| Moderne Wundbehandlung: Arterielle Durchblutung |
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Optimierung
der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wundbehandlung
Im
wesentlichen beruht eine unkomplizierte Wundheilung auf einer optimalen
arteriellen Versorgung des Wundgebietes, einem optimalen venösen Abfluss,
einem ungestörten Lymphabfluss und einem sauberen Wundgrund, frei von
Entzündungen und Nekrosen. Ein
gestörter venöser Abfluss
bzw. auch ein gestörter
Lymphabfluss können trotz optimaler arterieller Durchblutung (d.h.
ungestörtem Zufluss zum Wundgebiet) zu einem Gewebsuntergang führen, da
es zu einem Rückstau, d.h. zu einer massiven Störung der
Mikrozirkulation mit entsprechenden Folgen kommt. Die
Reinigung des Wundgrundes, die
Bekämpfung der lokalen Infektion und das Entfernen von Nekrosen und Belägen
reduziert die Keimbesiedelung und schafft die Grundlage zum Aufbau eines
neuen Gewebes. Der
Patient, der sich mit einer Wunde in der Praxis des Hausarztes einfindet,
muss zunächst nicht nur einer Wundinspektion, sondern auch einer
Umgebungsuntersuchung unterzogen werden. Als
erstes ist die Anamnese notwendig, die aufdecken muss, ob es sich
um eine spontan entstandene Wunde handelt, oder ob ein adäquates Trauma
vorliegt. Eine Verkürzung der Gehstrecke im Sinne einer typischen
Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) weist direkt auf eine
arterielle Durchblutungsstörung hin. Die Inspektion der Umgebung,
das Hautcolorit (blass, evtl. bläulich livide als Ausdruck einer
maximalen Sauerstoffausschöpfung) sowie die Untersuchung der Prädelektionsstellen
für Spontannekrosen (Ferse, Innenknöchel, Außenknöchel, Basis des fünften
Mittelfußknochens, vorderer Fußballen, Großzehenballen, Interdigital,
Nagelfalz) deckt evtl. weitere bereits bestehende oder manifeste Defekte
auf. Die körperliche Untersuchung muss sich auf die im
Seitenvergleich zu kontrollierende Hauttemperatur sowie den Pulsstatus der
(meist unteren) Extremität konzentrieren.
Diese
kurzen, orientierenden Massnahmen mit Anamnese, Inspektion und körperlicher,
um eine arterielle Durchblutungsstörung als Ursache oder komplizierende
Begleiterkrankung bei einer spontan aufgetretenen, oder aber auch durch
Verletzung entstandenen Wunde aufzudecken. Falls
sich hierbei Auffälligkeiten ergeben, muss eine weitere Diagnostik vorgenommen werden. Zur
Verfügung stehen in der Praxis vor allem die Doppleruntersuchung
mit Messung der Dopplerverschlussdrucke, des weiteren, allerdings
deutlich zeitaufwändiger und wesentlich abhängiger vom Erfahrungsgrad
des Untersuchers, ist die Duplexsonografie, die die normale
B-Bild-Sonografie mit dem Dopplerverfahren kombiniert und exakte
Darstellungen der Blutgefäße in den erreichbaren Abschnitten liefert.
Als
letzte, aufwändigste, invasivste und den Patienten am meisten belastende
Untersuchung steht die digitale Subtraktionsangiografie zur Verfügung,
welche vor allen Dingen bei älteren Patienten meist im Rahmen eines
kurzen stationären Aufenthaltes durchgeführt werden muss. Hierbei sind
praktisch sämtliche Gefäßbezirke des Körpers exakt darstellbar und es
entsteht für den Gefäßchirurgen die Grundlage für
weitere Therapieentscheidungen.
Falls
eine Verbesserung der der arteriellen Versorgung eines Wundgebietes
notwendig wird, ist eine
Koordination der verschiedenen therapeutischen und diagnostischen Schritte
wichtig. Wesentlich ist hier der Zeitfaktor, der von der
Wundsituation vorgegeben wird. Eine
chronische, seit Wochen oder Monaten bestehende Wunde erlaubt ein großzügiges
Nacheinander der verschiedenen therapeutischen Schritte; eine z.B. durch
ein Malum perforans bei einem Diabetiker ausgelöste Plantarphlegmone
erfordert jedoch die sofortige chirurgische Entlastung des Eiterherdes. In
der Regel ist die optimale Reihenfolge die lokale Wundbehandlung mit
Infektsanierung, anschließend die Optimierung der arteriellen
Durchblutung durch nachfolgend erläuterte Verfahren und anschließend die
weitere Wundbehandlung (bis zur spontanen Abheilung) oder aber die
chirurgische Wunddeckung durch Hauttransplantate, evtl. bis hin zur
Grenzzonenamputation, falls Nekrosen vorliegen.
Infektsanierung Revascularisation Wundbehandlung
Die
möglichen Verfahren zur Verbesserung der arteriellen Durchblutung
umfassen im wesentlichen die Ausschälplastik (die sog.
Thrombendarteriektomie), Bypassverfahren
mittels körpereigener Vene oder Kunststoffmaterialien und schlussendlich
gibt es die vielfachen Möglichkeiten der interventionellen Verfahren.
Durch die vermeintlich geringe Invasivität und die schnelle Durchführbarkeit
lwerden etztere sicherlich zu häufig und viel zu unkritisch angewendet. Die
Thrombendarteriektomie, d.h.
die Ausschälplastik, kommt für kurzstreckige Verengungen, bzw.
kurzstreckige Verschlüsse der arteriellen Strombahnzur Anwendung. Nach
Abklemmen der Arterie wird diese längs eröffnet und die
arteriosklerotisch veränderten, d.h. verkalkten und verdickten
Wandschichten werden ausgeschält. Anschließend wird in den Längsschnitt
ein Kunststoffstreifen zur Erweiterung eingenäht.
Bei
längerstreckigen Verschlüssen (am Bein klassischerweise der Verschluss
der oberflächlichen Oberschenkelarterie, der Arteria femoralis
superficialis) kommen Bypassverfahren
in Frage. Hier ist es von vielerlei Faktoren abhängig, ob man, falls
vorhanden, die körpereigene Vena saphena magna oder aber einen
Prothesenbypass aus Kunststoffmaterialien verwendet. Ziel der
Bypassversorgung ist es, eine Umleitung von einem Gefäßbezirk mit
normalem arteriellem Druck zu einem minderversorgten Gefäßbezirk zu
schaffen. Im Prinzip ist jeder Gefäßabschnitt erreichbar; die heutigen
mikrochirurgischen Techniken erlauben Bypässe bis auf die Fußarterien.
Die
sog. interventionellen Verfahren,
d.h. die Katheterverfahren, beinhalten die klassische Aufdehnung mittels
Ballon (Ballondilatation), das Einbringen eines Stents (stützendes
Metallgitter zum Offenhalten des Gefäßinnendurchmessers), eine
Kombination aus beiden Verfahren, die Lyse, d.h. die Auflösung von
Blutgerinnseln, sowie am aufwändigsten die Implantation von kurzen Gefäßprothesen,
sog. Endografts mittels Katheterverfahren.
In
bestimmten Situationen kann der Verdacht bestehen, dass einem längerstreckigen
Verschluss einer Schlagader eine Thrombose zugrunde liegt, die lediglich
durch eine kurzstreckige Verengung im Verlauf dieser Arteria verursacht
wird. Hier kann zunächst mittels Katheterverfahren eine sog. Wichtig
hierbei ist, dass jedes Verfahren spezielle Indikationen hat und
mitnichten jede in der Angiografie gezeigte Verengung schnell aufgedehnt
werden sollte! Jede Ballondilatation (wie
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Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy