis 30 min. gefordert. Ansonsten sollte das Bein viel flach bzw. hoch gelagert werden.

 

In der Regel kann die Beinvenenthrombose ambulant behandelt werden. Unter der Voraussetzung, dass eine ausreichende Heparinisierung bzw. Marcumarisierung erfolgte, das Bein komprimiert ist und der Patient ärztlicherseits 24 Stunden am Tag betreut sein kann (gute Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Krankenhaus) besteht keine Notwendigkeit einer stationären Behandlung. Der Patient muss sich jedoch zuverlässig und konsequent an die Vorgaben halten und vor allem bezüglich der Blutverdünnung mit Heparin und Marcumar sowie bezüglich der Kompression absolut konsequent sein.

Eine ambulante Behandlung ist nicht möglich bei massiver Schwellung des Beines, schwerwiegenderen Begleiterkrankungen, evtl. notwendige weitere Diagnostik. Sie ist nicht möglich bei unzuverlässigen Patienten bzw. solchen, die nicht zu Hause betreut sind und keine ärztliche Versorgung bzw. Versorgungsmöglichkeit haben.

 

Bei 10 bis 25 % der Patienten kommt es zu einer kompletten oder teilweisen Wiedereröffnung der Venen unter der bisher geschilderten konservativen Therapie. Bei 30 % der Patienten kommt es nach fünf bis acht Jahren zur Ausbildung von Krampfadern, einer Beinschwellung und langfristig gesehen evtl. der Entwicklung eines offenen Beines. Um dieses zu vermeiden ist eine konsequente Initialbehandlung notwendig.

Nach sechs Monaten sollte eine umfassende venöse Funktionsdiagnostik durch einen Gefäßchirurgen, Phlebologen oder Angiologen erfolgen, um zu entscheiden, wie die weitere Therapie für den Patienten auszusehen hat. In der Regel ist eine lebenslange Kompressionstherapie notwendig.

 

Die anderen Therapieoptionen, d.h. die Lyse, die Operation und die Implantation eines Cava-Filters sind insgesamt seltene Indikationen.

 

Die Lyse wird in der Bundesrepublik bei etwa 130 000 Neuerkrankungen pro Jahr bei zwischen 600 bis 1 000 Patienten durchgeführt. Nur etwa 10 bis 20 % der Patienten sind für diese Therapie geeignet. Von diesen sind lediglich etwa 50 % mit einer Therapie einverstanden.

Die Lyse, d.h. die Behandlung mit gerinnungsauflösenden Medikamenten, kann entweder systemisch angewandt werden, d.h. sie wirkt im gesamten Körper, sie kann loco regionär angewendet werden, d.h. sie wirkt in erster Linie im betroffenen Bein bzw. wird über eine Fußrückenvene dieses Beines appliziert oder aber es wird eine lokale Lyse durchgeführt, d.h. mittels eines Katheters wird das gerinnungsauflösende Medikament in die Blutgerinnsel direkt eingespritzt.

Zur Verfügung stehen im wesentlichen drei verschiedene Medikamente, nämlich die Streptokinase, die Urokinase sowie die rTPA, d.h. rekombinantes Gewebsplasminogen-Aktivator. Streptokinase und Urokinase werden noch in der speziellen Dosierung, nämlich der ultrahoch dosierten Form gegeben.

Die Lysetherapie wird im Rahmen einer stationären Behandlung auf einer Intensivstation durchgeführt. Je nach Art der Anwendung dauert die Therapie wenige Tage bis hin zu drei Wochen. Während der Lyse wird eine Heparinisierung (siehe konservative Therapie) durchgeführt. Nach erfolgter Lyse wird wie auch bei der konservativen Therapie überlappend Marcumar für drei bis sechs Monate gegeben. In jedem Fall wird eine konsequente Kompressionstherapie durchgeführt.

Erhebliches Problem bei der Lysetherapie sind die Blutungskomplikationen. Hieraus ergeben sich die Kontraindikationen, d.h. Gegenanzeigen zu der Therapie.

Diese sollte nicht durchgeführt werden bei Patienten über 65 Jahren, bei Patienten mit einem Bluthochdruck, auch wenn dieser gut eingestellt ist, bei Patienten mit einem Schlaganfall in der Krankheitsgeschichte, bei Patienten mit Augenhintergrundveränderungen, die zu einer Blutung führen könnten, bei Patienten mit floriden Blutungen, z.B. Hämorrhoiden, Darmpolypen, Magenulcerationen etc. Des weiteren sollten natürlich Patienten nicht lysiert werden, welche in den letzten 14 Tagen eine Verletzung hatten, eine Operation o.ä. Schwangerschaft und Wochenbett schließen eine Lysetherapie ebenso aus wie ein bekanntes Tumorleiden oder eine Blutungsneigung.

Die Ergebnisse der Lysetherapie müssen sich an denen der alleinigen konservativen Therapie mit Heparinisierung, Mobilisierung und Kompression messen. Bei der konservativen Therapie kommt es zu einer vollständigen oder auch nur teilweisen Wiedereröffnung der Venen in 10 bis 25 %. Bei der Lyse liegt der Prozentsatz der vollständigen Eröffnungen bei etwa 45 bis 60 %, die der teilweisen Eröffnungen etwas über 30 %. Diese guten Ergebnisse werden allerdings mit möglichen Komplikationen einer Blutung erkauft. Diese ist bei der ultrahoch dosierten Streptokinase, der effektivsten Therapie bei der Lysebehandlung, immerhin in 1,3 % der Fälle.

Die nächste Therapieform ist die Operation. Hier wird über einen gleichseitigen Hautschnitt in der Leiste die Leistenvene freigelegt und es werden sowohl nach zentral als auch fußwärts durch verschiedene Maßnahmen die Blutgerinnsel entfernt.

 

Thrombektomie mit Ballon-Kathetern. Von rechts ist ein Blockadekatheter eingeführt

 

 

 

 

Operationswunde. Die Leistenvene ist eröffnet und das Gerinnsel sichtbar

 

Um eine Lungenembolie zu vermeiden wird der Oberkörper hochgelagert. Bei der Beatmung, der Eingriff wird in Allgemeinnarkose durchgeführt, wird ein hoher Gegendruck erzeugt. Es kann ein Cava-Schirm zuvor implantiert werden oder über die Gegenseite ein Blockade-Katheter in die große Hohlvene eingelegt werden. Nach Beseitigung der Blutgerinnsel wird eine Verbindung zwischen der Arterie und der Vene in der Leiste angelegt, um den Blutstrom in der Vene zu beschleunigen und damit eine neuerliche Gerinnselbildung zu vermeiden. Diese sog. AV-Fistel wird nach drei bis sechs Monaten verschlossen.

Nach der Operation wird erneut mittels Heparin und dann Marcumar die Blutgerinnung für drei bis sechs Monate aufgehoben, ebenso ist eine Kompression aber natürlich auch eine Mobilisierung möglich und notwendig. In besonderen Fällen lässt sich die Lysetherapie mit der operativen Therapie kombinieren.

Die Frühergebnisse der operativen Therapie sind ähnlich gut wie die der Lysetherapie. Es kommt jedoch immer wieder zu frühen Rethrombosen durch die operativ bedingten Mikroverletzungen des Endothels, d.h. der Innenauskleidung der Venenwand. Die Komplikationsrate ist jedoch insgesamt deutlich geringer. In einer Serie von über 1000 Operationen war kein einziger Todesfall zu beklagen.

 

Eine weitere, allerdings in Europa und Deutschland selten durchgeführte Therapie ist die Implantation eines sog. Cava-Filters, d.h. eines Metallfilters, welcher in die untere Hohlvene implantiert wird, um Blutgerinnsel, die aus dem Bein in Richtung Herz abgeschwemmt werden, aufzufangen und eine Lungenembolie zu vermeiden.

Der Cava-Filter wird nach einer Punktion der Leistenvene mittels Katheter implantiert und muss nicht durch eine Operation implantiert werden.

 

Cava-Filter vor der Wirbelsäule in der großen Hohlvene im Röntgenbild ( seitliche Aufnahme)

 

Schema-Zeichnung eines Cava-Filters in der großen Hohlvene unterhalb der Nierenvenen

 

 

Gründe, einen Cava-Filter zu implantieren ergeben sich bei Patienten, die immer wieder Lungenembolien haben, trotzdem eine ausreichende Therapie mit Marcumar oder Heparin durchgeführt wird. Ebenso bei Patienten, die Lungenembolien erleiden, bei denen sich aus vielerlei Gründen jedoch eine Heparin- oder Marcumar-Therapie verbietet. Ebenso in selten Fällen kann ein Cava-Schirm implantiert werden, um Patienten mit großen Verletzungen oder vor großen Operationen vor einer Lungenembolie zu bewahren. Die neuen Generationen der Cava-Filter kann nach einigen Wochen mühelos wieder entfernt werden.

Bei großen Untersuchungen in den USA zeigte sich, dass Patienten mit multiplen Verletzungen, bei denen ein Cava-Filter implantiert wurde, lediglich in 1,1 % der Fälle Lungenembolien erlitten, bei Patienten mit ähnlicher Krankengeschichte, bei denen kein Filter implantiert wurde, ergaben sich fast 5 % Lungenembolien. Es bestehen natürlich auch Komplikationsmöglichkeiten beim Cava-Filter. Diese bestehen in einer erhöhten Rate an Thrombosen der Vena cava und des Beines. Es kann lokal zu einer Perforation kommen. Die Filter können sich auch im Laufe der Zeit loslösen und es kann in seltenen Fällen zu Drahtbrüchen kommen. Diese Komplikationen sind vor allem bei permanent implantierten Filtern zu verzeichnen.

 

Unter den verschiedenen Therapieoptionen gilt es, die richtige für den einzelnen Patienten zu finden. Die erste Frage, die gestellt werden muss, ist: Liegt eine akute Bedrohung des Beines vor. Dieses ist extrem selten. Wenn ja muss zügig operiert werden, die Lysetherapie greift hier zu langsam.

Die zweite Frage, die gestellt werden muss ist, ob eine Lysetherapie erfolgversprechend ist. Der Erfolg der Lysetherapie hängt in erster Linie von der Ausdehnung der Thromben, im wesentlichen aber auch vom Alter der Blutgerinnsel ab. Mit jedem Tag nimmt die Auflösbarkeit der Blutgerinnsel ab, so dass nach etwa einer Woche keine gute Chance mehr besteht, eine erfolgreiche Lyse durchzuführen. Wenn die Lysetherapie erfolgreich sein kann, ist die Frage, ob o. genannte Gegenanzeigen bestehen.

Wenn man sich dann zu einer Lysetherapie entschieden hat, ist die Frage, welche der vielen verschiedenen Therapieformen in Frage kommt. Dieses ist in erster Linie abhängig von der Ausdehnung der Thrombose.

Bei der Unterschenkelthrombose wird man außer in seltenen, extremen Fällen, von einer Lyse oder operativen Therapie absehen und den Patienten konservativ behandeln.

Wenn die Thrombose den Unterschenkel und die Kniegelenksregion betrifft kommt am ehesten eine loco regionäre Lyse mit ultrahoch dosierter Streptokinase oder Urokinase in Frage.

Wenn zusätzlich die Oberschenkelregion betroffen ist wäre am ehesten eine ultrahoch dosierte Streptokinase oder eine Urokinase-Therapie sowie evtl. eine alleinige Streptokinase-Therapie sinnvoll.

Eine Mitbeteiligung des Beckens sollte ebenfalls dann zu einer ultrahoch dosierten Streptokinase oder Urokinase-Therapie führen, alternativ kann hier operiert werden bzw. ein Kombinationsverfahren mit Operation und Lyse durchgeführt werden.

Eine isolierte Beckenvenenthrombose sollte im wesentlichen operiert oder lokal lysiert werden, die Thrombose der unteren Hohlvene ist eine Einzelfallentscheidung wegen der damit meist verbundenen Begleiterkrankungen.

 

Fakten kurzgefasst: Venenthrombose

Venenthrombose – Entstehung und Folgen

Blutadern, d.h. Venen , sind Blutgefäße, die die Aufgabe haben, das Blut zum Herzen zurückzutransportieren. Man unterscheidet grundsätzlich ein oberflächliches und ein tiefes Venensystem.

Bei einer Venenthrombose kommt es zur Ausbildung eines Blutgerinnsels, also einer Thrombose , in einer Vene. Dies kann im oberflächlichen Venensystem unter der Haut erfolgen: hierbei spricht man von einer Thrombophlebitis . Diese ist meist harmlos, sollte aber vom Hausarzt untersucht und adäquat therapiert werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Die Thrombose im tiefen Venensystem ist eine ernsthafte Erkrankung, die eine gewissenhafte Diagnostik und (teils) lebenslange Therapie zur Folge haben sollte.

Es kommt hierbei zum Verschluss in den tiefen Bein- und Beckenvenen (sehr selten auch im Arm und der Schulter), so dass der Rückstrom zum Herzen stark behindert ist. Ohne weitere Therapie kann sich eine Thrombose ausbreiten, schließlich das ganze Bein und das Becken betreffen und bei Loslösung eines Teils des Blutgerinnsels ( Embolus ) kann dieses mit dem Blutstrom in die Lunge verschleppt werden und hier zur sog. Lungenembolie führen.

 

Symptome

 

Typisches Zeichen ist die schmerzhafte Anschwellung eines Beines, der Druckschmerz über der Wade, eine leichte Überwärmung und manchmal auch die verstärkte Venenzeichnung. Es gibt leider kein sicher zuverlässiges Anzeichen für eine Thrombose, so dass bei einem entsprechenden Verdacht die Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt notwendig ist.

 

Ursachen

 

Die häufigste Ursache für eine Becken-/Bein-Venenthrombose ist eine eingeschränkte oder fehlende, normale Bewegung und Belastung des Beines (Bettlägrigkeit im Rahmen von Operationen oder Krankheiten, Gipsbehandlung, Ruhigstellung des Beines durch Verbände wegen Verletzungen, lange Bus-, Auto- oder Flugreisen etc.)

Aufgrund von Hormonveränderungen und auch durch Veränderungen der Blutgerinnung haben Schwangere, Frauen nach der Entbindung, Personen mit entsprechender erblicher Veranlagung und Raucher ein erhöhtes Risiko. Einige Medikamente, z.B. die Antibabypille, können die Thromboseneigung erhöhen. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere.

 

Untersuchungsverfahren

 

Wird der Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose gestellt, sollte unverzüglich eine entsprechende Diagnostik erfolgen. Diese wird nach einer körperlichen Untersuchung und einer Befragung des Patienten zunächst durch eine Ultraschalluntersuchung (Duplex-/Doppler) gemacht. Häufig ist diese bereits ausreichend, um eine klare Diagnose zu stellen. Ergänzend können Laboruntersuchungen und in Zweifelsfällen auch eine Phlebografie (Kontrastmitteluntersuchung der Venen) notwendig sein.

 

Behandlungsverfahren

 

Ziel der Therapie ist, eine Ausbreitung der Thrombose sowie eine Lungenembolie zu verhindern und langfristig den Rückstrom des Blutes zum Herzen wieder zu normalisieren.

Heutzutage können die meisten Venenthrombosen ambulant behandelt werden. Grundlage ist eine ausreichende Kompression durch angepasste Kompressionsstrümpfe sowie eine individuell eingestellte Blutverdünnung . Letztere beginnt mit einer sofort wirksamen Blutverdünnung, meist durch (in das Unterhautfettgewebe gespritzte) Heparin , wobei dieses dann überlappend durch die Gabe einer individuell zu dosierenden Medikation mit Phenprocoumon (z.B. Marcumar ) abgelöst wird. Die Wirkung dieses Medikaments muss in regelmäßigen Abständen durch einen Bluttest (sog. Quick-Wert oder INR-Wert) durch den behandelnden Arzt kontrolliert werden.

In bestimmten Ausnahmefällen kommen auch operative Therapieverfahren sowie eine Thrombolyse (Auflösung eines frischen Blutgerinnsels durch gerinnselauflösende Medikamente) zum Einsatz.

Welches Verfahren für den einzelnen Patienten sinnvoll ist, kann nur durch eine in den verschiedenen Behandlungsmethoden erfahrenden Arzt und angesichts der individuellen Situation des Patienten geklärt werden. Auch die Dauer der jeweiligen Therapie ist abhängig von dem Ausmaß und dem Alter der Thrombose sowie auch der individuellen Situation des Patienten.

 

Folgen der Venenthrombose

 

Man muss leider davon ausgehen, dass in der Regel auch bei weitgehend erfolgreicher Therapie, welcher Art auch immer, ein Restschaden im Venensystem bestehen bleibt. Die Chance, erneut eine Thrombose im bestehenden Bein oder auch im anderen Bein zu bekommen ist also deutlich erhöht.

Falls es nicht oder nur unzureichend zu einer Wiedereröffnung der tiefen Venen in der Becken-/Beinstrombahn gekommen ist, wird das zum Herzen zurückgeführte Blut vermehrt über die oberflächlichen Venen unter der Haut abfließen. Diese sind aber für einen solchermaßen erhöhten Blutstrom nicht konzipiert, nehmen daher an Durchmesser zu, an Wandstärke ab und entwickeln sich somit zu Krampfadern . Durch die hieraus folgende Verschlechterungen der Gewebsdurchblutung entstehen wie auch bei den normalen Krampfadern langfristig Veränderungen der Haut, des Unterhautfettgewebes sowie auch der Muskelfaszien, vor allem über dem inneren Unterschenkel oberhalb des Knöchels. Langfristig können so Ulcerationen , sog. offene Beine, entstehen, die vor allem dann extrem schwer zu therapieren sind, wenn sie Folgen einer solchen schlecht oder nicht genügend konsequent behandelten Venenthrombose sind.

 

Schlussfolgerungen 

Das oberste Ziel muss letztlich sein, eine Thrombose zu vermeiden . Hierzu sollten die o. g. Risikofaktoren und Risikosituationen vermieden werden bzw. es sollten im Falle einer Operation, einer Gipsbehandlung etc. alle vorbeugenden Maßnahmen ausgeschöpft werden. Falls es dennoch zu einer Thrombose gekommen ist, muss eine zügige und gründliche Diagnostik und eine konsequente Therapie erfolgen. Erfahrungsgemäß wird diese in den ersten Monaten nach Diagnosestellungen noch durchgeführt. Im Laufe der Zeit sinkt jedoch verständlicherweise die Bereitschaft, z.B. die sicherlich lästigen Kompressionsstrümpfe konsequent zu tragen. Da sich die negativen Folgen einer unzureichend rekanalisierten Thrombose aber erst nach vielen Jahren zeigen und dann aber nicht mehr reversibel sind, ist eine ausreichende Information und Aufklärung des Patienten, ein gutes Verständnis der Erkrankung selbst und schließlich die konsequente Beachtung der Verhaltensmaßregeln von entscheidender langfristiger Bedeutung.
 
Stichworte:
Venenthrombose, Lungenembolie, Heparin, Marcumar, Kompression, offene Beine .
 

Zahlen und Fakten (für den Fachmann!):

 

Bei 50 % aller TVT keine Ursache, 25 % perioperativ oder Immobilisation
16 % Trauma, 6 % Ovulationshemmer, 3 % Wochenbett
Von den 50 % Thrombose ohne Ursache 3 % paraneoplastisch.
50 % der perioperativen Thrombosen am OP-Tag, weitere 45 % am ersten bis dritten postoperativen Tag.
TVT Bein: Unterschenkel 45 %, Poplitea 15 – 30 %, Oberschenkel 50 %, Beckenvenen 10 % betroffen.
In 75 % der Fälle zusammenhängende Thrombosen, in 25 % kontinuierlich.
Lungenembolie 60 – 80 % aus Iliofemoralvenen, 15 bis 40 % aus Vena poplitea oder Unterschenkel. 72 % aus umflossenen, 30 % aus okkludierenden Thromben.
Spontanverlauf (Duplexuntersuchung) 50 % Reduktion nach drei Monaten, 65 % nach zwölf Monaten.
Rezidive in den ersten drei Monaten ohne Therapie 50 % mit Antikoagulation 5 %.
Lungenembolie in 25 bis 50 % aller Thrombosen, davon 10 % diagnostiziert.
Bei gesicherter LE 30 % kein Thrombosenachweis.
Mit PTS bei 5 bis 25 % aller Thrombosepatienten.
 

Inzidenz:

Gesundheitsministerium 1998, 30 160 TVT, 43 % männlich, 57 % weiblich.

Thromboembolische Komplikationen bei 30 bis 60 % der Apoplexpatienten

bei 5 bis 35 %, der Myokardinfarktpatienten

und bei 12 % der Patienten mit Herzinsuffizienz.

Inzidenz: 45 bis 145/100.000
Jährliche Inzidienz: 0,5 bis 1 / 1000 Einwohner.
TVT-Rezidiv 18 % nach zwei Jahren, 25 % nach fünf Jahren und 30 % nach acht Jahren.
Chronisch venöse Insuffizienz 12 bis 15 % der Erwachsenen, davon 1/3 postthrombotisch.
Mortalität der TVT 1 bis 2 % (unbehandelt 25 bis 30 %).
2 % aller TVT an der oberen Extremität.
 
Gesamtinzidenz der angeborenen Thrombophilien bei TVT beträgt 24 bis 37 %, 10 % bei Kontrollpersonen. 

         Häufigste Ursache hierbei: APC-Resistenz (Faktor 5 Mutation) mit 40 bis 50 % der Fälle

         TVT der Schwangerschaft 1 : 1000, vorherrschend sind post partum Ereignisse.

 

         Inzidenz der TVT bei Kontrazeptiva-Einnahme 1 bis 4 : 10 000.

Inhalt, Zahlen, Daten und Fakten (c) 2007 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
Veröffentlichungen nur mit schriftlicher Genehmigung, Konzept & Layout (c) 2007  Prof. Dr. Stefan von Sommoggy