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Die kritische Durchblutungsstörung – was ist das? Was hat man darunter zu verstehen?
Dies nahmen die Journalisten zum Anlass, wieder einmal und erneut darauf hinzuweisen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nr. 1 sind. Demgegenüber erliegt nur jeder Vierte einem Krebsleiden. Fast jeder Zweite (46,4 %) erlag nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im Jahre 2003 einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems.
Warum werden sie trotzdem nicht ausreichend wahrgenommen von den Betroffenen? Es gibt schließlich eindeutige Warnzeichen und spätestens diese Warnzeichen sollten Anlass sein, der kritischen Durchblutungsstörung vorzubeugen und eine Behandlung einzuleiten.
In unserem Fachgebiet geht es um Erkrankungen der Arterien und Venen, dem Rohrleitungssystem unseres Körpers. Die Arterien, das Hochdrucksystem, pumpen das Blut in das Gewebe und Organe und die Venen, das Niederdrucksystem, führen das Blut, das den Sauerstoff abgegeben hat und Schadstoffe trägt, wieder zurück zu unserer zentralen Pumpe, dem Herzen.
Immer wieder erstaunlich erscheint mir, mit welcher Gleichgültigkeit das Rohrleitungssystem von den Menschen selbst in ihrem eigenen Körper behandelt werden, während sie bei jeder Verkalkung des Rohrleitungssytems in ihrem Wohnhaus sofort eilen würden, einen Wasserenthärter oder einen Ionenaustausch einzubauen. Genau wie sich die Wasserleitungen eines Hauses durch Schadstoffe zunehmend zusetzen und dann sich entweder verschließen oder auch platzen können, genauso kann sich gleiches mit den Adern unseres Körpers ereignen.
Die getABI Studie bedeutet, dass nicht nur der Blutdruck an den Armen, sondern auch an den Sprunggelenken gemessen wird. Diese Messmethode ist einfach und wenig aufwändig und macht mit einem Sonografie-Gerät(„Handdoppler“)das Strömungsgeräusch der Arterien hörbar und bläst, genauso wie am Arm, eine Manschette auf, bis das Geräusch verschwindet und dann wieder auftritt. Damit kann man den Blutdruck am Arm mit dem Blutdruck im Sprunggelenksbereich vergleichen. Normalerweise ergibt sich aus dem Knöchelarteriendruck geteilt durch den Armarteriendruck ein Wert > 1. Ein Wert von 0,9 ist bereits bedenklich, da der Druck in den Knöchelarterien normalerweise 20 bis 30 mm Hg höher ist als am Arm.
Genauso kann es aber sein, wenn ein Druck-Quotient über 1,5 vorliegt, dass die Wandstarre der Knöchelarterien bedingt, dass hier (fälschlicherweise) viel zu hohe Druckwerte gemessen werden, weil die Blutdruckmanschette die Arterien eben nicht mehr abdrücken kann, weil die Arterienwand so hart geworden ist. Diese falsch hohen Knöcheldruckwerte werden sehr häufig beim Zuckerkranken gemessen.
Im Stadium II treten Schmerzen bei Belastung auf. Dies ist die berühmte Schaufensterkrankheit, bei der die Schmerzen in den Waden die Betroffenen dazu zwingt, stehen zu bleiben und zu warten, bis die Muskulatur wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Im Stadium III treten bereits Ruheschmerzen auf. Diese Ruheschmerzen sind häufig nachts vorhanden, weil in horizontaler Lage die Durchblutung der Beine schlechter ist, als wenn man aufrecht steht, und zudem der Blutdruck im Schlaf etwas abfällt. Im Stadium IV schließlich ist die Durchblutung bereits so eingeschränkt, dass Gewebe zugrunde geht, dass z.B. Geschwüre auftreten oder eine Zehe sich schwarz verfärbt.
In erster Linie ist natürlich das Nikotin, das Rauchen, zu nennen. Dann spielt auch Übergewicht eine Rolle. Ein hoher Prozentsatz unserer Bevölkerung ist ja leider inzwischen übergewichtig. Dann die Zuckerkrankheit, wobei auch der Alterszucker eine große Rolle spielt. In unserem Lande sind etwa 7 Mio. Menschen an Alterszucker erkrankt. Und schließlich sind Fettstoffwechselstörungen zu nennen. Hier gibt es angeborene Erhöhungen des Cholesterins oder auch der Triglyceride. Ein weiterer, sehr wichtiger Risikofaktor ist hoher Blutdruck, da die ständige Belastung durch die hohe Druckwelle zu einem frühen Verschleiß der Gefäße führt.
Hauptfaktor ist allerdings das Rauchen. Etwa 120 000 Menschen sterben pro Jahr an den direkten Folgen des Tabakkonsum. 34 % der erwachsenen Bevölkerung sind Raucher. Die jährlichen Einnahmen an der Tabaksteuer betragen 22 Mrd. Euro und die Bundesrepublik Deutschland ist der drittgrößte Zigarettenproduzent der Welt. Ebenso einfach wie die Risikofaktoren entscheidend zu verringern durch das Einstellen des Rauchens können wir auch durch Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten das Risiko der Arteriosklerose entscheidend verringern und es ist nie zu spät, eine solche Änderung herbeizuführen. Wenn z.B. jemand einen leichten Herzinfarkt erleidet und danach wenigstens das Rauchen einstellt, so verringert er sein Risiko damit um mehr als ein Drittel (36 %!).
Ein Patient mit einer arteriellen Verschlusskrankheit der Beine hat in 90 % auch erkrankte Herzkranzgefäße und in 50 % der Fälle auch Veränderungen seiner Gehirnarterien.
Die arterielle Verschlusskrankheit schreitet leider fort. Innerhalb von fünf Jahren nach den ersten Symptomen erleben zwei Drittel der Patienten (58 %) eine deutliche Verschlechterung und zwar 25 % bezüglich ihrer Beindurchblutung und 33 % bezüglich der Herzkranzgefäße oder Gehirngefäße. 20 % der Patienten erleiden einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und 30 % versterben in dieser Zeitspanne. Von den verstorbenen Patienten erlitten 50 % einen Herzinfarkt, 15 % einen Schlaganfall und in 35 % sind es andere gefäßbedingte Todesursachen. Man kann die Bedeutung der Arteriosklerose und der arteriellen Verschlusskrankheit nicht deutlicher als an diesen Zahlen festmachen.
Hier ist zu nennen der Schlaganfall, der Herzinfarkt, die Aneurysma-Ruptur (Platzen eines erweiterten Gefäßes), die Embolie (wenn Gerinnsel im Gefäßsystem verschleppt werden und zu einer Verstopfung führen) und die Thrombose (das Zugerinnen eines Gefäßes). Natürlich kann auch eine akute Blutung dadurch ausgelöst werden, sei es durch eine Verletzung eines Gefäßes oder eben das Platzes eines Gefäßes. Die Arteriosklerose kann eine Verengung oder einen Verschluss hervorrufen. Embolie und Thrombose wurden bereits erwähnt. Dann gibt es noch die Dissektion, das Einreissen der Gefäßwandschichten durch hohen Blutdruck.
Ebenso schlimm ist, dass 50 bis 80 % der betroffenen Patienten Dauerpflegefälle werden. Die überwiegende Zahl der Schlaganfälle (ca. 80 %) sind durch eine Durchblutungsstörung bedingt. Eine Verengung der hirnversorgenden Gefäße liegt in etwa 40 000 Fällen vor und diese Fälle könnten von einer Gefäßoperation oder einer Gefäßintervention profitieren. Die sog. Carotis-Stenose ist damit gemeint. Wenn ein Verschluss einer Carotis, also der hirnversorgenden Schlagader, eingetreten ist, ist es jedoch zu spät, da die Behandlung eines solchen Verschlusses mehr Komplikationen auslöst als sie nützt.
Ob solche Verengungen nun mit einer Gefäßintervention, also mit einer Ballonkatheterdilatation, oder einer Gefäßoperation behandelt werden sollten, ist in einem anderen Kapitel dargestellt (Carotis-PTA oder Carotis-TEA).
Das vorher erwähnte Einreissen der Gefäßwandschichten, die Dissektion, ist ein besonders schlimmes Ereignis. Wenn es im Bereich der großen Hauptschlagader des Brustkorbs auftritt, dann haben die betroffenen Patienten einen Vernichtungsschmerz. Sie äußern es als ein Gefühl, „als wenn es mich zerreißt“. Die Aortendissektion tritt vorwiegend bei einer Gefäßwandschädigung durch hohen Blutdruck auf. Dann kann plötzlich eine Gefäßwandschicht einreissen und das Blut wühlt sich förmlich in die Gefäßwandschichten vor. Dies kann an jeder Stelle der großen Körperhauptschlagader auftreten.
Die moderne Behandlung besteht heute darin, dass ein solcher Einriss mit einer Aortenendoprothese, einer Stentprothese, minimal-invasiv überdeckt wird. Die früher sehr gefährlichen und mit hoher Komplikationsrate behafteten Operationen sind dadurch in ihren Ergebnissen entscheidend verbessert worden.
Die Rupturgefahr steigt mit dem Durchmesser. Während bei einem Querdurchmesser von kleiner als 5 cm die Rupturgefahr gering ist und deutlich unter 5 % pro Tag beträgt ist ab einem Durchmesser von 5 cm das Risiko stark erhöht. Es beträgt bei 5,5 cm 11 % Rupturrate pro Jahr und bei größer 6 cm nimmt die Rupturrate stark zu und beträgt dabei z.B. schon 20 % pro Jahr. Die Wachstumsrate eines Aortenaneurysmas ist mit etwa 0,7 cm pro Jahr anzusetzen. Besonders wichtig ist bei einer solchen Aussackung der großen Körperschlagader natürlich, dass eine sorgfältige Einstellung des Blutdrucks erfolgt und dass das Heben schwerer Lasten vermieden wird.
Wie häufig ist nun so ein Aortenaneurysma und gibt es Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass es gefährlich wird? Nach Schätzungen und statistischen Berechnungen haben etwa 50 000 Bürger der Bundesrepublik Deutschland ein Aortenaneurysma über 6 cm und fast die doppelte Zahl ein Aortenaneurysma über 5 cm. Bisher ist es leider so, dass nur ein Zehntel operiert wird, bzw., und dies ist ein Verfahren das sich in den letzten 10 bis 15 Jahren entwickelt hat, die Ausschaltung eines Aortenaneurysmas durch Auskleidung mit einer Aortenendoprothese. Die Warnzeichen bezüglich einer Ruptur bestehen in zunehmenden Bauch- und Rückenschmerzen mit einer verstärkt tastbaren Pulsation. Typisch sind z.B. auch Schmerzen, die in die Leisten ausstrahlen. Die moderne Behandlung eines Bauchaortenaneurysmas mit Endoprothesen auf minimal-invasivem Weg ist in einem anderen Kapitel dargestellt. Es ist inzwischen erwiesen, dass dieses Behandlungsverfahren hinsichtlich seiner Gefährlichkeit deutlich günstiger ist als die offene Operation. Es können damit auch Patienten behandelt werden, die ein weit fortgeschrittenes Lebensalter und erhöhte Risikofaktoren haben. Diese endovaskuläre Ausschaltung von Bauchaortenaneurysmen ist jedoch nicht in allen Fällen technisch möglich. Dann bleibt nur die bewährte klassische offene Operation. Das Risiko, also die Sterblichkeit, bei einer gut geplanten und entsprechend vorbereiteten Operation liegt bei 2 bis 3 %. Die Wahrscheinlichkeit, sich danach einem erneuten Eingriff unterziehen zu müssen, ist sehr gering und liegt um 1,5 %. Demgegenüber hat die endovaskuläre Ausschaltung mit Stentprothesen den Nachteil, dass hier, da das Aneurysma innen ja nur ausgekleidet wird, halbjährliche Kontrollen notwendig sind, jedenfalls in der Anfangsphase. Das Risiko dabei ist nämlich, dass durch das Weiterwachsen des Aneurysmas die Innenauskleidung sozusagen, „undicht“ wird, und damit der angestrebte Zweck des Eingriffs verloren geht.
Dann ist wirklich dringlicher Handlungsbedarf gegeben. Besser ist es natürlich, wenn der Patient bereits im Stadium der Schaufensterkrankheit auf seine Durchblutungsstörung aufmerksam wird, wenn er nämlich immer wieder wegen Wadenschmerzen stehen bleiben muss, damit sich die Muskulatur wieder genügend mit Sauerstoff versorgen kann.
Wichtig ist zunächst eine exakte Diagnostik. Hier ist die Ultraschalluntersuchung, die sog. Farbduplexsonografie, das unübertreffliche Hilfsmittel für den Gefäßspezialisten. Wenn bereits Gefäßverengungen oder Verschlüsse eingetreten sind, bestehen die anderen Behandlungsmöglichkeiten in der Lysetherapie. Diese besteht in der medikamentösen Auflösung von Blutgerinnseln. Die Gefäßintervention, dabei handelt es sich um die bekannte Ballonkatheterdilatation evtl. verbunden mit dem Einbringen von Gefäßstützen, sog. Stents und schließlich die Gefäßoperation. Wichtig bei allen Verfahren ist jedoch eine kontinuierliche Nachbetreuung der Patienten, womit gewährleistet ist, dass der Therapieerfolg erhalten bleibt.
Wir haben dabei große Erfahrung mit der sog. Hemobahn/Viabahn Endoprothese der Firma Gore. Dieses Verfahren besteht in einer Kombination von Ballonkatheterbehandlung und dem Einbringen einer Endoprothese, d.h. einer Gefäßprothese, die mit einer Gefäßstütze aus Metall kombiniert ist.
Die Gefäßoperationen bestehen in der Ausschälplastik. Dabei werden am eröffneten Gefäß die arteriosklerotischen Ablagerungen entfernt und das Gefäß dann meistens mit einer Erweiterungsplastik („Gefäßflicken“) verschlossen. In dem Gefäßinterponat, bei dem ein Gefäßstück ersetzt wird, oder der Bypass, bei dem eine Blutumleitung vorbei an einem verschlossenen Gefäßbezirk erfolgt. Die Bypassoperation kann sowohl mit körpereigener Vene (dem besten Bypassmaterial) und mit Gefäßersatzmaterial aus Polyester (Dacron oder PTFE) erfolgen. Andere Gefäßoperationen bestehen in der Aneurysmaresektion (bereits erwähnt) und im Einbringen von Endoprothesen.
So unterscheidet man den Bypass mit Anschluss oberhalb des Knies (sog. P I Bypass), den Anschluss unterhalb des Knies (sog. P III Bypass) und crurale Bypässe (diese Bypässe gehen meistens von der Leiste bis zu den Unterschenkelarterien) und pedale Bypässe (hier wird der Bypass unten am Fuß an Fußgefäße angeschlossen). Natürlich nützt man beim Bypassverfahren jede Gefäßstrecke aus, die noch durchgängig ist, so dass es manchmal möglich ist, wenn die Oberschenkelarterie noch längerstreckig erhalten ist, dass von dort ein Bypass zu einem Unterschenkel oder Fuß gelegt werden kann (sog. kurzer Bypass).
Hier ist eine erbliche Belastung hinsichtlich Gefäßerkrankungen anzuführen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die vor dem 50. Lebensjahr auftreten, haben meistens eine andere Ursache. Dann ist natürlich ein unvermeidbares Risiko für die Gefäße das fortschreitende Lebensalter und letztlich auch das männliche Geschlecht hat eine höhere Neigung zur Gefäßerkrankung. Hier spielen hormonelle Ursachen eine Rolle. Viel zu wenig Beachtung findet häufig, dass die Durchblutung für jeden Heilungsvorgang notwendig ist und je besser und intensiver die Durchblutung ist umso besser ist auch die Wundheilung. Vielfach beruhen Unterschenkelgeschwüre nicht allein auf einer Venenerkrankung (also dem Rückstrom des Blutes), sondern auch auf einer gestörten arteriellen Durchblutung (also einer gestörten Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen). Häufig werden so nötige Spalthauttransplantationen durchgeführt, die wegen einer mangelnden Blutversorgung nicht einheilen können und zum Scheitern verurteilt sind.
Diese bestehen z.B. in dem mäßigen Genuss von Wein, dem altbekannten Knoblauch, sogar in Schokolade, allerdings nur 100 g pro Tag. Bekannt ist, dass viel Früchte und Gemüse mit hohem Vitamingehalt günstig sind, und man weiss inzwischen auch, dass der Genuss von Seefisch mit seinem besonderen Muster an Fettsäuren, den sog. Omega 3 Fettsäuren, günstig wirkt. Auch Mandeln wurde ein günstiger Effekt zugesagt.
Festzuhalten bleibt jedoch, dass man insgesamt mit einer gesunden Ernährung sehr viel für das Gefäßsystem seines Körpers tun kann
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Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2005 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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2005 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy