Prinzipiell gibt es drei grundsätzliche
Gefäss-Probleme, mit denen der Gefäßchirurg befasst
ist.
Die zugrundeliegende Erkrankung,
die Arteriosklerose führt zu einer Veränderung der
Schlagadern, welche zu entweder einer Rauhigkeit der Gefässwand
(Plaque), einem Verschluss der Arterie oder aber in seltenen Fällen
zu einer Schwächung der Wandstruktur mit allmählicher ballonartiger
Erweiterung der Schlagader führt.
I. EMBOLIE
An den rauhen und verkalkten, teilweise
aber auch weichen und durch immer wieder stattfindende Einblutungen in
die Plaques sulzigen Auflagerungen und Unregelmäßigkeiten der
Gefäßwand können sich Blutgerinnsel absetzen. Diese können
dann z.B. bei einer Blutdruckspitze mit dem Blutstrom in andere Gefäßbezirke
abgeschwemmt werden. Dies nennt der Gefäßchirurg eine Embolie,
welche zu einem akuten Verschluss des Blutgefäßes führt,
in welches das Blutgerinnsel fortgeschleppt wird und stecken bleibt.
Abhängig von der Größe des Blutgerinnsels, der Größe
des akut verschlossenen Blutgefäßes und vor allem der Lokalisation
des Blutgefäßes im Körper kann es dann zu einer akuten
Minderdurchblutung, z.B. von Teilen des Gehirns, des Armes, der Organe
und Eingeweide des Bauches, oder auch des Beines kommen.
II. STENOSE
Bei Fortschreiten der unregelmäßigen
Wandveränderungen und Kalkeinlagerungen kann es (ohne dass dabei
immer eine Embolie stattfinden muss) allmählich zu einer hochgradigen
Verengung und dann auch zu einem Verschluss der betreffenden Schlagader
kommen. Man spricht von einer Stenose oder einem Verschluss einer
Arterie. Wiederum abhängig vom zeitlichen Verlauf dieser Erkrankung,
von den Möglichkeiten des Körpers über Umgehungskreisläufe,
den sog. Kollateralen, einen Ausgleich zu schaffen und auch wiederum von
der Lokalisation des betroffenen Blutgefäßes kommt es dann durch
die chronische Minderdurchblutung zu entsprechend unterschiedlichen
Beschwerden des Patienten. Diese Beschwerden sind zunächst
belastungsabhängig, treten dann im weiteren Verlauf aber auch in Ruhe
auf.
III. ANEURYSMA
In seltenen Fällen, häufig
lokalisisert in der Bauchschlagader, in der Kniegelenksschlagader oder
auch Leistenschlagader, aber auch in den Eingeweidearterien, Hirnarterien
und Armarterien kann es durch die Arteriosklerose zu einer Schwäche
der Arterienwand kommen. Durch die ständige Belastung der Schlagader
durch den pulsatilen Blutfluss kommt es allmählich zu einer Erweiterung
des Innendurchmessers der Schlagader, welches man Aneurysma nennt.
Typisch für die Aneurysmen jeglicher Lokalisation ist die Auflagerung
von Blutgerinnseln an der Wand. Auch hier kann es im weiteren Verlauf durch
ein Verschleppen dieser Blutgerinnsel zu einer Embolie kommen (typisch
für grössere Aneurysmen der Kniekehlenschlagader). Häufiger
jedoch kommt es bei Zunahme des Querdurchmessers des Aneurysmas mit entsprechender
Wandschwächung zu einer Ruptur mit teils bedrohlicher Blutung
in das benachbarte Gewebe.
Die prinzipiellen Behandlungsmöglichkeiten
bestehen
bei einer Embolie aus der
mechanischen Entfernung oder aber der Lyse des verschleppten Blutgerinnsels.
Die Therapie einer Stenose
oder eines Verschlusses einer Schlagader besteht entweder in einer lokalen
Ausschälung mit Entfernung der Kalkeinlagerungen. Dies ist meistens
verbunden mit einer anschließenden Erweiterungsplastik der Schlagader
durch Einnähen eines Kunststoffstreifens. Oder aber der erkrankte
Gefässbezirk muss durch Anlage eines Bypasses, sprich einer künstlichen
Umgehung, ersetzt werden. Die Umgehung, d.h. der Bypass, kann mit
Kunststoffmaterialien, d.h. Polymeren wie PTFE (Polytetrafluorethylen)
oder Dacron vorgenommen werden.Alternativ verwendet man körpereigenes
Material, hier bevorzugt die unter der Haut liegenden Venen, z.B. Vena
saphena magna des Beines oder Vena cephalica bzw. Vena basilica des Armes.
Diese Venen werden auch bei den Bypassoperationen am Herzen benutzt.
Die aneurysmatischen Erweiterungen
der Schlagadern müssen ab einem bestimmten Querdurchmesser, d.h. bei
wachsender Rupturgefahr, durch entweder Venen oder aber Prothesenmaterial
ersetzt werden. In jüngster Zeit bieten sich hier auch die sog. endovaskulären
Verfahren an, wobei hier jedoch bestimmte anatomische
Voraussetzungen gegeben sein müssen, die nicht immer vorliegen. In
der Regel handelt es sich bei den Aneurysmen um Erweiterungen der Bauchschlagader
oder aber größerkalibriger Arterien, so dass Kunststoffmaterial
benutzt werden muss, welches dann in Form einer Rohrprothese den erkrankten
Arterienabschnitt ersetzt.
Diese gefäßchirurgischen
Behandlungsmöglichkeiten werden ergänzt durch physikalische Maßnahmen,
wie Gefäßtraining,
eine lokale CT-gesteuerte oder
offene Sympathikolyse (siehe Kapitel xxx),
medikamentöse Therapie-Massnahmen(dauerhafte
Einnahme von die Blutgerinnung herabsetzenden Substanzen, wie Acetylsalizylsäure,
Ticlopidin, Clopidogrel, Marcumar o.ä.).
Zusätzlich sollten selbstverständlich
vom Hausarzt die allgemeinen kardiovaskulären Risikofaktoren
kontrolliert und therapiert werden, in erster Linie dabei ein Verzicht
auf Nikotinkonsum, eine konsequente Einstellung des Blutdrucks sowie eine
regelmäßige Kontrolle und Einstellung der Blutfettwerte sowie
anderer bekannter Stoffwechsel- bzw. Enzymveränderungen.
Die geschilderten Prinzipien sind
im Prinzip auf alle Gefäßabschnitte des Körpers anzuwenden.
In den verschiedenen Kapiteln dieser Homepage werden Sie immer wieder über
die verschiedenen gefässchirurgischen Behandlungsmöglichkeiten
lesen .
Die Anwendung des einen oder anderen
Behandlungsverfahrens oder einer Kombination dieser Verfahren ist abhängig
von dem Ausmaß und der Lokalisation der Erkrankung.
Prinzipiell geht es immer darum,
die Blutzufuhr zu einem minderversorgten Gewebsbezirk zu verbessern.
Die Entscheidung für das eine
oder das andere Verfahren ist abhängig vom vorgegebenen Problem, d.h.
Ausmaß und Lokalisation der Erkrankung, der Erfahrung und den technischen
Möglichkeiten des Gefäßchirurgen sowie auch natürlich
der Gesamtsituation des Patienten (siehe Kapitel Gefäßchirurgie
zum Beinerhalt).
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