Welche Gefäßerkrankungen gibt es?
Die mit Abstand häufigste Gefäßerkrankung ist die chronische periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Hierbei entstehen durch eine Reihe von pathologischen Faktoren Engstellen (Stenosen) oder Verschlüsse großer Gliedmaßenarterien, unabhängig ob die Ursache entzündlichen oder degenerativen Ursprungs ist. Bei der entstehenden Arteriosklerose (Verkalkung) wird die innere Arterienwand durch eine variable Kombination von Veränderungen geschädigt. Es kommt  zur lokalen Ansammlung von Lipiden, Kohlehydraten, Blutprodukten, Bindegewebe und Calcium-Ablagerungen. Einblutungen in den so geschädigten Bezirk können zu einer lokalen Thrombose führen. Diese Veränderungen wirken sich auch auf die mittlere Schicht der in drei Schichten aufgebauten Arterien aus. 

Gefquschn.gif (57055 Byte) Es entsteht somit bei Fortschreiten der Erkrankung ein Umbau der Gefäßwand mit Einengung des Gefäßlumens und Elastizitätverlust der Gefäßwand. Das Endstadium ist ein Verschluss des Gefäßes.
Es können sich allerdings aufgrund des langsamen Fortschreitens der verschließenden Wandveränderungen Kollateralkreisläufe ausbilden, die den Verschlussprozess umgehen und die Auswirkung der Minderdurchblutung reduzieren.Nun gibt  Gefäßprovinzen -am Oberschenkel,- da kann sich dieser Kompensationsmechanismus  gut ausbilden, so dass die Durchblutung ausreicht und sich ein Gewebsuntergang am Unterschenkel oder Fuß nicht einstellt. Von anderen Gefäßregionen ist  bekannt, dass sich ein solcher Kompensationsmechanismus nicht etabliert. 

Arterielle Aneurysmen sind umschriebene Gefäßerweiterungen. Hierbei sind drei Formen zu unterscheiden. Bei dem echten Aneurysma sind alle drei Wandschichten beteiligt und es kommt so zu einer Aufdehnung der Gefäßwand. 
Bei dem Aneurysma dissecans handelt es sich um eine Längsspaltung der Arterienwand, bei der durch Bluteintritt und Ausbildung eines Hämatoms das wahre Lumen stark eingeengt werden kann. Wenn das Hämatom nun die Gefäßwand "aufbläht" und nach aussen vorwölbt, so entsteht optisch die Ähnlichkeit mit einem Aneurysma, was zu dieser Begriffsbildung geführt hat. Ursache dieses Spontaneinrisses in der mittleren Gefäßwand ist eine Gefügestörung, oder auch andere Bindegewebserkrankung, die zu einer Degeneration dieser Schichten der Gefäßwand führt. Die hauptbetroffene Arterie dieser Erkrankung ist die Brust- und Bauchschlagader. Abhängig von der Entstehung des Einrisses ist das weitere therapeutische Verfahren zu wählen, wobei es sich insbesondere bei Einrissen in der aufsteigenden Brustschlagader um eine sehr schwerwiegende, akute Erkrankung handelt.
Bei einem Aneurysma spurium, welches auch als falsches Aneurysma bezeichnet wird, handelt es sich um eine kleine Verletzung der Gefäßwand, die mit einem Hämatom einhergeht. Häufigste Ursache sind perforierende Arterienverletzungen. Auch im Rahmen der invasiven Diagnostik (z.B. Herzkatheteruntersuchung, Angiografien) können diese Aneurysmata auftreten, wobei sich als Ursache der Stichkanal nach einer Punktion nicht vollständig verschließt und sich eine kleine Höhle bildet. 

Für die biomechanische Funktion der großen Arterien sind die elastischen und kollagenen Bindegewebssysteme wichtige Bauelemente. So wird in der Brust- und Bauchschlagader die pulsatile kinetische Energie des aus dem Herzen ausgeworfenen Blutvolumens in einen eher kontinuierlichen Blutstrom (Windkesselfunktion) umgesetzt. Sind die elastischen Rückstellungskräfte der großen Arterien durch Reduktion der Vernetzung der Bausubstanzen Elastin und Kollagen oder biochemischer Umbauvorgänge geschädigt, so führt dies zu einer Zunahme des seitlichen Wanddruckes und der Wandspannung. In der Folge kommt es zu einer Erhöhung der Schwerkräfte, wobei sich der quere Durchmesser des Gefäßrohres ausdehnt.
Die häufigste Lokalisation dieser Aneurysmen ist die Bauchschlagader (Aorta) auf der Strecke zwischen dem Abgang der Nierenarterien und der Y-förmigen Aufteilung in die beiden Beckeneschlagadern (ca. 70 % aller an der Aorta auftretenden Aneurysmen sind hier lokalisiert). In einem sehr viel geringeren Prozentsatz liegen auch Aneurysmata der thorakalen Aorta (Brustschlagader) vor.
Echte Aneurysmata der peripheren Arterien, wie der Kniekehlenarterien, der Beckenarterien, Eingeweidearterien und an der Halsschlagader sind insgesamt nicht sehr häufig vorkommende Gefäßerweiterungen. 

Angeborene Gefäß-Malformationen sind gutartige Fehlbildungen, die sich im Embryonalstadium entwickeln. Eine familiäre Häufig ist dabei bekannt. Anatomisch kommt es hierbei meist zu einer Verdickung der einzelnen Gefäßwandschichten. Es bilden sich auch arteriovenöse Kurzschlussverbindungen aus. In allen Gefäßregionen können diese Fehlbildungen auftreten, wobei die peripheren Gefäße der unteren Extremitäten am häufigsten betroffen sind, gefolgt von den cerebralen und Eingeweidegefäßen. An den Extremitäten gehen diese Malformationen mit einem Riesenwuchs einher, wobei dieser sowohl den Knochen, wie auch die Weichteile betreffen kann. Es entsteht dann ein den Betroffenen sehr belastender Riesenwuchs. In der Therapie ist häufig ein kombiniertes Vorgehen notwendig, wobei über interventionelle Kathetertechniken Gefäße verschlossen werden können, um dann operativ fehlgebildete Gefäße zu entfernen und ggf. die Kontinuität mittels eines Bypasses wieder herzustellen. 

Das Hauptaugenmerk der venösen Erkrankungen liegt in der Chirurgie der Krampfadern. Aufgrund von Übergewicht, familiärer Disposition und Alter kann es zur Ausbildung einer Varicosis kommen. Diese entsteht durch die Unfähigkeit des Klappenschlusses in den oberflächlichen Venen. Diese Klappen haben die Funktion eines "Rückschlagventils" und sie hindern durch die Muskelpumpe und die Atmung die nach oben beschleunigte Blutsäule am Zurückfließen. Sind die Klappen im oberflächlichen System nicht mehr schlussfähig, so staut sich die Blutsäule zurück und es kommt zu einer zusätzlichen Volumenbelastung in den Venen mit einer konsekutiven Aufweitung der venösen Gefäße. Wenn die konservativen Maßnahmen mittels Kompressions- und Lagerungstherapie ausgeschöpfts sind, so ist eine operative Sanierung sinnvoll.

Entzündliche Gefäßerkrankungen, Vaskulitiden, gehen mit einer lokalen Schädigung der Gefäßwand einher. Es können hierbei Gefäße, unabhängig von ihrer Größe und Lokalisation, betroffen sein. Ursache dieser Erkrankung sind zum großen Teil im spezifischen und unspezifischen Immunsystem zu suchen. Diese Erkrankungen sind eine Domäne der internistisch-angiologischen Diagnostik und Therapie.
 

 

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