Lebensqualitätsmessungen werden von
zahlreichen Instituten für medizinische Psychologie, Statistik und
Epidemiologie durchgeführt. Es wurden bereits mehrere psychometrisch getestete
und statistisch validierte Messinstrumente entwickelt.
Es soll die Veränderung der Lebensqualität aus
Patientensicht gemessen werden. Voraussetzung dafür ist ein allgemein verständlicher
und vom Patienten leicht erfassbarer und in einer akzeptablen Zeit
beantwortbarer Fragebogen. Ein
Fragebogen der diese Kriterien erfüllt ist der, besonders im
angloamerikanischen Raum sehr weit verbreitete, auch in der deutschen Version
erhältliche und psychometrisch, sowie statistisch am häufigsten getestete Fragebogen
zum Gesundheitszustand, der SF-36 Health
Survey.
Entwicklung
der Lebensqualitätsmessung:
Der Begriff „Lebensqualität“ wurde früher
eher zur Bewertung und Beschreibung von gesellschaftlichem und sozialem
Wohlstand verwendet. Erst Mitte der 70er Jahre ist das Thema „Lebensqualität“
in die Medizin gekommen. Davor spielte sie lediglich in der amerikanischen und
deutschen Sozialpolitik eine Rolle. Im Index Medicus wird der Begriff
Lebensqualität seit 1976 geführt, damals noch mit dem Hinweis "siehe
Philosophie"(8). Ein erster Bezug zur Lebensqualitätsmessung kann wohl
1969 hergestellt werden. Damals prägte Michael
Darlent den Begriff der "patientenzentrierten Medizin". Die
Konzentrierung auf Lebensqualität kann als Fortsetzung der patientenzentrierten
Medizin gesehen werden (8).
In den
80-er Jahren prägte die WHO den Slogan "add life to years, add years to
life". Auch dieser Begriff lässt sich mit der
Lebensqualitätsdiskussion verbinden. Diese
begann vor allem in der Chirurgie und Onkologie, wobei es zuerst um Überlebenszeiten
ging. Bald merkte man, daß eine quantitative Betrachtung nur selten ausreicht.
Hierbei kann es beispielsweise zur Differenzierung zwischen Therapien gehen,
wenn gleiche Überlebenswahrscheinlichkeiten bei jedoch unterschiedlicher
Lebensqualität zu erwarten sind. Anfang der 90-er Jahre kommt es zu einer neuen
Bewegung in der Medizin betreffend der Lebensqualitätsdiskussion. Man spricht
auch vom "outcomes movement". Es geht immer mehr um Evaluation von
Lebensqualität der verschiedensten Erkrankungen. Zahlreiche Institute, vor
allem im anglo-amerikanischen Raum, beschäftigten sich zunehmend mit den "outcomes",
d.h., Veränderung der Lebensqualität nach entsprechenden Therapien. Vor allem
in der Onkologie, aber auch in der Psychologie und Psychiatrie werden
entsprechende Untersuchungen mit standardisierten Tests durchgeführt.
Hier werden ganze Institute gegründet, die sich mit den "outcomes"
und deren Messung beschäftigen, so z.B. Medical Outcoms Trust in Boston, USA,
welches das derzeit bekannteste und anerkannteste Meßinstrument zur
Lebensqualitätsmessung entwickelte, den SF-36 Health-Survey.
Während man sich bereits Ende der 80er, Anfang der
90er Jahre im anglo-amerikanischen Raum mit der Lebensqualitätserfassung in der
Medizin befasste, so kam es im deutschsprachigen Raum erst Mitte der 90er Jahre
zu einer sprunghaften Zunahme der Untersuchungen zur gesundheitsbezogenen
Lebensqualität in der Medizin. Vor allem M.
Bullinger und E. Kirchberger vom
Institut für Medizinische Psychologie der Universität München beschäftigten
sich Mitte der 90er Jahre intensiv mit der Lebensqualitätserfassung und
Lebensqualitätsmessung (17,18,19,20). Sie übertrugen den SF-36 Health-Survey
ins Deutsche.
Die Bedeutung der Lebensqualitätsmessung wird
Mitte der 90er Jahre im deutschen Raum durch einige Studien belegt. G. Lorenz und M. Koller
(65) zeigten 1996 auf, dass die Lebensqualitätsmessung wichtige Impulse für
das Qualitätsmanagement bieten kann. Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie
legte in den überarbeiteten Prüfrichtlinien für Therapiestudien bei pAVK 1995
bereits fest, dass alle Studien durch Erfassung der Lebensqualität ergänzt
werden sollten (44).
Ein weiterer Beleg der Zunahme der Wichtigkeit der
Lebensqualitätserfassung und -messung zur Beurteilung von Therapiekriterien und
Therapieerfolg ist 1998 die Gründung des ersten Referenzzentrums für
Lebensqualität in Deutschland, in Kiel, durch die Deutsche Krebshilfe. Zudem
hat das Bundesministerium für Gesundheit vor wenigen Jahren die Broschüre
"Lebensqualitätsmessung" herausgebracht.
Die angeführten Beispiele belegen eindrucksvoll
den heutigen hohen Stellenwert der Lebensqualitätserfassung und Lebensqualitätsmessung
im Bereich der Medizin und Gesundheitsforschung.
Definition
der Lebensqualität:
Der Begriff Lebensqualität wird in sehr vielen
verschiedenen Lebensbereichen verwendet. So steht er zum Beispiel in der
Philosophie für "gelingendes oder glückendes Leben", wo er sich über
Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. In der Werbung wird er verwandt als Maß für
Reichtum, Schönheit oder Jugendlichkeit.
Schwarz
unterscheidet in seinem Referat "Lebensqualität als therapeutisches Ziel
bei arterieller Verschlußkrankheit aus psychosozialer Sicht" auf dem 7.
Gefäßchirurgischen Symposium in Titisee (8) eine synthetische Auffassung und
eine analytische Auffassung von Lebensqualität. In der synthetischen Auffassung
werden die einzelnen Komponenten (körperliches, seelisches,
zwischenmenschliches, ökonomisches, spirituelles, ect. Befinden) als zeitlich
veränderlich (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) angesehen und im kulturellen,
familiären, gesellschaftlichen Kontext betrachtet. Wichtig dabei ist die
Unterscheidung der Lebensqualität durch Fremdbeurteilung, sowie auch durch
Selbsteinschätzung. Die Lebensqualität stellt demnach die resultierende einer
Reihe von Dimensionen der allgemeinen und speziellen, inneren und äußeren
Lebenswelt dar, sie wird als relative Größe verstanden, die den Quotienten aus
den gegebenen Möglichkeiten und den individuellen Ansprüchen entspricht. Wie
relativ der Begriff Lebensqualität ist, zeigt die Tatsache, dass es Menschen
gibt, denen es trotz guter Gesundheit schlecht geht und solche, die trotz
zahlreicher Behinderungen zufrieden erscheinen. Die Lebenszufriedenheit hängt
nur geringgradig von den objektiven Lebensbedingungen ab.
Aus analytischer Sicht der Lebensqualität
beschreibt er die Heranziehung einer umfänglichen Testbatterie zu einem
psycho-sozialen Screening. Auch die Werbung bedient sich zunehmend des Begriffs
Lebensqualität, wobei solche Aspekte hervorgehoben werden, die den jeweiligen
kommerziellen Interessen entsprechen.
Im Brockhaus ist folgende Definition zu lesen:
Lebensqualität:
In den 60-er Jahren in den USA aus der Kritik am
einseitigen Wachstumsdenken entstandener Begriff, der alle (anzustrebenden)
Elemente eines menschenwürdigen Lebens meint (z.B. bessere Versorgung mit öffentlichen
Gütern, gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung, Chancengleichheit in
Bildung und Beruf, gesunde Umwelt).
Die Veröffentlichung von Ruta
et al. (86) enthält folgende Definition: "Quality of life has been defined
as the to extent to which our hopes
and ambitiones are matched by experience". Lorenz und Koller et
al (65) sprechen von
Lebensqualität in der Medizin, wenn das subjektive Wohlbefinden der Person
hinsichtlich der Dimensionen gemeint ist: Somatisch (Häufigkeit und Intensität
körperlicher Symptome), psychisch (Angst, Depression, Zuversicht, Lebenswille)
und sozial (Familienleben, Arbeitsplatz, Sexualität). Weitere Autoren
bevorzugen in diesem Zusammenhang den Begriff
"gesundheitsbezogene Lebensqualität" (health related quality
of life). Das Suffix
"gesundheitsbezogen" soll zum Ausdruck bringen, dass diejenigen
Aspekte der Lebensqualität erfasst werden, die mit der Gesundheit oder
Krankheit des Befragten in Bezug stehen.
Die heutige Definition von gesundheitsbezogener
Lebensqualität beinhaltet die WHO-Definition für Gesundheit (18, 65, 31):
Gesundheit ist nicht nur als
Abwesenheit von Krankheit, sondern auch als kompletter Status des physischen,
mentalen und sozialen Wohlergehens zu sehen.
In einer Internet-Recherche waren folgende
Definitionen von Lebensqualität zu finden:
Lexikon A (25): Lebensqualität: Konstellation der
objektiven Lebensbedingungen und des subjektiven Wohlbefindens von Individuen.
Lexikon B (26): Lebensqualität: schlagwortartiger
Sammelbegriff für die Summe jener schwer definierbaren Elemente, die Glück
oder Zufriedenheit der in einem Staat lebenden Menschen ausmachen.
Lexikon C (27): Lebensqualität: Begriff, der den
individuellen Grad der persönlichen Zufriedenheit beschreibt. In der Medizin
steht vor allem die wirkungsvolle Behandlung von chronischen und akuten
Schmerzen, die Erhaltung, bzw. Wiederherstellung der Mobilität und körperlicher
Grundfunktionen, sowie die angemessene Versorgung mit Hilfsmitteln (z.B.
Rollstuhl) und Arzneimittel im Vordergrund. In der Psychologie liegt der
Schwerpunkt auf der geistigen und emotionalen Gesundheit. Von Interesse sind
hier die einzelnen Lebensabschnitte mit ihrer jeweiligen Problematik, z.B.
Schulstreß, sexuelle Orientierung in der Pubertät und Einsamkeit im Alter. In
den Sozialwissenschaften wird der Begriff der Lebensqualität vor allem über
die sozialen Kontakte in der Familie, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis
definiert.
Lexikon D (28): Lebensqualität: Qualität des
Lebens in Bezug auf die gesamte Umwelt, humane Arbeitsbedingungen, gesunde Ernährung.
Oben genannte Ausführungen zeigen deutlich, wie
schwierig es ist, den Begriff Lebensqualität zu beschreiben und zu definieren.
In der Medizin und Psychologie hat sich der Begriff gesundheitsbezogene
Lebensqualität durchgesetzt.
Nach Bullinger
(18) ist gesundheitsbezogene Lebensqualität mit Gesundheitsindikatoren
gleichzusetzen und bezeichnet ein multidimensionales psychologisches Konstrukt,
das durch mindestens 4 Komponenten zu operationalisieren ist: Das psychische
Befinden, die körperliche Verfassung, die sozialen Beziehungen und die
funktionale Kompetenz der Befragten. Von großer Bedeutung ist, daß die
Patienten selbst Auskunft über ihr Befinden und ihre Funktionsfähigkeit geben.
Sinn
der Lebensqualitätsmessung:
In der Medizin
und im psychosozialen Bereich betrifft die Lebensqualitätsforschung auch die
Nutzung von Lebensqualitätsindikatoren nicht nur zur Bewertung für Therapien,
sondern auch zu ihrer Planung, d.h., also deskriptives, bzw.
Indikationskriterium (18). Den hohen Stellenwert der Lebensqualitätsmessung
gerade auch in der Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle und Qualitätsmanagement
in der operativen Medizin beschreiben Lorenz et al in ihrem
Artikel: "Lebensqualitätsmessung als integraler Bestandteil des Qualitätsmanagements
in der operativen Medizin" (60). In den Prüfrichtlinien für
Therapiestudien im Fontaine - Stadium II-IV bei peripherer arterieller Verschlußkrankhiet,
der Deutschen Gesellschaft für Angiologie, fordern Heidrich
et al (39) die Durchführung
der Lebensqualitätsmessung zur Planung von Therapien und als Maß des
Therapieerfolges.
Lebensqualität sollte immer dann gemessen werden,
wenn ihre Bewertung Informationen liefern kann, die therapeutische Konsequenzen
nach sich ziehen. Insbesondere bei Erkrankungen aus dem funktionellen
Formenkreis oder bei chronischen Verläufen, wenn also die alleinige oder überwiegende
Indikation zur Therapie darstellt, sollte die Lebensqualität therapiebegleitend
evaluiert werden. Es sollten dabei nur validierte Messinstrumente angewendet
werden, die mittlerweile in einer Vielzahl vorhanden sind. Dabei sind die
Informationen zur Lebensqualität sicherlich kein Ersatz für andere Parameter
sondern haben einen komplementären Charakter mit der Konsequenz, daß die
Interpretation der gewonnenen Daten immer im individuellen klinischen Kontext
erfolgen muß, Sailer et al (88).
Die Notwendigkeit der Berücksichtigung der
Lebensqualität in klinischen Studien ist die Tatsache, daß die Befindlichkeit
das eigentliche Problem des Patienten darstellt. Das Problem eines
Patienten mit chronischer Pankreatitis sind seine Schmerzen, nicht sein
Blutzucker. Beim gastrektomierten Patienten sind sein Appetit- und
Gewichtsverlust sein Problem, nicht sein Lymphknotenstatus. Beim AVK- Patienten
stellt die eingeschränkte Gehstrecke und die Schmerzen das Problem dar und
nicht die Durchblutungsstörung. Varizenpatienten fühlen sich durch die
kosmetischen Veränderungen, wie Besenreiser, Venenerweiterungen und
Folgeerkrankungen, wie Ulcus Cruris und Phlebitiden beeinträchtigt, aber nicht
durch das Stadium der Stammvarikosis. Bei den sympomatischen ACI-Stenosen
stellen die Behinderungen durch einen Apoplex das Problem dar, aber nicht der
Grad der Stenose. Bei den asympomatischen Stenosen stellt die Angst durch den
drohenden Apoplex die Beeinträchtigung der Befindlichkeit dar, nicht die
eingeschränkte cerebrale Durchblutung. Das Problem eines Patienten mit M. Crohn
sind Schmerzen und Durchfälle, nicht sein endoskopischer Befund. Trotzdem repräsentieren
diese paraklinischen Informationen nicht das eigentliche Problem der Patienten.
Um den Erfolg einer medizinischen Maßnahme aus der Sicht des Patienten zu
beurteilen, kann auf die Messung der Lebensqualität nicht verzichtet werden.
Erfassung
der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
Mit der Erfassung der gesundheitsbezogenen
Lebensqualität beschäftigen sich mittlerweile zahlreiche Institute und
Arbeitsgruppen, mittlerweile nicht mehr nur auf dem anglo-amerikanischen Raum,
sondern gerade auch im deutschsprachigen Raum. Eine kleine Auswahl ist
in der untenstehende Aufzählung aufgeführt. Die Entwicklung von
Instrumenten der Lebensqualitätsmessung und deren Auswertung ist vor allem eine
Domäne der medizinischen Statistik und Epidemiologie, aber auch die
medizinische Psychologie beschäftigt sich sehr intensiv damit (17, 18, 19, 81,
100).
Welch hohen Stellenwert Tests zur Messung nicht nur
von Lebensqualität, sondern auch allen anderen Kategorien des psycho-sozialen
Bereiches haben, beweist der
Testkatalog der von der Testzentrale Göttingen herausgegeben wird (46). Dieser
enthält mehr als 650 psychodiagnostische Verfahren für alle
Anwendungsbereiche, so auch Fragebögen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität,
wie den hier benutzten SF 36.
Erfasst und gemessen wird also die
gesundheitsbezogene Lebensqualität, die somit auch den statistischen
Bedingungen entsprechen müssen.
Zu diesen Bedingungen, oder auch Gütekriterien,
gehören:
–
die
Reliabilität (Verlässlichkeit);
–
die Validität
(Gültigkeit);
–
die
Sensitivität (spezielle Empfindlichkeit einer Bewertung gegenüber
therapeutischen Veränderungen);
–
die
Praktikabilität (bestimmt durch die Zeit für die Ermittlung eines Wertes an
einem einzelnen Patienten);
Institute und Kliniken, die sich mit der
Lebensqualitätsmessung in der Medizin und medizinischen Psychologie befassen:
-
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Köln (Dr. R. Pukrop)
-
Psychiatrische Klinik der LMU München (Prof. Dr. H.-J. Möller)
-
Psychiatrische Klinik der RWTH Aachen (Prof. Dr. H. Saß)
-
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Stadtklinik Fulda
(Prof. Dr. A. Czernik)
-
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Hamburg
(Prof. Dr. M. Krausz)
-
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln
(Prof. Dr. J. Klosterkötter)
-
Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Freiburg
(Dr. R.-D. Stieglitz)
-
Neurologisch-Psychiatrische Praxis in Düren (Dr. F. Wolfinghoff)
-
Institut für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der
Universität Leipzig (Prof. Dr. H. Schröder )
-
Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
-
DRK-Schmerz-Zentum Mainz (Dr. Ahmad Sarid Nasri)
-
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und
Gesundheitssystemforschung, Hannover (Frau Dr. Eva Bitzer)
-
Institut für Gesundheitsökonomie der Universität Ulm (Prof. Dr. Leidl)
- Institut
für Gesundheitssystemforschung (IGSF) Kiel
- Departement
of Health Scientist and Clinical Evaluation at the
University
of York, England (A. Garratt)
- Medical
Outcomes Trust (MOT), Boston, USA (John E. Wear)
Übersicht zur Zahl der
Veröffentlichungen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität:
Medline-Analyse
seit 1991
Sie
umfassen vor allem vier Dimensionen:
a)
den Leistungsbereich oder den Funktionsstatus (Performans)
b)
das psychische Befinden
c)
die Fähigkeit, soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten und
d)
die allgemeine und spezifische körperliche Verfassung.
Eines der bekanntesten Profile stellt der
Fragebogen der EORTC (European
Organisation for Research and Treatment of Cancer) dar.
Ähnliche Fragebögen sind noch das NHP (Nottingham Health Profile) und der Fragebogen der MOS (Medical
Outcome Study), der SF-36.
Insgesamt unterscheidet man heute zwei Arten von Meßinstrumenten.
Zum einen sind es die krankheitsübergreifenden, oder auch
krankheitsunspezifischen Fragebögen (Generic instruments). Bei den
krankheitsunspezifischen Fragebögen ist es von Bedeutung, einen Indikator für
die subjektive Gesundheit von Populationen zu gewinnen, der unabhängig vom
aktuellen Gesundheitszustand für verschiedene Forschungszwecke verwandt werden
kann, wobei eine Vielzahl krankheitsübergreifender Meßinstrumente aus dem
anglo-amerikanischen Sprachraum vorlegen, aber in neuerer Zeit auch im
deutschsprachigen Raum zunehmend Fragebögen entwickelt werden.
Krankheitsunspezifische
Fragebögen
Short-Form
36
(SF-36): Er erfasst verhaltensbezogene
Funktionalität und das subjektiv wahrgenommene Wohlbefinden (36 Items, 8
Subskalen).
Sickness
Impact Profile (SIP): Ein
rein behavioural orientiertes Instrument für gesundheitsbezogene Dysfunktionen
der Patienten mit akuter oder chronischer Erkrankung (136 Items, 12 Subskalen).
Nottingham
Health Profile (NHP): Er
erfasst die subjektive Wahrnehmung gesundheitlicher Probleme (38 Items, 6
Subskalen).
Fragebogen
zur Befindlichkeit (FB):
(36 Items, 10 Subskalen).
Lebensqualitätsfragebogen
(LQF): Hierbei handelt es sich um einen
Zufriedenheitsfragebogen (32 Items, 2 Subskalen).
Als weitere krankheitsübergreifende Meßinstrumente
sind zu nennen der EuroQol und der Quality
of Wellbeing-Index.
Krankheitsspezifische
Fragebögen:
Den krankheitsunspezifischen Fragebögen stehen die
krankheitsspezifischen Fragebögen gegenüber. Deren Entwicklung zielt darauf
ab, die gesundheitsbezogene Lebensqualität spezifischer, durch Erkrankung
definierter Populationen zu erfassen. Gerade die letzten Jahre haben eine
massive Zunahme von Meßinstrumenten gebracht, die die gesundheitsbezogene
Lebensqualität von Populationen aus den verschiedensten Bereichen der Medizin,
von der Onkologie bis hin zur Allergologie, charakterisieren. Hierbei ist es
wichtig, möglichst nah am Erkrankungsbild die therapiebedingten Veränderungen
des Erlebens- und Verhaltens von Patientengruppen zu erfassen.
Der wohl bekannteste, krankheitsspezifische
Fragebogen ist der Fragebogen der EORTC-Arbeitsgruppe im Bereich der Onkologie (EORTC
QlQ-C 30 Questionnaire), im Bereich der Phlebologie findet der
Tübinger Lebensqualitätsbogen, sowie das Freiburg
Life Quality Assessement (FLQA) Anwendung. Der Fragebogen zur Erfassung der
Lebensqualität von Patienten mit arterieller Verschlußkrankheit (PAVK
- 86 Fragebögen) (71) der University of Washington Head and Neck Disease
Specific Macher (UW - QOL), EORTC Head
and Neck 35 (HN 35),
Rhinusitis-Beeinträchtigungs-Index (RSBI),
Freiburg Quality of Life Assessement for Dermatosis (FLQA-D), Dermatology Life Quality Index (DLQI), Chronic Skin Diseases Questionnaire,
Rhinitis-Beeinträchtigungs-Index.
Nun wurde vor allem im angloamerikanischen Raum
begonnen, kulturübergreifende Meßinstrumente für den internationalen Gebrauch
zu entwickeln, so z.B. der WHO-QOL-Questionnaire. In den letzten Jahren hat man
allerdings begonnen, die bereits im angloamerikanischen Raum verfügbaren Meßinstrumente
zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität auch für andere
Kulturkreise einsetzbar zu machen. So haben Bullinger,
et al, 1969, den SF-36 Fragebogen zur Lebensqualität des Medical Outcome
Trust für die Anwendung in Deutschland übersetzt und angepasst. Dieser ist
eines der Instrumente, das sowohl von der psychometrischen Qualität, als auch
von seiner Ökonomie und von seiner Verbreitung her international führend ist.
Er stellt die gekürzte Version eines in der Medical Outcomes Study (MOS)
entwickelten, umfassenden Meßinstrumentes dar, wobei die Auswahl und Reduktion
der Fragen auf einer Reihe empirisch rigoroser Tests beruht. Diesem Instrument
liegt eine über 30-jährige Entwicklungsarbeit zugrunde und hat sich in der
letzten Zeit als Standardinstrumentarium zur Erfassung der subjektiven
Gesundheit herauskristallisiert.
In der Annotated Bibliography des SF-36 Health
Survey (101) sind sämtliche Abstrakts der Arbeiten betreffend der SF-36 von
1988 - 1996 aufgeführt. Es sind 446 Arbeiten angegeben, die nicht nur die
statistische Gültigkeit des Fragebogens belegen, wie Reliabilität und Validität
des Tests, sondern zudem auch zahlreiche Vergleichsstudien mit anderen, bereits
älteren und gültigen Tests, wie z.B. den EUROQol
(EQ), den Frenchy Activity Index
(FAI) (99, 71, 52, 16), den EORTC QlQ-C
30 (5), Diabetes Care Profile (DCP) (4), Nottingham Health Profile (83, 22).