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“ICH RAUCHE GERN !” ???
Diese
Bild verdanke ich meinem Freund, dem grandiosen Maler WILLI REICHERT. Er
hat in seiner künstlerischen Entwicklung nie einen Endpunkt erreicht und ich
hoffe (annähernd) Gleiches in meiner Tätigkeit als Gefässchirurg zu schaffen
(SvS).
Fahren Sie gerne ein Auto mit verstopftem
Luftfilter?
Schätzen Sie es, wenn die
Wasserleitungen Ihres Hauses verkalkt sind und sich die Perlatoren ständig
zusetzen?
Sie lassen sicher den Luftfilter
wechseln und bauen sich eine Entkalkungsanlage in Ihre Wasserleitung ein.
Warum gehen Sie aber mit Ihrer wichtigsten
Maschine und ihrem ganz eigenen ”Haus”, Ihrem Körper so ganz anders
um?
Es ist zweifelsfrei bewiesen, welche
schlimmen gesundheitlichen Folgen das Rauchen auf Ihre Atemwege und auf
das ”Wasserleitungssystem” Ihres Körpers, die Blutgefässe hat.
Glauben Sie, die amerikanische Tabakindustrie
hat freiwillig Milliarden Dollar an die Gesundheitsbehörden
gezahlt, um einen finanziellen Ausgleich für die Behandlung der durch
Rauchen verursachten Gesundheitsprobleme zu schaffen? Sie wissen vermutlich,
dass in Amerika das sog. Produkthaftungsgesetz besteht, also ein Hersteller
für die Auswirkungen des von ihm hervorgebrachten Produkts verantwortlich
gemacht werden kann.
Dieser sog. aussergerichtliche
Vergleich war nur möglich, weil die Tabakindustrie in jedem ordentlichen
Gerichtsverfahren verurteilt worden wäre, für die entstandenen
Gesundheitsschäden aufzukommen.
Woran liegt diese Gleichgültigkeit
dem Rauchen gegenüber?
Kontroversen um den Tabak
und das Zigarettenrauchen sind schon uralt.
Die Einführung des Tabaks
in Europa fiel auf das Jahr 1519.
Inzwischen sind in dieser langen
Zeit die Auswirkungen des Rauchens wissenschaftlich vollständig erforscht
(epidemiologisch, psychologisch, toxikologisch, therapeutisch) und es bleiben
kaum noch Fragen offen.
Trotzdem meint offenbar immer noch
ein Großteil der Raucher, dass gerade ihnen das Rauchen eben nicht
schaden würde. Auch von intelligenten Leuten kann man oft hören,
wie alt doch der liebe Opa trotz ständigem Nikotin-Mißbrauchs
geworden sei.
Komischerweise erzählt aber
niemand von dem Opa oder der Oma, die früh einen Schlaganfall oder
einen Herzinfarkt erlitten haben, oder auch Gliedmaßen verloren haben,
weil sich die Blut- Gefässe verschlossen haben.
Erschreckend ist, wieviele junge
Menschen rauchen.
Vorbeugungsmaßnahmen gegen
Tabak-Mißbrauch werden bei uns in Deutschland praktisch nicht durchgeführt.
Verbote und abschreckende Videos, die in den Schulen vorgeführt werden,
sind fast unwirksam.
Grundsätzlich sollte jedem
freigestellt sein, wie er mit seiner Gesundheit umgeht (das steht auch
jedem Drachenflieger frei) aber er darf dabei nicht seine Umwelt mitschädigen.
Das passive Mitrauchen jedoch ist
auch nachgewiesenermaßen schädlich und führt zu einem 1,3
bis 1,4fach erhöhtem Risiko für ein Bronchialkarzinom (Lungenkrebs).
Trotzdem dies eindeutig wissenschaftlich
belegt ist wird es trotzdem standhaft negiert, geleugnet oder abgestritten.
Viele der am häufigsten in
der Öffentlichkeit zu sehenden Menschen (Politiker) treten ungeniert
als Raucher auf. Zweimal wurde bereits in unserem Lande versucht, ein Nichtraucherschutzgesetz
einzuführen, 1992 und 1994. Es ist beide Male gescheitert. Eine Ende
1996 begonnene Initiative wird vermutlich auch scheitern. Können Sie
sich so viel Dummheit vorstellen?
In den USA und Kanada ist es ganz
selbstverständlich, dass man in öffentlichen Gebäuden und
Gaststätten nicht raucht und es wurden speziell dafür eingerichtete
Räume geschaffen.
Die Zahl der Tabak- Toten beträgt
weltweit pro Jahr ca. 2 bis 3 Millionen Menschen.
Warum trotzdem nichts geschieht
und es keine öffentliche Lobby gegen das Tabakrauchen gibt, liegt
an der ungeheuren finanziellen Potenz der Tabakindustrie.
Viele 100 Millionen pro Jahr werden
für Tabakwerbung ausgegeben und es sind zweifellos die besten Werbeagenturen,
die dafür engagiert werden.
Fast jeder kennt die Geschichte
von dem berühmten Marlboro-Cowboy, der schließlich selbst an
Lungenkrebs verstorben ist.
Gerade typisch ist, dass auf dem
kürzlichen Parteitag einer politischen Partei der Tabakhersteller
Reemtsma das Sponsoring des Parteitages für Getränke und Imbiss
übernommen hatte. Sie sehen also, wie eng die Verquickung von interessierter
Industrie und Politik ist und wie dumm (oder korrupt?) auch die grüne
Umweltpartei ist.
Wussten Sie, dass Deutschland der
drittgrößte Produzent von Zigaretten in der Welt ist (nach USA
und Japan). Die Tabaksteuer erbringt in der BRD etwa 20 Milliarden Mark
pro Jahr (mehr noch als Alkohol, das sind nur etwa 8 Milliarden Mark).
Sie können fast jeden Tag in
den Zeitungen über sehr begrüßenswerte Kampagnen zur Bekämpfung
der Drogensucht lesen (siehe auch z.B. Fußballnationalmannschaft).
Ist Ihnen eigentlich klar, dass
dieses Problem rein zahlenmäßig in keinem Verhältnis zu
dem Rauchproblem steht:
In den USA sterben z.B. jährlich
durch Drogen 20 000 Menschen,
durch Alkohol 100 000 Menschen
und
durch Tabak 400 000 Menschen.
Das Bundesverfassungsgericht hat
1997 auf eine Klage der Zigarettenproduzenten gegen die wahren Hinweise
auf Zigarettenpackungen folgendes festgestellt:
“Das Rauchen tötet mehr
Menschen als Verkehrsunfälle, AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Mord
und Selbstmorde zusammen.
Es ist die häufigste und
wissenschaftlich am deutlichsten belegte Einzelursache für den Krebstod.”
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Denken Sie einmal nach über
den schönen Spruch einer Zigarettenfirma:
”Ich rauche gern”.
Wirkung des Rauchens auf die
Gefässe
Die Zusammenhänge Gefässerkrankung und
Zigarettenrauchen sind eindeutig belegt und bewiesen.
Die Gefässerkrankung führt zu einer
Verkürzung
der Lebenserwartung von rauchenden Männern um 6,5 Jahre.
Journalisten der "Ärzte-Zeitung" haben aus
dem durchschnittlichen Zigarettenkonsum eines Rauchers von ca. 311 368
Zigaretten/Lebenszeit errechnet, dass jede Zigarette das Leben um 11min
verkürzt.
Wie sind aber die Wirkungen des Tabakrauchs
im einzelnen?
Die Wirkungen des Rauchens auf die Blutzusammensetzung und auf
Veränderungen an den Blutbestandteilen sind vielschichtig.
Der Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Gefäßerkrankungen
wurde bereits vor mehr als 100 Jahren erkannt.
Die Wirkung besteht in einer Aktivation der Blutplättchen,
die dadurch eine verstärkte Klebrigkeit erhalten. Bei kleinen Verletzungen
an der Innenauskleidung der Gefäße haften diese Plättchen
an und sind sozusagen die Initialzündung für die Entwicklung
der Arterienverkalkung.
Die Steigerung der Gerinnbarkeit des Blutes begünstigt
auch die Entstehung von Blutgerinnseln im Gefäß.
Ein weiterer Einfluss ist der auf die Verformbarkeit der Blutplättchen.
Um auch die kleinsten Gefäße des Körpers passieren zu können
müssen sich die roten Blutkörperchen verformen. Diese Verformbarkeit
wird durch das Rauchen eingeschränkt.
Die Zusammensetzung des Blutes wird negativ beeinflusst indem das Blut
dickflüssiger wird. Dies ist durch einen Anstieg der Gerinnungsfaktoren
(besonders des Fibrinogens) bedingt.
Zusätzlich werden aber auch die Blutfettwerte ungünstig
beeinflusst. Es kommt dabei zu einer Steigerung des schädlichen LDL(Low
Density Lipüoproteins)und einer Verminderung des (günstigen)
HDL (High Density Lipoproteins).
Direkte Wirkungen des Nikotins sind auch die Steigerung der Ausschüttung
von Stresshormonen (Adrenalin).
Diese wiederum führen zu einer Verengung der Gefäße
(Vasokonstriktion) und bewirken ebenfalls eine Steigerung der Klebrigkeit
der Blutplättchen.
Die Fähigkeit der roten Blutkörperchen, Sauerstoff zu
transportieren, wird eingeschränkt dadurch, dass Kohlenmonoxyd
den Sauerstoff verdrängt.
Durch diese chronisch herabgesetzte Sauerstoffversorgung werden mehr
rote Blutkörperchen produziert, die damit auch das Blut "dicker"
machen.
Die schädlichen giftigen Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs
sind allgemein bekannt. Diese Gifte lösen Krebserkrankungen
aus und sind aber auch als Gefäßgift wirksam.
Leider ist es auch ein Trugschluss zu glauben, dass Pfeifenrauchen oder
Zigarren- oder Zigarillorauchen weniger schädlich sei als das Zigarettenrauchen.
Inzwischen konnte nachgewiesen werden, dass die Schädigung nur
eine Abhängigkeit von der Menge des aufgenommenen Nikotins bzw. der
Menge des Rauches ist. Bei gleicher Dosis besteht die gleiche Erkrankungsgefahr
und die gleiche Gefährdung hinsichtlich Krebserkrankung und Gefäßerkrankung.
Oft wird behauptet, dass Passivrauchen (d.h. ungewolltes Mitrauchen)
weniger schädlich sei. Dies ist Unsinn. Es ist eindeutig belegt, dass
passives Mitrauchen genauso zu einer erhöhten Gefährdung für
Gefäßerkrankungen führt, als wenn man die entsprechende
Menge selbst rauchen würde.
Der Rauch einer Zigarette enthält etwa 3 500 bis 4 000 verschiedene
Substanzen. Dazu kommen etwa 400 bis 500 gasförmige Stoffe. Dieses
sind die besonders gefährlichen Stoffe für eine Gefäßerkrankung,
wohingegen Nikotin selbst nicht direkt im Vordergrund steht hinsichtlich
gefäßverändernden Wirkungen sondern, wie vorher ausgeführt,
durch sekundäre Wirkungen zur Gefäßerkrankung führt.
Durch die Giftstoffe des Tabakrauchs wird die Innenauskleidung der Gefäße,
die Zellen des sog. Endothels, geschädigt.
Manche Erkrankungen sind besonders eng mit dem Rauchen verknüpft.
Hier ist z.B. die Thrombangitis obliterans zu erwähnen (Morbus
Bürger), die vorwiegend jüngere Menschen betrifft. Der Beginn
der Erkrankung liegt dabei zwischen 30 und 40 Jahren. Über 90 % der
Erkrankten sind Raucher. Wenn es gelingt, dann das Rauchen einzustellen,
wird eine dramatische Besserung erreicht und die sonst unvermeidlichen
Amputationen gehen drastisch zurück.
Leider ist die Raucherentwöhnung jedoch ein trauriges und
unbefriedigendes Kapitel.
Nur etwa ein Fünftel aller Patienten (20% !) , die an einem Raucherentwöhnungsprogramm
teilnehmen, schaffen es wirklich, von dem Zigarettenkonsum loszukommen.
Wirkungsvolle Raucherentwöhnungsprogramme verlangen eine ständige
Betreuung und Führung des Abhängigen. Günstig kann temporäre
Ersatznikotinsubstitution durch Pflaster und Kaugummi wirken.
Die suchtauslösende Wirkung des Nikotins ist jedoch extrem stark.
So soll die Abhängigkeitsentwicklung bis zu zwanzigmal stärker
ausgeprägt sein als bei bekannten Drogen wie Haschisch, Heroin und
Kokain.
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