| Einführung
In der Bundesrepublik
Deutschland ist der "Schlaganfall" nachgewiesen die dritthäufigste
Todesursache.
Da spezifischen Behandlungsmöglichkeiten bei Auftreten
eines Schlaganfalls nur bedingt möglich sind und trotz optimaler
Behandlung häufig beleibende Behinderungen oder der Tod des Betroffenen
die Folgen sind, kommt der Schlaganfallprävention größte
Bedeutung zu.
Vorbeugung
ist prinzipiell über die Vermeidung bzw. Behandlung von Risikofaktoren
für einen Schlaganfall möglich, so müssen der
arterielle Blutdruck, die Blutfettwerte, die Blutzuckerwerte und das
Körpergewicht im Normbereich gehalten werden, ausserdem sollte
Rauchen als starker Risikofaktor für ds Auftreten von Gefäßverkalkungen
und Veränderungen, welche zum Schlaganfall führen können,
strikt vermieden werde
Sind im
Gehirn bereits Gefäßveränderungen entstanden, die
die Entstehung eines Schlaganfalls wahrscheinlich machen, stehen medikamentöse
Behandlungsformen zur Verfügung.
So können die Blutplättchen daran gehindert werden, so großen
Blättchenklumpen zu verkleben, da derartige Verklumpungen oftmals
nach Abschwemmung mit dem Blutstrom zu Verschlüssen der kleinen
Hirngefäße führen und somit einen Schlaganfall auslösen.
Eine generalisierte Hemmung der Blutgerinnung stellt eine weitere,
noch stärker wirksame, medikamentöse Prophylaxe des Schlaganfalls
bei entsprechenden Fällen dar. In jedem Fall ist die medikamentöse
Behandlung nicht mehr dazu geeignet, bereits eingetretene Gefäßveränderungen
bzw. Gefäßverkalkungen wieder rückgängig zu machen.
Bei Vorliegen von höhergradigen Engstellungen im Gefäßsystem
der hirnversorgenden Halsschlagadern besteht die Möglichkeit
einer Operation mit Wiedereröffnung des vollen Gefäßdurchmessers,
um einen drohenden Schlaganfall abzuwenden.
Wieso
führen Gefäßveränderungen der Halsschlagadern
zu Schlaganfällen?
Als
weitere Vorbeugung gegen das Auftreten eines Schlaganfalls besteht
die Möglichkeit einer Operation der Halsschlagadern für
den Fall einer höhergradigen bzw. höchstgradigen Einengungen
der hirnversorgenden Halsschlagadern dar.
Höhergradige
Einengungen der Halsschlagadern bedingen auf zweierlei Arten Schlaganfälle,
zum ersten durch massive Einengungen des Gefäßes mit entsprechend
starker Reduktion des Blutflusses ins Gehirn. Somit fällt der
im Hirn aufgebaute Durchblutungsdruck unter eine kritische Grenze,
somit resultiert aufgrund eines mangelnden Blutflusses eine starke
Minderversorgung des Hirngewebes u.a. mit Sauerstoff und Zucker, so
dass Gewebe zugrunde geht.
Der zweite Mechanismus, welcher bei höhergradiger Arterienverkalkungen
zum Schlaganfall, in diesem Fall zu sog. Territorialinfarkten führen
kann, besteht in einer Verschleppung von Thromben, die sich
auf dem Boden der stark verkalkten und oberflächendveränderten
Halsgefäßen bilden und durch Ablösung und Verschleppung
mit dem Blutfluss in eine der hirnversorgenden Hauptarterien zu einem
vollständigen arteriellen Verschluss in einem bestimmten Hirngebiet
führt. Die nach dem Verschluss liegenden, durch dieses Gefäß
normalerweise versorgten Hirngebiete werden nicht mehr versorgt und
sterben dadurch ab. Es kommt somit meist zu einem ausgeprägten
typischen Beschwerdebild.
Derartige Schlaganfälle können auch durch Thromben entstehen,
die (vor allem bei jungen Menschen) im Bereich des Herzens bei Herzrhythmusstörungen
oder Herzwanddefekt entstehen.
Welche
Gefäßveränderungen im Bereich der Halsschlagader eignen
sich für eine operative Ausschälung zur Vorbeugung eines
Schlaganfalls?
1.Hämodynamisch
(d.h. den Blutstrom stark einschränkende) wirksame Halsschlagadereinengung
mit typischem Beschwerdebild.
Besteht
im Bereich der zum Hirn führenden Halsschlagadern eine Gefäßverkalkung
mit Verkleinerung des Gefäßdurchmessers über 70 %
so verringert sich der Blutfluss ins Gehirn so stark, dass Teile des
Gehirns nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen
versorgt werden und somit Störungen der Hirnfunktion auftreten.
Durch Eröffnung der Schlagader sowie Vergrößerungen
des blutdurchflossenen Durchmessers lässt sich die Hirndurchblutung
wieder normalisieren und somit einem drohenden Schlaganfall vorbeugen.
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Die Abbildung zeigt den Hautschnitt an der Halsseite.
Die Narbe ist später kaum zu sehen, da sie in den Hautspaltlinien
verläuft.
Die günstigste Wirkung einer Halsschlagaderoperation
wurde bei höchstgradigen Engstellungen von 90-95 % festgestellt.
Grundsätzlich sollten alle Einengungen der hirnversorgenden
Halsschlagader mit Verringerung des Gefäßdurchmessers von
über 70 % operativ korrigiert werden.
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Die Abbildung zeigt eine eröffnete Halsschlagader
mit einer kreisförmigen , hochgradigen Engstellung am Abgang
der zum Gehirn führenden Arteria carotis interna. Zur Aufrechterhaltung
des Blutstroms ist ein Kunststoff-Röhrchen innerhalb und oberhalb
des Operationsgebietes eingelegt.
2.Hämodynamisch
wirksame Halsschlagadereinengungen ohne typische Beschwerden.
Bei hämodynamisch
stark wirksamen Halsschlagaderverengungen mit Reduktion des Gefäßinnendurchmessers
über 80 % ist u.E. eine chirurgische Korrektur ebenfalls anzuraten,
da auch bei völligem Fehlen von Symptomen der Durchblutungsstörung
bzw. der Gefäßverengung das erste Ereignis bereits ein
schwerer, möglicherweise sogar tödlicher Schlaganfall sein
kann. Lt. mehreren Studien unterliegen Personen mit hochgradigen Gefäßverengungen
(größer 75 %) mit einem jährlichen Schlaganfallrisiko
von ca. 20 %, d.h. jeder fünfte Patient mit entsprechender Verengung
aber ohne jeglichem Beschwerdebild erleidet binnen eines Jahres nach
Diagnosestellung einen Schlaganfall, sofern er sich nicht operieren
lässt.
Da wie oben
beschrieben bereits das erste neurologische Erscheinungsbild ein schwerwiegender
Dauerschaden sein kann ist es u.E. nicht vertretbar, Patienten mit
oben beschriebenen Gefäßverengungen lediglich zu beobachten,
bis die ersten Symptome auftreten. Zudem haben Untersuchungen ergeben,
dass sog. stumme Hirninfarkte (der Patient bemerkt davon nicht) häufig
im Computertomogramm von Patienten mit "bei asymptomatischen " Halsschlagaderveränderungen
gefunden werden. Diese Befunde steigen in Ausmaß und Häufigkeit
mit der gefundenen Schwere der Gefäßveränderungen
an.
Weitere neueste Studien, in denen asymptomatische Patienten mit einseitiger
Halsschlagaderverengung teils operiert, teils lediglich medikamentös
behandelt wurden, belegen ebenfalls, hoch- und höchstgradige
Verengungen der Halsschlagadern auch vor Auftreten vor Beschwerden
zu operieren.
3. Hämodynamisch
nicht relevante Halsschlagaderveränderung mit sog. arteriosklerotischem
Geschwür (Ulcus)
Entsprechende
Studien haben ergeben, dass Gefäßveränderungen an
den hirnversorgenden Schlagadern im Sinne eines Gefäßgeschwürs
auch bei geringgradiger Verengung des Gefäßes als Streuherd
von kleinen Blutklumpen in das Hirn dienen, dort Hirngefäße
verschließen können und somit einen Schlaganfall auslösen
können.
Zusammenfassung:
Operierte
werden sollten also alle höhergradigen und höchstgradigen
Gefäßeinengungen mit typischen Beschwerden, höher-
und höchstgradige Gefäßeinengungen der Halsschlagadern
ohne Beschwerden sowie Gefäßveränderungen der Halsschlagadern
mit sog. Gefäßgeschwüren auch bei niedriger Verengung
der Strombahn.
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Hier
sieht man den entfernten Carotisinnenzylinder mit der Stenose. Es
handelt sich um krankes Arteriosklerosegewebe, das während der
Operation aus der Halsschlagader ausgeschält wurde.
Insbesondere
ist bei hämodynamisch stark wirksamen Carotisstenosen von über
80 %, eine chirurgische Korrektur anzuraten, da auch
bei vorher asymptomatischen Carotisstenosen das erste Ereignis
bereits ein schwerer Schlaganfall sein kann.
Patienten mit einer asymptomatischen Carotisstenose
unterliegen einem jährlichen Schlaganfallrisiko von 2% (Stenosegrad
<75%) bis 18 %(Stenosegrad >75%).
Nicht
vertretbar ist es asymptomatische Patienten zu beobachten, bis ein
Warnsymptomm auftritt und erst dann zu operieren. Bereits das erste
neurologische Erscheinungsbild kann ein schwerwiegender Dauerschaden
sein.
Stumme Gehirn- Infarkte sind ein häufiger Befund
im CT bei Patienten mit asymptomatischen Carotisstenosen.
Die Befunde korrelieren mit der Schwere des Stenosegrades.
Nach
neuesten Studien, in denen asymtomatische Patienten mit einseitiger
Carotisstenose prospektiv (Operation gegenüber medikamentöse
Therapie) untersucht wurden, ist es empfehlenswert, asymptomatische
hochgradige Carotisstenosen vorbeugend zu operieren:
Die
Indikation zur Operation asymptomatischer Carotisstenosen wurde von
uns bereits 1990 zusammengefaßt:
Einer gefäßchirurgischen Korrektur
zugeführt werden sollten Stenosen
über 80 %, die ein rasches Fortschreiten
(Progression) zeigen,
Stenosen, die im Sinne eines Arteriosklerose-Geschwürs
(arteriosklerotisches Ulcus) als Streuherd (Emboliequelle) in Frage
kommen und
Patienten mit stummen Hirn-Infarkten, die eine
seitengleiche hochgradige Verengung der Halsschlagader aufweisen.
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Die Abbildung
zeigt die gereinigte Gefässinnenfläche der Halsschlagader
nach Entfernen der Gefäßveränderungen.
Am linken Bildrand sieht man die Gefäßfortsetzung mit
gesunder, glatter Innenauskleidung.
Wie kann
man das Ausmaß der Gefäßveränderungen festlegen?
Zur sicheren
Darstellung der Gefäßveränderungen sind entweder die
Röntgendarstellung der hirnversorgenden Gefäße oder
die Untersuchung mittels hochwertigen Ultraschallgeräten notwendig,
die Festlegung der Gefäßveränderungen über die
Kernspintomografie wird derzeit versucht, die Verlässlichkeit
im Vergleich zu den anderen Untersuchungsmethoden kann abschließend
noch nicht beurteilt werden und somit derzeit noch nicht empfohlen
werden.
Wann
ist der optimale Operationszeitpunkt?
Die derzeit
geltenden Richtlinien verlangen eine einwöchige Beschwerdefreiheit
nach flüchtigen Beschwerden einer Durchblutungsstörung im
Hirn bzw. eine zwei-bis dreiwöchige Wartephase nach dem Auftreten
eines akuten Schlaganfalls, bevor eine Operation der Halsschlagader
durchgeführt werden kann.
Welche
Komplikationen treten bei der Halsschlagaderoperation auf und wie
häufig sind diese?
Das Spektrum
der möglichen Komplikationen umfasst die allgemeinen Operationsrisiken,
wie Nachblutung, Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen, Schädigung
von Nerven (insbesondere Nerven der Stimmbandsteuerung sowie der Steuerung
der Zunge).
Im speziellen zu nennen sind auftretende Durchblutungsstörungen
des Gehirns während der Operation durch Abklemmen der zu operierenden
Halsschlagader, welche schlimmstenfalls ebenfalls einen Schlaganfall
während der Operation auslösen können.
Untersuchungen zur sog. Qualitätssicherung nach Operation der
Halsschlagadern haben eine Komplikationsrate je nach Abteilung von
1 bis 10 % der Operationen ergeben.
Die durch die Operation auftretenden Komplikationen sind im Vergleich
zur Häufigkeit des drohenden Schlaganfalls ohne Operation aufgrund
ihrer Seltenheit und ihrer meist geringen Bedeutung für den Patienten
kein Grund, eine notwendige Operation abzulehnen oder zu verschieben.
Risikoeinschätzung
Nur mit modernsten Untersuchungsmethoden können
die Patienten herausgefiltert werden, die einem sehr hohen Risko eines
Schlaganfalls unterliegen.
Operationszeitpunkt nach neurologischen Symptomen
Ein mindestens 6-wöchiger Abstand nach einem Schlaganfall
wurde als frühester Zeitpunkt für eine Carotis-TEA empfohlen.
Neue Untersuchungen über frühe Carotis-TEA`s
nach Schlaganfall (innerhalb von 30 Tagen) ergaben aber ein geringes
Operationsrisiko.
Die jetzigen für uns geltenden Richtlinien verlangen
eine 1-wöchige Symptomfreiheit nach flüchtigen Lähmungserscheinungen
oder eine 2-3 wöchige Wartephase nach einem Schlaganfall vor
einer Carotis-Operation.
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Die Abbildung
zeigt die bereits verschlossene Halsschlagader nach Einnaht eines
künstlichen Gewebestreifen aus Polyester.
Dadurch wird die Schlagader zusätzlich erweitert und die freie
Durchströmung des Gefäßes mit Blut sichergestellt.
Gefäßchirurgische
Qualität der Carotis-Operation
Bei jeder chirurgischen Maßnahme muß die
Qualität der chirurgischen Leistung berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse der Carotischirurgie schwanken zwischen
einer Komplikationsrate von unter 1 % bis zu 12 %.
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Die Abbildung
zeigt die mit einer Intracutan-Naht ("in der Haut genähte") verschlossene
Operationswunde. Am rechten Bildrand ist die Drainage zu sehen, die
nach 24h entfernt wird und dazu dient Blutergüsse in der Wunde
zu vermeiden. Die Hautnaht wird nach 8 Tagen entfernt. Meistens ist
die Operationsnarbe später gar nicht mehr zu sehen.
Qualitätssicherung
in der Halsschlagaderchirurgie
Die Deutsche
Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) hat seit 1996
eine deutlichlandweite externe (d.h. abteilungsunabhängige) Qualitätskontrolle
für jede durchgeführte Halsschlagaderoperation eingeführt.
Die Ergebnisse zeigen bei 27 000 durchgeführten Operationen eine
Rate für das Auftreten von Schlaganfällen oder Todesfällen
im Verlauf nach Carotis-Operation von insgesamt 2,4 %.
Hierbei trat während 1,8 % der Operationen ein Schlaganfall auf,
Todesfälle (Letalität) während der Operationsphase
traten in 1 % der Fälle auf, vorübergehende neurologische
Veränderungen nach der Operation traten in 4,8 % auf.
In
den Ergebnissen unserer Abteilung (ermittelt durch die externe Qualitätskontrolle
der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung
BAQ) lag die Sterblichkeitsrate im Verlauf der Operation
bei 0% und die operationsbedingteSchlaganfallsrate bei 0,6 %.
Schlußfolgerung
Die ausgezeichneten
Ergebnisse der Carotischirurgie (Schlaganfallprophylaxchirurgie der
Halsschlagadern) rechtfertigen die operative Schlaganfallprophylaxe
bei allen hämodynamisch wirksamen oder ulcerös embolisierenden
Halsschlagaderverengungen, auch wenn bei den betroffenen Patienten
bisher noch keine typischen Symptome (Beschwerden) auftraten.
Erhebliche Unterschiede in den Ergebnissen nach Halsschlagaderoperation
sowie den Komplikationsraten während der Operation in Abhängigkeit
von der durchführenden Institution legen nahe, eine solche Operation
in einer Fachabteilung für Gefäßchirurgie durchführen
zu lassen.
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