Operations-
und Behandlungsverfahren bei der Varicosis
I.
Das klassische Stripping („Herausziehen“) nach Babcock
Bei
diesem Verfahren werden funktionsuntüchtige Venenanteile, bei
denen die Venenklappen nicht
mehr funktionieren und die chronisc h
erweitert sind, entfernt.
Hauptsächlich
findet das Verfahren zur Entfernung der Vena saphena magna (lange
Vene an der Innenseite des Beines, die von der Leiste bis zum Innenknöchel
reicht) Verwendung.
Hierzu
ist eine Freilegung der Vene knapp ober- oder unterhalb des Innenknöchels
erforderlich sowie in der Leiste.
In
der Leiste ist jedoch sowieso eine korrekte und konsequente Operation
notwendig, weil hier sehr viele Venenseitenäste einmünden (dieser
Venenstern die sog. Krosse).
Wenn
man diese an gleicher Stelle wie die Vena saphena magna einmündenden
Seitenäste nicht entfernt sind sie der Ausgangspunkt einer Rezidivvaricosis.
Gerade
hier werden operationstechnisch die meisten Fehler gemacht, da sich
viele sog. Varizenoperateure nicht genügend sicher und nicht genügend
vertraut mit der Anatomie sind, um wirklich bis an die Einmündung
in das tiefe Venensystem freizulegen.
Häufig
wird leider nur oberflächlich unter der Haut die lange Oberschenkelvene
abgetragen und eine erneut auftretende Varicosis ist praktisch vorprogrammiert.
Nach
Freilegung der Vene wird von unten ein flexibler Draht oder auch eine
Kunststoff-Sonde eingeführt und nach Möglichkeit bis zur Leiste hochgeschoben.
Wenn dies wegen des geschlängelten Verlaufes der Vene nicht möglich
sein sollte wird an der Stelle, an der der Stopp ist, freigelegt und
die Vene hier eingebunden.
Ansonsten
wird die Vene befestigt und vorzugsweise in der Weise entfernt, dass
sie wie ein Handschuhfinger nach innen umgestülpt wird. Dies hat den
Vorteil, dass die Entfernung aus dem Gewebe möglichst schonend erfolgt.
Einmündende
Seitenäste werden bei der Methode natürlich abgerissen und können
Blutergüsse verursachen.
Es
ist deshalb notwendig, sofort nach dem sog. Stripping der Vene einen
Druckverband anzulegen.
Wenn
größere Verbindungsäste einmünden müssen diese über gesonderte Schnitte
freigelegt und sorgfältig umstochen oder unterbunden werden.
Seitenäste
werden über Mikroincisionen, also etwa 2 bis 3 mm lang, in der Häkchenmethode
nach Varady entfernt.
Diese
Narben sind praktisch unsichtbar.
Das
o. beschriebene Verfahren ist unser bevorzugtes Operationsverfahren,
da es ohne Einbringung chemischer Mittel (Verödungstherapie) eine
sichere Beseitigung der insuffizienten, also nicht funktionierenden
Venen, erlaubt und eben besonders in der Leiste die zahlreich einmündenden
Seitenäste zuverlässig entfernen kann.
Durch
eine Hochlagerung des Beines während der Operation und einen unmittelbar
postoperativ angepassten Kompressionsstrumpf kann die Entwicklung
von Hämatomen (Blutergüsse)
in den meisten Fällen sehr gering gehalten werden.
II.
Lasertherapie der Varicosis
Es
erstaunt immer wieder, welchen geheimnisvollen Zauber offensichtlich
die Lasertherapie auf Patienten ausübt.
Offenbar
wird damit eine Wunderwirksamkeit verbunden. Dies ist zweifellos nicht
der Fall.
Die
endovenöse Lasertherapie hat das gleiche zum Ziel wie die operative
Entfernung funktionsloser Venenanteile. Der Weg ist allerdings ein
anderer.
Dabei
wird eine Lasersonde, ähnlich wie die Babcock-Sonde in die Vene eingeführt.
Danach wird schrittweise die Lasertherapie durchgeführt, indem Laserenergie
freigesetzt wird. Es handelt sich also sozusagen um ein endoluminales
„Verschweißen“ der Vene von innen durch Hitzeeinwirkung. Dadurch thrombosiert
die Vene innen und wird schließlich zunächst in einen Strang umgewandelt,
schließlich vom Körper resorbiert.
Der
Nachteil des Verfahrens, das sich derzeit allerdings auch erst in
der Versuchsphase befindet, liegt darin, dass an der Einmündung in
das tiefe Venensystem in der Leiste der Verschluss der Venenseitenäste
nicht sicher durchgeführt werden kann.
Wegen
der Gefahr der Hitzewirkung auch auf die tiefe Vene kann man nicht
so präzise an die direkte Einmündung herangehen wie auf chirurgischem
Wege.
Deshalb
werden bei diesem Verfahren entweder die sog. Krosse-Venen belassen
(wodurch natürlich eine Rezidivvaricosis sehr wahrscheinlich wird)
oder es erfordert ebenso den Schnitt in der Leiste und die chirurgische
Operation in diesem Bereich.
Der
Schnitt unten muss sowieso bleiben, da die Lasersonde genauso eingeführt
werden muss wie die Babcock-Sonde.
Ein
ähnliches Prinzip wie die Lasertherapie verfolgt die Radiowellen-Sklerosierung.
Hier wird durch Radiowellen ebenfalls mit Hitze ein Verschweißen der
Vene innen durchgeführt.
Die
Lasertherapie der Varicosis ist also kein Wunderverfahren, sondern
hat im Gegenteil zur klassischen Methode den Nachteil, entsprechend
teuer zu sein und ist in ihren Langzeitergebnissen noch gar nicht
überprüft.
Eine
verschweißte oder auch thrombosierte Vene hat nämlich auch eine große
Tendenz, sich wenigstens teilweise wieder zu eröffnen und damit Blut
zuführen. Auch dies kann zu einem Wiederauftreten der Varicosis beitragen.
III.
Verödungstherapie der Varicosis
Das
gleiche Prinzip wie die beiden vorherigen Verfahren, nämlich funktionsuntüchtige
Venen entweder zu entfernen oder wie vorher erwähnt zu verschweißen,
verfolgt die Verödungstherapie. Durch Injektion eines stark reizenden
Mittels (meistens Aethoxysklerol) wird eine Schädigung der Veneninnenwand
hervorgerufen und die nachfolgende Entzündung führt zu einem Verkleben
der Venenwände.
Dieses
Verfahren hat seine Hauptvorteile bei der Beseitigung von kleinen
Venen, wie Besenreiservarizen oder einer netzartigen Venenzeichnung
(retikuläre Varicosis).
Bei
Einspritzen in große Venen besteht immer die Gefahr, dass das Mittel
unkontrolliert in den Blutkreislauf abgeschwemmt wird und es sind
hier Todesfälle beschrieben worden.
Nachteil
des Verfahrens ist bei der Anwendung an großen Venen, dass es zu einer
stärkeren entzündlichen Reaktion kommen kann.
Die
Thrombosierung der Vene und der nachfolgende Abbau des Blutes kann
dazu führen, dass sich die Venen als braune Streifen in der Haut abzeichnen.
Ebenso wurde bereits vorher beim Laserverfahren erwähnt, dass sich
eine thrombosierte Vene sehr leicht wieder rekanalisieren kann und
damit der Zustand wie vorher vorliegt.
Dies
gilt auch für die Verödungstherapie.
Zweifellos
hervorragende Ergebnisse hat die Verödungs-(Sklerosierungs-)-therapie,
jedoch wie vorher bereits erwähnt bei der Beseitigung von kleinen
Venen wie Besenreiser und retikulären Varizen.
Hier
handelt es sich um ein einfaches und kostengünstiges Verfahren.
IV.
Die CHIVA-Methode
(Cure Conservatrice et Hémodynamique de l’Insuffisance
Veineuse en Ambulatoire)
ist ein Verfahren,
das in letzter Zeit stark propagiert wurde und m.E. eine völlig überzogene
Reklame erfahren hat.
Das
Verfahren ist hauptsächlich im mediterranen Bereich verbreitet. Es
basiert auf der Vorstellung, dass sich Krampfadern (varikös erweiterte
Venen) wieder auf einen normalen Durchmesser zurückverwandeln können,
wenn der durch die Schädigung der Venenklappen bedingte, erhöhte Druck
auf dem Venensystem beseitigt wird.
Wenn
sonst der Blutdruck in den Venen durch die Venenklappe von peripher,
also vom Fuß nach oben geleitet wird, tritt bei einem Venenklappenschaden
ein umgekehrter Blutfluss auf.
Diese
Methode erfordert eine detaillierte und umfangreiche farbduplexsonografische
(Ultraschall) Untersuchung.
Durch
Unterbindung bestimmter Gefäße, die eben diesen umgekehrten Blutstrom
bewirken, wird versucht, den Blutstrom wieder zu normalisieren.
Bei
einem Frühstadium der Varicosis ist durchaus denkbar, dass man damit
den gewünschten Erfolg erreichen kann.
Nach
unserer Erfahrung stellen sich aber meistens Patienten mit sehr ausgeprägter
Krampfaderbildung vor.
Hier
ist eine solche Therapie nicht möglich und es ist sicher auch nicht
möglich, damit eine Rückbildung dieser stark veränderten Venen zu
erreichen.
Wie
jede neue Methode wurde die CHIVA -Methode auch in der Laienpresse
stark propagiert.
Es
ist grundsätzlich natürlich auch ein bestechender Gedanke, dass man
ohne Entfernung der Vene diese wieder „gesund“ macht. Allerdings ist
dies, wie bereits vorher erwähnt, wenn überhaupt, nur in Frühstadien
möglich.
Wegen
des unbewiesenen Wertes des Verfahrens erfolgt derzeit auch noch keine
Kostenübernahme des Behandlungsverfahren durch die gesetzlichen Krankenkassen.
.
V. Die
ESDP (Endoskopisch subfasziale Perforansvenendissektion)
Dieses
Verfahren, das 1985 von dem deutschen Chirurgen Hauer erstmals beschrieben
worden ist, dient dazu, die Perforansvenen (Verbindungsvenen zwischen
tiefem und oberflächlichem Venensystem) auf endoskopischem Wege mit
einem kleinen Schnitt zu unterbrechen.
Der
große Vorteil dieses Verfahren ist, dass man bei Vorliegen von Unterschenkelgeschwüren
von einem Bereich aus operieren kann, wo die Haut noch intakt und
deshalb die Infektionsgefahr deutlich verringert ist.
Es
gibt keinen Zweifel daran, dass das Verfahren bei dieser Indikation,
also bei Vorliegen von Hautveränderungen oder sogar offenen Geschwüren,
eine sehr sinnvolle Behandlungsmaßnahme und eine Bereicherung der
chirurgischen Möglichkeiten ist.
Wie
jedes instrumentell operative Verfahren, das das Etikett „minimal-invasiv“
aufgeklebt erhält, wurde das Verfahren jedoch durch eine intensive
Propagierung der daran interessierten Industrie und auch aus Reklamegründen
von Ärzten auch dann angewandt, wenn sich die Notwendigkeit dazu gar
nicht ergab.
Bei
Vorliegen einer normalen Varicosis mit Perforansinsuffizienzen ist
normalerweise die Haut nicht geschädigt.
Hier
kann durch eine sorgfältige farbduplexsonografische Untersuchung ganz
exakt lokalisiert werden, wo die geschädigten und nicht mehr funktionierenden
Perforansvenen von innen nach außen durchtreten und sie können über
einen kleinen, 2 bis 3 cm langen Schnitt hier auch sehr gezielt unterbrochen
werden.
Von
diesen Schnitten aus kann dann ebenfalls mit der Häkchenmethode nach
Varady das umgebende Venengeflecht, das durch die insuffiziente Perforansvene
hervorgerufen wird, gleich mit aus dem Unterhautfettgewebe entfernt
werden.
Wenn
in dieser Indikation nur zur Perforansunterbrechung das Verfahren
der ESDP angewendet wird so ergeben sich häufiger ausgeprägte postoperative
Schmerzen und auch Gefühlsstörungen.
Man
muss beim Eingehen mit dem Endoskop unter die Muskelumhüllung (unter
die Faszie), um sich einen entsprechenden Raum zu schaffen, um die
Perforansvenen bildlich darstellen und dann dort unterbrechen zu können.
Bei
normalen Varizen, also ohne Vorliegen von Hautstörungen und Geschwüren
sehen wir deshalb keine Indikation zum Einsatz dieses Verfahrens.
Beim
Vorliegen von Geschwüren ist jedoch in den meisten Fällen zur Verbesserung
des Lymphabflusses und wegen der durch chronische Entzündungsprozesse
verdickten und deshalb einengenden Muskelumhüllung die Ablösung der
Muskelfaszie vom Schienbein notwendig (paratibiale Fasziotomie nach
Hach).
Deshalb
ist das Verfahren der ESDP bei diesem ernst zu nehmenden Krankheitsbild
der chronisch venösen Insuffizienz und des chronischen Unterschenkelgeschwürs
eine absolut sinnvolle Maßnahme, während sie, wie gesagt, bei Vorliegen
einer normalen Varicosis aus unserer Sicht nicht indiziert ist.
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