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Autor:
Alfred Gugg
Meßinstrumente und Datenerhebung:
Medical
Outcomes Trust Short Form - 36
Health Survey:
Der
SF-36 ist ein krankheitsübergreifendes Meßinstrument zur Erfassung der
gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten. Der SF-36
erfasst
8 Dimensionen, die sich konzeptuell in
die Bereiche "Körperliche Gesundheit" und "Psychische
Gesundheit" einordnen lassen: Körperliche Funktionsfähigkeit, körperliche
Rollenfunktion, körperliche Schmerzen, allgemeine Gesundheitswahrnehmung,
Vitalität, soziale Funktionsfähigkeit, emotionale Rollenfunktion und
psychisches Wohlbefinden.
Einsatzbereich:
Ab 14 Jahre, Einsatz im klinischen Bereich und in der epidemiologischen
Forschung.
Bearbeitungsdauer:
ca. 10 Minuten für den Gesamtfragebogen SF-36.
Der
ursprünglich für die Anwendungen in den Vereinigten Staaten entwickelte SF-36
wird für den internationalen Gebrauch übersetzt und adaptiert durch das International
Quality of Life Assessement (IQOLA).
(Aaronson et al., 1992, Wear et al.
1994), die Entwicklung und Bearbeitung der deutschen Form des SF-36 erfolgte
durch die Arbeitsgruppe um Frau Prof. Dr.
Monika Bullinger, früher Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig
Maximilians Universität München, jetzt
Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Hamburg.
Wie
oben bereits angeführt wurde, sind über den SF-36 bereits über 500
Publikationen erschienen. Seit der 1. Publikation durch das New England Medical
Center Health Institut 1988 ist die Zahl der Publikationen im Jahre 1996 bis auf
179 angestiegen.
Übersetzung
und Anpassung des englischsprachigen SF-36 fanden in über 40 Ländern statt
(z.B. 2, 12, 20, 64, 80, 61, 84, 89), über 12 Länder haben eigene nationale
Normen für den SF-36 entwickelt. Bis 1996 wurde dieses Meßinstrument bei über
130 Erkrankungen eingesetzt.
Weitere
Informationen kann man über das Internet, auf der Website www.sf-36.com und
www.qmetric.com erhalten.
Mittels
Internet-Kontakt mit dem Medical Outcomes Trust, Boston, wurde die Lizenz zur
Benutzung des SF-36 erteilt. Die deutsche Version mit allen zur Auswertung nötigen
Unterlagen und einer mitgelieferten Diskette zur Auswertung für das
Statistikprogramm SAS oder SPSS ist über die Testzentrale Göttingen,
Robert-Bosch-Breite 25, 37079 Göttingen zu erwerben oder über die Testzentrale
online: www.testzentrale.de., anzufordern.
Gesundheitskonzepte,
Item-Anzahl und Item-Stufen, sowie
Inhalt der 8 SF-36 Skalen
und des Items zur Veränderung des Gesundheitszustandes:
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Konzepte
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Item-Anzahl
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Anzahl
der Stufen
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Beschreibung
des Konzeptes
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Körperliche
Funktionsfähigkeit
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10
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21
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Ausmaß,
in dem der Gesundheitszustand körperliche Aktivitäten, wie
Selbstversorgung, Gehen, Treppensteigen, Bücken, Heben und mittelschwere
oder anstrengende Tätigkeiten beeinträchtigt
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Körperliche
Rollenfunktion
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4
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5
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Ausmaß,
in dem der körperliche Gesundheitszustand die Arbeit oder andere tägliche
Aktivitäten beeinträchtigt, z.B. weniger schaffen als gewöhnlich,
Einschränkungen in der Art der Aktivitäten, oder Schwierigkeiten,
bestimmte Aktivitäten auszuführen
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Körperliche
Schmerzen
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2
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11
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Ausmaß
an Schmerzen und Einfluß der Schmerzen auf die normale Arbeit, sowohl im,
als auch ausserhalb des Hauses
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Allgemeine
Gesundheitswahrnehmung
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5
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21
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Persönliche
Beurteilung der Gesundheit, einschl. aktueller Gesundheitszustand, zukünftige
Erwartungen und Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen
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Vitalität
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4
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21
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Sich
energiegeladen und voller Schwung fühlen, versus müde und erschöpft
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Soziale
Funktionsfähigkeit
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2
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9
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Ausmaß,
in dem die körperliche Gesundheit oder emotionale Probleme normale
soziale Aktivitäten beeinträchtigen
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Emotionale
Rollenfunktion
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3
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4
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Ausmaß,
in dem emotionale Probleme die Arbeit oder andere tägl. Aktivitäten,
beeinträchtigen - unter anderem weniger Zeit aufbringen, weniger schaffen
und nicht so sorgfältig wie üblich arbeiten
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Psychisches
Wohlbefinden
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5
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26
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Allgemeine
psychische Gesundheit, einschl. Depression, Angst, emotionale und
verhaltensbezogene Kontrolle, allgemeine positive Gestimmtheit
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Veränderung
der Gesundheit
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1
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5
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Beurteilung
des aktuellen Gesundheitszustandes im Vergleich zum vergangenen Jahr
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Der
SF-36 ist ein standardisiertes Meßinstrument zur Messung der
gesundheitsbezogenen Lebensqualität. In zahlreichen Studien ist seine
Reliabilität und Validität belegt.
Der
Fragebogen wurde von 186 Patienten prä- und postoperativ beantwortet, das
entspricht einem Gesamtrücklauf von 90,7 %.
Für
die Items und Skalen des SF-36 gilt, daß ein höherer Wert einem
besseren
Gesundheitszustand entspricht. Dies gilt für die Skalen 3.1.1 bis 3.1.8. So
bedeutet, z. Bsp. ein hoher Wert in der Schmerzskala Schmerzfreiheit und ein
hoher Wert in den Skalen zur
Funktionsfähigkeit bedeutet eine bessere Funktionsfähigkeit des Befragten. Für
die Skala 3.1.9., Veränderung des Gesundheitszustandes, gilt: je niedriger der
Wert, desto besser der Gesundheitszustand. P < 0,05 = signifikant.
Lebensqualitätsänderung
nach Operationen
bei
Carotis-Stenose,
Beindurchblutungsstörung
und
Varikosis
Bei
der körperlichen Funktionsfähigkeit zeigt sich für die pAVK drei Monate nach
der Operation eine hochsignifikante Verbesserung, wobei es nach ACI-TEA und
Phlebektomie zwar zu einer Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit
kommt, aber die Veränderung hier nicht signifikant ist.
Die
körperliche Rollenfunktion wurde signifikant verbessert bei den Patienten mit
einer pAVK. Bei den Patienten nach ACI-TEA zeigt der Wert keine signifikante Veränderung
der körperlichen Rollenfunktion. Bei den Varizenpatienten kam es sogar zu einer
signifikanten Verschlechterung.
Die
körperlichen Schmerzen konnten bei allen drei Krankheitsgruppen verbessert
werden, wobei die hochsignifikante Veränderung wiederum bei den pAVK-Patienten
besonders hervorzuheben ist. Aber auch bei den Varizenpatienten zeigt sich eine
ganz klare Tendenz. Die Verbesserung bei den ACI-Stenose-Patienten ist nicht
signifikant.
Die
allgemeine Gesundheitsveränderung zeigt wiederum
bei den pAVK-Patienten eine positive Veränderung postoperativ, allerdings nicht
signifikant. Die beiden anderen Patientengruppen profitierten hier nicht von der
operativen Maßnahme, wobei die Verschlechterung statistisch zu vernachlässigen
ist.
Die
pAVK-Patienten fühlen sich drei Monate postoperativ deutlich vitaler. Die Veränderung
ist deutlich signifikant. ACI-Patienten und Varizenpatienten erreichen
postoperativ keine signifikante Verbesserung ihrer Vitalität. In beiden
Patientengruppen entspricht der Wert postoperativ annähernd dem präoperativen.
Auch
bei der sozialen Funktionsfähigkeit
profitieren vor allem die pAVK-Patienten von der gefässchirurgischen Therapie.
Bei den beiden anderen Patientengruppen sind die Veränderungen statistisch
nicht relevant.
Die
emotionale Rollenfunktion konnte bei den pAVK-Patienten statistisch signifikant
verbessert werden. Bei den Varizenpatienten ist sie weitgehend gleich geblieben,
wobei die ACI-Patienten eine Verschlechterung angaben, wenn auch nicht
signifikant.
Eine
deutliche Verbesserung des psychischen Wohlbefindens ist bei den pAVK- und
ACI-Patienten zu beobachten, wenn auch nicht signifikant. Die Verschlechterung
bei den Varizenpatienten ist statistisch auch hier zu vernachlässigen.
Beachtlich
ist das Ergebnis der Veränderung des Gesundheitszustandes bei allen drei
Patientengruppen. Es konnte bei allen drei Patientengruppen eine signifikante
Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes drei Monate postoperativ
erreicht werden,
wobei die hohe Signifikanz der Veränderung auch hier vor allem bei den
pAVK-Patienten zu beachten ist.
Achtung:
Ein niedriger Wert entspricht hier einem besseren Gesundheitszustand!
Zusammenfassung:
Lebensqualitätsänderung
nach Operationen bei pAVK, ACI-Stenose und Varikosis:
pAVK-Patienten:
Bei
der Gruppe der pAVK-Patienten kam es postoperativ in allen Skalen zu einer
Verbesserung der Lebensqualität, wobei die Veränderungen der körperlichen
Funktionsfähigkeit, der körperlichen Rollenfunktion, der körperlichen
Schmerzen, der Vitalität, der emotionalen Rollenfunktion und der allgemeinen
Gesundheitsveränderung signifikant sind. Die soziale Funktionsfähigkeit zeigt
eine deutliche Tendenz zur postoperativen Besserung.
ACI-Stenose-
Patienten:
Die
Patienten mit einer ACI-Stenosen gaben in ihrer körperlichen Funktionsfähigkeit,
bei den körperlichen Schmerzen, beim psychischen Wohlbefinden und bei der
allgemeinen Gesundheitsveränderung eine Besserung an. Signifikant ist die Veränderung
der allgemeinen Gesundheitsveränderung.
Nicht
verändert oder leicht verschlechtert haben sich die körperliche
Rollenfunktion, die Gesundheitswahrnehmung, die Vitalität, die soziale
Funktionsfähigkeit und die emotionale Rollenfunktion, wobei die Veränderungen
hier nicht signifikant sind.
Varizenpatienten:
Varizenpatienten
profitieren vor allem in den Bereichen der körperlichen Funktionsfähigkeit,
der körperlichen Schmerzen, der sozialen Funktionsfähigkeit und der
Gesundheitsveränderung von der operativen Therapie. Statistisch signifikant ist
allerdings nur die Gesundheitsveränderung.
Zu
keiner Verbesserung oder Verschlechterung kam
es bei der körperlichen Rollenfunktion, der allgemeinen Gesundheitswahrnehmung,
der Vitalität. Der emotionalen Rollenfunktion und des psychischen
Wohlbefindens. Bei der körperlichen Rollenfunktion kam es zu einer
signifikanten Verschlechterung. Ansonsten nicht signifikante Ergebnisse.
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