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Der
Anteil von Venenerkrankungen in der erwachsenen Bevölkerung liegt
zwischen 15 und 25%.
Ca. 6 Mill. Bundesbürger sind
also venenkrank.
Eine schwere behandlungsbedürftige
Varikosis liegt bei ca. 5% (1,5Mill.) vor.
Hier ein Bild einer Unterschenkel- Varikosis
Wie erfolgt die Einteilung der Krampfadern?
Die Einteilung Krampfadererkrankung
(der Stammvarikosis) erfolgt nach der Ausdehnung der Krampfadern am Bein
aufgrund kaputter Venenklappen (Grad I bis IV nach Hach).
Durch den dauernden Rückstrom
des Blutes aus oberfächlichen Venen ins tiefe Venensystem kommt es
zur Überlastung des tiefen Venensystems und zur sekundären Insuffizienz
der tiefen Venen.
Schließlich führt dies
zum chronisch venösen Stauungssyndrom.
Die Einteilung der Gewebsveränderungen
erfolgt in 3 Stadien:
Stadium I: Schwellung (Ödeme),
Stadium II: Hautverfärbungen,
Hauterkrankung (trophische Hautstörungen),
Stadium III: Unterschenkelgeschwür(Ulcus
cruris).
Hier schwere Hautveränderungen kurz vor einem
Unterschenkelgeschwür.
Welche Beschwerden werden hervorgerufen?
Zur Behandlung führen außer
kosmetischen Gründen Symptome der Varicosis wie Müdigkeit,
Beinschwere, gehäufte Wadenkrämpfe, in schwereren Fällen
Ödeme und Spannungsgefühl, Hautveränderungen mit Juckreiz
und schließlich schmerzhafte Unterschenkelgeschwüre.
Der Häufigkeit nach liegen
Schmerzen (71,4%), Schwellung (60%), Schweregefühl (47,1%), Krämpfe
(38,9%), Juckreiz (30,3%)und kosmetische Gründe in 24,6% vor (24).
Wie erfolgt die moderne Untersuchung?
Eckpfeiler der Diagnostik ist eine
exakte klinische Untersuchung.
Eine Varizenoperation sollte nicht
von Chirurgen vorgenommen werden, die das betroffenen Bein nicht selbst
beurteilt haben.
Die exakte Untersuchung vor der
OP und auch das entsprechende Anzeichen sollte möglichs durch den
Operateur
selbst vorgenommen werden!
Das heute wichtigste Untersuchungsverfahren
ist die farbcodierte Ultraschall-Untersuchung. Sie ist ideal zur
Lokalisationsdiagnostik und funktionellen Abklärung insuffizienter
Venen geeignet.Sie ersetzt heute fast alle Untersuchungen mit Röntgenkontrastmittel,
ist völlig ohne Nebenwirkungen und ermöglicht eine viel exaktere
und schonendere Operationsweise.
Entscheidend für die Planung
der Behandlung ist die Form der Varikose!
Unterschieden werden die Stammvarikose,
die Seitenastvarikose, die Perforansvarikose (Verbindungsvenen
vom tiefem zum oberflächlichen Venensystem) und schließlich
die vorwiegend kosmetisch bedeutsamen Formen der netzförmigen (retikulären)
Varikose oder der Besenreiservarikose.
Wann macht es Sinn Venen zu veröden?
Domäne der Verödungs-
bzw. der Sklerosierungsbehandlung sind die vorwiegend kosmetisch
störenden Varizenformen der subkutanten Seitenastvarikose, der retikulären
Venenzeichnungen und der Besenreiservarizen.
Ein Dauerverschluß einer
kräftigen Varizenvene ist durch eine Sklerosierung nur schwer zu erzielen.
Die Behandlung von kleinen oberflächlichen
Venen ist durch Injektion eines Verödungsmedikamentes direkt in das
Gefäß, durch die Elektrokoagulation, sowie durch eine
Argon-Lasertherapie möglich. Beide Verfahren benützen
die Hitzekoagulation als therapeutisches Prinzip. Beim Argon-Laser ist
der Erfolg bei roten Gefäßzeichnungen günstiger als bei
bläulichen, da das Strahlenspektrum im blau-grünen Bereich mit
einer Wellenlänge von 500 - 600 nm liegt. Vorteil der Lasertechnik
ist, daß sie Hautkontakt vermeidet und einen geringeren Hautschaden
setzt als die Elektrokoagulation.
Diese Therapieprinzipien kommen
nur bei oberflächlichen Teleangiektasien, Besenreiser- und retikulären
Varizen in Frage und nicht bei ausgedehnteren varikösen Veränderungen.
Welche Möglichkeiten der
gefäßchirurgische Therapie gibt es?
Die chirurgische Behandlung der
Varikosis hat ihre Domäne in der Behandlung von Mündungsklappeninsuffizienz
von V. saphena magna und V. saphena parva, der sogenannten
"Hauptkrampfadervenen" am Ober- und Unterschenkel.
Grundprinzip der Erkrankung ist
die Schlußunfähigkeit der Klappen vor der Einmündung ins
tiefe Venensystem. Diese führt zu einer Flußumkehr vom tiefen
ins oberflächliche Venensystem und zu einer dauernden hydrostatischen
Belastung der oberflächlichen Venen.
Ziel jeder chirurgischen
Behandlung dieser Varikoseformen ist die Unterbrechung des pathogentischen
Kreislaufes durch die Unterbindung und Beseitigung der insuffizienten Verbindungswege
zwischen tiefem und oberflächlichem Venensystem, um somit ein Übergreifen
der Veränderungen auf die wichtigen tiefen Beinvenen zu verhindern.
Wesentlich bei der Varizenoperation
ist eine Thromboseprophylaxe durch die subkutane Heparintherapie ( 0,5ml
niedermolekulares Heparin s. c., z.B. Embolex(r) NM), sowie die Frühmobilisation,
die bereits am Abend des Operationstages beginnt ("einmal um das Bett gehen").
Eine wichtige Voraussetzung für
eine vollständige Operation und ein gutes kosmetisches Ergebnis ist
das Vermeiden stärkerer Blutungen intraoperativ und von postoperativen
Hämatomen.
Voraussetzung ist , daß
Lage der Varizen und Perforansinsuffizienzen präoperativ genau markiert
wurden.
Hier eine schematische Darstellung der
Verbindungsvenen zum tiefen Venensystem.
Intraoperativ angelegt werden Kompressionsstrümpfe
der Kompressionsklasse III (Andruck ca. 40 mm/Hg oder 5,5 kPa).
Zusätzlich erfolgt die Wickelung
mit elastischen Kurzzugbinden von distal nach proximal, wobei im Gelenkbereich
am Fuß zunächst eine Bindenbreite von 7,5 cm Verwendung findet,
weiter proximal 10 cm breite Binden. Am 3. postoperativen Tag erfolgt die
Bindenabnahme und der Wechsel des Kompressionsstrumpfes gegen einen Strumpf
der Kompressionsklasse II (Andruck ca. 30 mm/Hg oder 3,8 kPa).
Die Anpassung der Kompressionsstrümpfe
sollte nur dann nach Maß erfolgen, wenn vom Aspekt her die Verwendung
von Konfektionsstrümpfen ungeeignet erscheint.
Der Operationsverband wird am 3.
postoperativen Tag gewechselt und danach werden Kompressionsstrümpfe
der Kompressionsklasse II verordnet, die für den Verlauf eines Monats
getragen werden sollten.
Wie sehen die Ergebnisse der
chirurgischen Varizenbehandlung aus?
Angaben über das Wiederauftreten
der Krampfadererkrankung (Rezidivquoten) schwanken zwischen 2 und 36% ,
wobei die Definition eines echten Rezidivs schwierig ist.
Sehr häufig kommt es durch
das Fortschreiten der Erkrankung einer venösen Insuffizienz zur varikösen
Veränderung von Venen, die zum Zeitpunkt der Operation noch nicht
betroffen waren und deshalb richtigerweise auch nicht entfernt wurden.
Gerade im Rahmen der gezielten (limitierten)
Varizenchirurgie muß ein späteres Auftreten einer erneuten varikösen
Erkrankung verbliebener Venen als Möglichkeit akzeptiert werden und
auch im Aufklärungsgespräch mit dem Patienten besprochen werden.
Die weitgehend ungefährliche
Operation Phlebektomie wird in Ihrem Schwierigkeitsgrad vielfach unterschätzt
und unerfahreneren Chirurgen überlassen.
Um gute Ergebnisse zu erzielen,
bedarf es jedoch einer sorgfältigen Untersuchung, exakter Planung
und akribischer Ausführung des Eingriffes. Viele sogenannte Rezidivvarikosen
sind nur das Sichtbarwerden von belassenen varikös veränderten
Venen.
Ursächlich für die Entstehung
einer Varikosis ist jedoch nicht nur die Klappeninsuffizienz, sondern auch
eine zum Teil anlagebedingte Wandschwäche der Venen und des Umgebungsgewebes.
Dies ist auch eine Ursache für die häufig auftretende Rezidivvarikosis.
Es handelt sich dabei weniger um echte Rezidive, sondern um ein Fortschreiten
der Krankheit.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
sind unbedingt angezeigt, um ggf. auch frühzeitig durch eine Sklerosierungsbehandlung
einer erneuten Varizenerkrankung vorzubeugen.
Zusammenfassung:
Die frühere radikale Krampfaderchirurgie
hat sich zu einer nur limitiert resezierenden Venenchirurgie gewandelt.
Grundlage einer Varizenoperation
ist eine exakte funktionelle Lokalisationsdiagnostik, bei der die Farb-Duplex-sonographische
Untersuchung den wichtigsten Stellenwert einnimmt.
Die Ergebnisse einer exakt geplanten
und ausgeführten Phlebektomie bei ausgeprägter Varizenerkrankung
sind immer noch jedem anderen Behandlungsverfahren überlegen.
Gute Varizenchirurgie ist anspruchsvoll
in Indikation, diagnostischer Abklärung und technischer Ausführung.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
und gegebenenfalls Nachbehandlungen sind
ein unverzichtbarer Bestandteil
im Behandlungskonzept der Varizenkrankheit. |