Modernes Wundmanagement   Vakuumversiegelung

Autor: Elke Niederberger

 

Die Wunderversorgung durch Vakuumversiegelung wurde an der Wake Forest Universität in North Carolina entwickelt.

Die Therapie bewirkt das Zusammenziehen der Wundränder durch Unterdruck und Absaugen von überschüssigem Sekret aus der Wunde.

 

Klinische und histologische Untersuchungen bezüglich der Induktion von Angioneogenese (Gefäßneubildung) durch Vakuumversiegelung an der Chirurgischen Universitätsklinik Freiburg ergaben eine Zunahme der Kapillarenanzahl in der behandelten Wunde nach Vakuumtherapie von 200%.

In dieser Studie konnte erstmals der klinische Eindruck einer verstärkten Bildung von gut vaskularisiertem Granulationsgewebe nach Vakuumversiegelung in chronischen Wunden verifiziert werden.

 

Die Vakuumversiegelung hat sich sowohl in der Akutbehandlung traumatischer Weiteildefekte als auch als Verfahren zur Konditionierung chronischer Wunden etabliert.

Bei den traumatischen Weichteildefekten stehen v.a. III°.gradige Frakturen, polytraumatisierte Patienten mit großen Weichteildefekten, ausgedehnte II und III° Verbrennungen im Vordergrund. Im Rahmen der operativen Frakturversorgung erfolgt die verbandstechnische Versorgung der Weichteilwunden mittels Vakuumversiegelung. Hierbei steht die Keimreduktion bzw. das geschlossene Verbandssystem als Schutz vor Sekundärinfektion im Vordergrund. Bei Verbrennungen III: Grades erfolgt nach ausgedehntem operativen Debridement die Anlage eines Vakuumverbandes, um eine ausreichende Wundgrundgranulation zu erreichen; die definitive Versorgung des Defektes erfolgt dann durch Hauttransplantationen bzw. Lappenplastiken. Bezüglich eines Compartmentsyndorms kann nach operativer Faszienspaltung die Deckung des Hautdefektes durch einen Vakuumverband vorgenommen werden. Hierbei steht die Reduktion der Wundrandretraktion im Vordergrund. Dadurch wird die zu planende Sekundärnaht erheblich erleichtert. Bei der Konditionierung chronischer Wunden stehen das Ulcus cruris, die diabet. Gangrän und der Decubitus im Vordergrund. Diese chronischen Krankheitsbilder erfordern vor lokaler Wundbehandlung immer eine diagnostische Abklärung bezüglich der arteriellen Durchblutungsverhältnisse (Ulcus, Decubitus, Gängran).

 

Weitere Indikationen zur Wundversorgung mittels VAC-Therapie sind Wundheilungsstörungen mit offener Wundebehandlung. Wundinfektionen erfordern meist eine operative Wundrevision. Hierbei sollte intraoperativ ein mikrobiologischer Abstrich entnommen werden. Perioperativ wird in die infizierte Wundhöhle ein Vakuumschaum eingebracht, die Drainage transcutan ausgeleitet. Die Wundränder können über dem Schaum vollständig verschlossen werden. Nach 2-3 Tagen erfolgt dann eine Wundrevision mit Vakumsverbandswechsel nach erneutem mikrobioloischem Abstrich. Nach 2-3 negativen Abstrichen kann der endgültige Wundverschluß durchgeführt werden.

Bei Nahtdehiszenzen bewirkt der angelegte Unterdruck eine langsame Wundrandmobilisierung durch Wundrandkontraktion.

 

Schematisch dargestellt die 4 Stadien der Weiteilschädigung beim Decubitus. Hier spielen 3 Faktoren eine entscheindende Rolle:

 

·        Druck (Auflagedruck)

·        Zeit (Druckverweildauer)

·        Disposition (Abwehrschwäche, AZ sinkt, chronische Erkrankung)

 

Die Durchblutung der Hautkapillaren wird behindert, sobald der Druck auf die Kapillaren größer ist als der mittlere Blutdruck in den Kapillaren (25-35 mmHg).

-           Persistierende Hautrötung, ggf. mit oberflächlichem Hautdefekt

-           Mitbeteiligung von Subcutangewebe und Faszie

-           Tiefer kraterförmiger Defekt mit Muskelnekrose, eventuell freiliegender Knochen

Der Wundheilungsprozeß gliedert sich in 3 Phasen. Aufgrund einer Permeabilitätsstörung der lokalen Gefäße kommt es zur Flüssigkeitsexsudation durch Verschiebung von Flüssigkeit aus dem intra- in den extravasulären Raum. Eine Diapedese von Phagocyten, Granulocyten und Monocyten setzt ein.

Danach setzt die Granulationsphase, die erstmals von Billroth (1865) erwähnt wurde, ein. Mikroskopisch handelt es sich um Gefäßeinsprossungen mit perivasculären Entzündungszellen. Die Funktion des Granulationsgewebes liegt in einer Bakterienbarrierenfunktion, der Einhüllung von Sehnen, Nerven und Knochen und damit den Boden für die 3. Phase der Epithlialisierung zu legen. Hierbei handelt es sich um eine Migration von umgebenden Epithelzellen.

 

Material und die Verbandstechnik der Vakuumversiegelung

Der schwarze PU-Schaum besitzt größere Poren als der weiße PVA-Schaum. Der PU-Schaum bewirkt eine sehr effektive Granulation und Wundkontraktion und ist daher für inizierte Wunden geeignet. Der PVA-Feucht-Schaum wird bei sensiblen Wundverhältnissen verwendet (z.B. Mesh graft). Das Granulationsgewebe wächst nicht in die Schaumporen ein. Zudem ist der weiße PVA-Schaum bei erheblicher Schmerzsymptomatik unter PU-Schaum, jedoch mit höherem Unterdruck zu empfehlen.  

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Das Bild oben zeigt einen PVA-Schaum mit Sog unter Redonflasche nach Mesh-graft-Transplantation.  

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Das 2. Bild  stellt die Wundversorgung mittels PU-Schaum bei  Z.n. Grenzzonenamputation bei diabet. Gangrän dar.  

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Die obige Bildreihe zeigt Anlegen eines Vakuum-Verbandes

 

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  1. Wechsel Vakuumverband

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2. Wechsel Vakuumverband (Beendigung, weiter Feuchtverband auf Wunsch der Patientin) 

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Meshgraftdeckung, Nach Entfernung Vacuumverband am 3. Tag postop.

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Die Bilder zeigen ein Mesh mit Vakuumverband und Redonflasche als Sog.

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 Weißliches Hautnetz unmittelbar nach dem Öfnnen des VAC-Verbandes.

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 „Reperfusion“ mit leicht rosa schimmernden Mesh wenige Minuten danach. 

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Ca 3 Tage altes Mesh, offen gepflegt mit gut angegangenen Hautstegen und Fibrinbelägen in den Maschen 

 

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Inhalt, Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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