Rauchen und Gefässerkrankungen

???         “ICH RAUCHE GERN  !”       ???

AntirauchWR.jpg (57875 Byte)Diese Bild verdanke ich meinem Freund, dem grandiosen  Maler WILLI REICHERT. Er hat in seiner künstlerischen Entwicklung nie einen Endpunkt erreicht und ich hoffe (annähernd) Gleiches in meiner Tätigkeit als Gefässchirurg zu schaffen (SvS).

Fahren Sie gerne ein Auto mit verstopftem Luftfilter? 
Schätzen Sie es, wenn die Wasserleitungen Ihres Hauses verkalkt sind und sich die Perlatoren ständig zusetzen?
Sie lassen sicher den Luftfilter wechseln und bauen sich eine Entkalkungsanlage in Ihre Wasserleitung ein.

Warum gehen Sie aber mit Ihrer wichtigsten Maschine und ihrem ganz eigenen ”Haus”, Ihrem Körper so ganz anders um?
Es ist zweifelsfrei bewiesen, welche schlimmen gesundheitlichen Folgen das Rauchen auf Ihre Atemwege und auf das ”Wasserleitungssystem” Ihres Körpers, die Blutgefässe hat.

Glauben Sie, die amerikanische Tabakindustrie hat freiwillig  Milliarden Dollar an die Gesundheitsbehörden  gezahlt, um einen finanziellen Ausgleich für die Behandlung der durch Rauchen verursachten Gesundheitsprobleme zu schaffen? Sie wissen vermutlich, dass in Amerika das sog. Produkthaftungsgesetz besteht, also ein Hersteller für die Auswirkungen des von ihm hervorgebrachten Produkts verantwortlich gemacht werden kann.
Dieser sog. aussergerichtliche Vergleich war nur möglich, weil die Tabakindustrie in jedem ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt worden wäre, für die entstandenen Gesundheitsschäden aufzukommen.

Woran liegt diese Gleichgültigkeit dem Rauchen gegenüber?
 Kontroversen um den Tabak und das Zigarettenrauchen sind schon uralt.
Die Einführung des Tabaks in Europa fiel auf das Jahr 1519. 
Inzwischen sind in dieser langen Zeit die Auswirkungen des Rauchens wissenschaftlich vollständig erforscht (epidemiologisch, psychologisch, toxikologisch, therapeutisch) und es bleiben kaum noch Fragen offen.
Trotzdem meint offenbar immer noch ein Großteil der Raucher, dass gerade ihnen das Rauchen eben nicht schaden würde. Auch von intelligenten Leuten kann man oft hören, wie alt doch der liebe Opa trotz ständigem Nikotin-Mißbrauchs geworden sei.
Komischerweise erzählt aber niemand von dem Opa oder der Oma, die früh einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben, oder auch Gliedmaßen verloren haben, weil sich die Blut- Gefässe verschlossen haben.
Erschreckend ist, wieviele junge Menschen  rauchen. 
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Tabak-Mißbrauch werden bei uns in Deutschland praktisch nicht durchgeführt. Verbote und abschreckende Videos, die in den Schulen vorgeführt werden, sind fast unwirksam.
Grundsätzlich sollte jedem freigestellt sein, wie er mit seiner Gesundheit umgeht (das steht auch jedem Drachenflieger frei) aber er darf dabei nicht seine Umwelt mitschädigen. 
Das passive Mitrauchen jedoch ist auch nachgewiesenermaßen schädlich und führt zu einem 1,3 bis 1,4fach erhöhtem Risiko für ein Bronchialkarzinom (Lungenkrebs).
Trotzdem dies eindeutig wissenschaftlich belegt ist wird es trotzdem standhaft negiert, geleugnet oder abgestritten.
Viele der am häufigsten in der Öffentlichkeit zu sehenden Menschen (Politiker) treten ungeniert als Raucher auf. Zweimal wurde bereits in unserem Lande versucht, ein Nichtraucherschutzgesetz einzuführen, 1992 und 1994. Es ist beide Male gescheitert. Eine Ende 1996 begonnene Initiative wird vermutlich auch scheitern. Können Sie sich so viel Dummheit vorstellen?
In den USA und Kanada ist es ganz selbstverständlich, dass man in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten nicht raucht und es wurden speziell dafür eingerichtete Räume geschaffen.

Die Zahl der Tabak- Toten beträgt weltweit pro Jahr ca. 2 bis 3 Millionen Menschen.

Warum trotzdem nichts geschieht und es keine öffentliche Lobby gegen das Tabakrauchen gibt, liegt an der ungeheuren finanziellen Potenz der Tabakindustrie. 
Viele 100 Millionen pro Jahr werden für Tabakwerbung ausgegeben und es sind zweifellos die besten Werbeagenturen, die dafür engagiert werden. 
Fast jeder kennt die Geschichte von dem berühmten Marlboro-Cowboy, der schließlich selbst an Lungenkrebs verstorben ist.
Gerade typisch ist, dass auf dem kürzlichen Parteitag einer politischen Partei der Tabakhersteller Reemtsma das Sponsoring des Parteitages für Getränke und Imbiss übernommen hatte. Sie sehen also, wie eng die Verquickung von interessierter Industrie und Politik ist und wie dumm (oder korrupt?) auch die grüne Umweltpartei ist.

Wussten Sie, dass Deutschland der drittgrößte Produzent von Zigaretten in der Welt ist (nach USA und Japan). Die Tabaksteuer erbringt in der BRD etwa 20 Milliarden Mark pro Jahr (mehr noch als Alkohol, das sind nur etwa 8 Milliarden Mark).

Sie können fast jeden Tag in den Zeitungen über sehr begrüßenswerte Kampagnen zur Bekämpfung der Drogensucht lesen (siehe auch z.B. Fußballnationalmannschaft).
Ist Ihnen eigentlich klar, dass dieses Problem rein zahlenmäßig in keinem Verhältnis zu dem Rauchproblem steht: 
In den USA sterben z.B. jährlich 
durch Drogen 20 000 Menschen
durch Alkohol 100 000 Menschen und 
durch Tabak 400 000 Menschen.

Das Bundesverfassungsgericht hat 1997 auf eine Klage der Zigarettenproduzenten gegen die wahren Hinweise auf Zigarettenpackungen folgendes festgestellt:

“Das Rauchen tötet mehr Menschen als Verkehrsunfälle, AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Mord und Selbstmorde zusammen. 
Es ist die häufigste und wissenschaftlich am deutlichsten belegte Einzelursache für den Krebstod.”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Denken Sie einmal nach über den schönen Spruch einer Zigarettenfirma:
 ”Ich rauche gern”.
 

Wirkung des Rauchens auf die Gefässe

Die Zusammenhänge Gefässerkrankung und Zigarettenrauchen sind eindeutig belegt und bewiesen. 
Die Gefässerkrankung führt zu einer Verkürzung der Lebenserwartung von rauchenden Männern um 6,5 Jahre.
Journalisten der "Ärzte-Zeitung" haben aus dem durchschnittlichen Zigarettenkonsum eines Rauchers von ca. 311 368 Zigaretten/Lebenszeit errechnet, dass jede Zigarette das Leben um 11min verkürzt.

Wie sind aber die Wirkungen des Tabakrauchs im einzelnen?

Die Wirkungen des Rauchens auf die Blutzusammensetzung  und auf Veränderungen an den Blutbestandteilen sind vielschichtig. 
Der Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Gefäßerkrankungen wurde bereits vor mehr als 100 Jahren erkannt. 
Die Wirkung besteht in einer Aktivation der Blutplättchen, die dadurch eine verstärkte Klebrigkeit erhalten. Bei kleinen Verletzungen an der Innenauskleidung der Gefäße haften diese Plättchen an und sind sozusagen die Initialzündung für die Entwicklung der Arterienverkalkung. 
Die Steigerung der Gerinnbarkeit des Blutes begünstigt auch die Entstehung von Blutgerinnseln im Gefäß. 
Ein weiterer Einfluss ist der auf die Verformbarkeit der Blutplättchen. Um auch die kleinsten Gefäße des Körpers passieren zu können müssen sich die roten Blutkörperchen verformen. Diese Verformbarkeit wird durch das Rauchen eingeschränkt. 
Die Zusammensetzung des Blutes wird negativ beeinflusst indem das Blut dickflüssiger wird. Dies ist durch einen Anstieg der Gerinnungsfaktoren (besonders des Fibrinogens) bedingt. 
Zusätzlich werden aber auch die Blutfettwerte ungünstig beeinflusst. Es kommt dabei zu einer Steigerung des schädlichen LDL(Low Density Lipüoproteins)und einer Verminderung des (günstigen) HDL (High Density Lipoproteins). 
Direkte Wirkungen des Nikotins sind auch die Steigerung der Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin). 
Diese wiederum führen zu einer Verengung der Gefäße (Vasokonstriktion) und bewirken ebenfalls eine Steigerung der Klebrigkeit der Blutplättchen. 
Die Fähigkeit der roten Blutkörperchen, Sauerstoff zu transportieren, wird eingeschränkt dadurch, dass Kohlenmonoxyd den Sauerstoff verdrängt. 
Durch diese chronisch herabgesetzte Sauerstoffversorgung werden mehr rote Blutkörperchen produziert, die damit auch das Blut "dicker" machen. 
Die schädlichen giftigen Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs sind allgemein bekannt. Diese Gifte lösen  Krebserkrankungen aus und sind aber auch als Gefäßgift wirksam. 

Leider ist es auch ein Trugschluss zu glauben, dass Pfeifenrauchen oder Zigarren- oder Zigarillorauchen weniger schädlich sei als das Zigarettenrauchen. Inzwischen konnte  nachgewiesen werden, dass die Schädigung nur eine Abhängigkeit von der Menge des aufgenommenen Nikotins bzw. der Menge des Rauches ist. Bei gleicher Dosis besteht die gleiche Erkrankungsgefahr und die gleiche Gefährdung hinsichtlich Krebserkrankung und Gefäßerkrankung.

Oft wird behauptet, dass Passivrauchen (d.h. ungewolltes Mitrauchen) weniger schädlich sei. Dies ist Unsinn. Es ist eindeutig belegt, dass passives Mitrauchen genauso zu einer erhöhten Gefährdung für Gefäßerkrankungen führt, als wenn man die entsprechende Menge selbst rauchen würde. 

Der Rauch einer Zigarette enthält etwa 3 500 bis 4 000 verschiedene Substanzen. Dazu kommen etwa 400 bis 500 gasförmige Stoffe. Dieses sind die besonders gefährlichen Stoffe für eine Gefäßerkrankung, wohingegen Nikotin selbst nicht direkt im Vordergrund steht hinsichtlich gefäßverändernden Wirkungen sondern, wie vorher ausgeführt, durch sekundäre Wirkungen zur Gefäßerkrankung führt. Durch die Giftstoffe des Tabakrauchs wird die Innenauskleidung der Gefäße, die Zellen des sog. Endothels, geschädigt. 

Manche Erkrankungen sind  besonders eng mit dem Rauchen verknüpft. Hier ist z.B. die  Thrombangitis obliterans zu erwähnen (Morbus Bürger), die vorwiegend jüngere Menschen betrifft. Der Beginn der Erkrankung liegt dabei zwischen 30 und 40 Jahren. Über 90 % der Erkrankten sind Raucher. Wenn es gelingt, dann das Rauchen einzustellen, wird eine dramatische Besserung erreicht und die sonst unvermeidlichen Amputationen gehen drastisch zurück. 

Leider ist die Raucherentwöhnung jedoch ein trauriges und unbefriedigendes Kapitel. 
Nur etwa ein Fünftel aller Patienten (20% !) , die an einem Raucherentwöhnungsprogramm teilnehmen, schaffen es wirklich, von dem Zigarettenkonsum loszukommen. 
Wirkungsvolle Raucherentwöhnungsprogramme verlangen eine ständige Betreuung und Führung des Abhängigen. Günstig kann temporäre Ersatznikotinsubstitution durch Pflaster und Kaugummi wirken. 
Die suchtauslösende Wirkung des Nikotins ist jedoch extrem stark. So soll die  Abhängigkeitsentwicklung bis zu zwanzigmal stärker ausgeprägt sein als bei bekannten Drogen wie Haschisch, Heroin und Kokain. 
 

 

 

Inhalt, Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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