Klinik für operative und interventionelle Gefässchirurgie


Schlaganfall: Fragen und Antworten aus Sicht des Gefäßchirurgen         

Was ist ein Schlaganfall ?

Ein Schlaganfall ist eine akut auftretende Störung der Gehirnfunktion, die durch eine Durchblutungsstörung verursacht wird. 
 

Was sind die unmittelbaren Folgen ?
Es können alle Hirnfunktionen einzeln oder in Kombination ausfallen, je nach der Lokalisation der Durchblutungsstörung kommt es meist zu Bewegungsunfähigkeit bzw. Taubheit der Arme oder Beine, häufig auch zu Sprachstörungen, außerdem zur Einschränkung der Sinne (Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen, etc.). Des weiteren kann sich durch einen Schlaganfall die Persönlichkeit eines Menschen verändern.  
Häufig tritt akut Bewusstseinsverlust auf, die Herz-Kreislauffunktionen können soweit eingeschränkt sein, dass der Betroffene stirbt. 
Die Folgen hängen davon ab, welche Region des Hirnes von der Durchblutungsstörung betroffen ist.  
Wegen der Überkreuzung der vom Hirn in das Rückenmark ziehenden Nervenbahnen auf die andere Seite, liegt z. B. bei einer linksseitigen Lähmung des Armes eine Durchblutungsstörung der rechten Gehirnhälfte vor.  
Das Sprachzentrum der meisten Menschen liegt in einem bestimmten Bereich in der li. Hirnhälfte, so dass bei einer Durchblutungsstörung der li. Hirnhälfte eine akute Sprachstörung auftreten kann, wohingegen eine Durchblutungsstörung der re. Hirnhälfte keinerlei derartige Beschwerden verursacht. 

Mit welchen Spätfolgen muß man rechnen ?
Dies hängt  erneut  vom Ausmaß und der Lokalisation des Schlaganfalls ab, d. h. ob  der betroffene Gehirnbezirk groß oder klein bzw. für viele oder wenige Funktionen des Hirns verantwortlich ist. 
Entscheidend für die optimale Minimierung von Spätfolgen ist die schnelle und spezialisierte Diagnostik und Therapie mit anschließender spezieller Rehabilitation. 
Studien haben gezeigt, dass durch spezielle Schlaganfallstationen mit entsprechend geschultem Personal und optimaler Gefäteausrüstung in den Krankenhäusern die Spätfolgen deutlich vermindert werden können.        . 
 

Können sich Schlaganfallpatienten wieder vollständig erholen ?
Ob ein Betroffener wieder völlig beschwerdefrei werden kann hängt in erster Linie vomm Ausmaß und der Lokalisation des Schlaganfalls sowie vom sofortigen Beginn einer entsprechenden abgestimmten Therapie sowie im späteren Verlauf der Durchführung einer optimalen Rehabilitationsmaßnahme ab. 
Schlagwort: "Rehabilitation muß spätestens sofort beginnen".  

20 bis 30 % der Patienten werden gar nicht oder nur mit einer Hilfsperson wieder gehfähig. 
Von den überlebenden Patienten werden nur ein Viertel wieder arbeitsfähig. 

Die vollständige Erholung nach Schlaganfall ist also bei wenigen Patienten unter optimalen Behandlungsbedingungen möglich, die große Mehrheit behält jedoch mehr oder weniger große Einschränkungen der Hirnfunktion oder verstirbt akut oder mittelbar an den Folgen des Schlaganfalls.

 Was haben Blutgefäße mit einem Schlaganfall zu tun? Beim Auftreten eines Schlaganfalls kommen neben anderen Ursachen auch arteriosklerotische (verkalkte und in ihrem Durchmesser verkleinerte) Gefäße im Bereich der hirnversorgenden Arterien in Betracht. Durch Gefäßverkalkungen mit Wandunregelmäßigkeiten können von dort in das Hirn abgetragene  Blutgerinnsel kleine Gefäße verstopfen und somit einen Schlaganfall auslösen. Außerdem führen hochgradig verengte, hirnversorgende Schlagadern zu einer drastischen Minderung der Hirndurchblutung, so dass an der Stelle der geringsten Durchblutung Hirngewebe zugrunde gehen kann (somit ein Schlaganfall stattfindet).

Welche Blutgefäße sind bei einem Schlaganfall besonders von einer Verkalkung betroffen ? 
Arteriosklerotische Gefäßveränderung ("Gefäßverkalkung") tritt grundsätzlich an allen Gefäßen, vor allem jedoch an den Aufzweigungen von Schlagadern auf.  
Für den Schlaganfall spielen arteriosklerotische Gefäßverengungen im Bereich der Gabelung der Halsgefäße (Carotisgabel) eine entscheidende Rolle, da von diesen Stenosen häufig die hirngefäßverschließenden kleinen Thromben mit dem Blutstrom verschleppt werden und somit einen Schlaganfall auslösen.             . 
 

Was ist schuld an der Verkalkung ?
Die sog. Arteriosklerose oder Gefäßverkalkung ist Folge von Stoffwechselvorgängen und tritt mit zunehmendem Alter natürlicherweise auf, bei Vorliegen von bestimmten  Risikofaktoren entwickelt sich dies jedoch in stärkerem Ausmaß und tritt früher im Leben auf.   
 

Wer ist gefährdet ?
Das höchste Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, haben über 65jährige, männliche Patienten, insbesondere Raucher oder Patienten mit Fettstoffwechselstörung. Hierbei erhöht sich das Risiko, falls in der Familie des Patienten schon Vorfälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind. Außerdem sind Angehörige der weißen Rasse stärker betroffen als andere Rassen. 
Grundsätzlich kann ein Schlaganfall jedoch bei jedem, bei Vorliegen von speziellen Stoffwechselerkrankungen sogar auch bei Kindern auftreten.  
 

Wie sieht gegenwärtig eine optimale Behandlung eines frischen Schlaganfalls aus?
Der Schlaganfall-Patient wird am besten in speziellen Einheiten auf Intensivstationen betreut ("stroke units"). Ähnlich wie es auch Spezialeinheiten für Herzinfarkte gibt, hat sich gezeigt, daß spezielle Schlaganfallstationen, die sowohl die initiale Intensivtherapie wie auch eine optimale Frühversorgung übernehmen können, die besten Ergebnisse erzielen. An spezifischen Behandlungsverfahren kommt in geeigneten Fällen z.B. auch eine gerinnselauflösende Therapie ("Thrombolyse") in Frage oder auch ein gefäßchirurgisches Eingreifen mit der Beseitigung von vorgeschalteten, hochgradigen Gefäßeinengungen oder frischen Gefäßverschlüssen (Diese Möglichkeit besteht nur in seltenen speziellen Einzelfällen). 

Wie hoch ist das Rückfallrisiko ? Welcher Zeitraum ist der kritischste? Wieviele Patienten sterben?
Das Risiko einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, beträgt etwa 10 % /Jahr, d.h. im Jahr nach dem Schlaganfall erleiden ca. 10 % der Patienten einen erneuten Schlaganfall.  
Die Sterblichkeitsrate ist innerhalb des ersten Monats am höchsten und beträgt fast 50 %, d.h. knapp die Hälfte der Personen, die einen Erstschlaganfall erleiden, sterben innerhalb der ersten drei bis vier Wochen.  
Die Sterblichkeitsrate nach dem ersten Jahr ist abhängig vom Alter des Betroffenen, d.h. von den bis 60jährigen, die das erste Jahr überlegt haben, sterben ca. 10 % im weiteren Verlauf. Im Gegensatz dazu liegt sie z.B. bei den 70 bis 80jährigen schon bei 25 % und bei den 80 bzw. über 80jährigen  über 50 %, d.h. das Risiko. 

Als Richtwert kann angegeben werden, dass ca. 60 % der Überlebenden leiden lebenslang an einer körperlichen oder geistigen Behinderung. 

Welche Alarmsignale können einen Schlaganfall ankündigen ?
Es gibt keine sicheren Vorzeichen eines Schlaganfalls.  
Häufig treten aber unspezifische Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit,  Gedächtnisstörungen, Schwindelerscheinungen, erhöhtes Schlafbedürfnis, Verwirrtheit oder  Unruhezustände auf.        
Vorübergehende Lähmungserscheinungen oder einseitige Taubheitsgefühle oder plötzlich einsetzende Sprachstörungen deuten auf einen bevorstehenden Schlaganfall hin. In so einem Fall sollte neben anderen Abklärungsverfahren mit Hilfe des Ultraschalls eine Einengung der hirnversorgenden Halsschlagadern als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden.    
Höhergradige Gefäßeinengungen der  Halsschlagader erzeugen mit einem Stethoskop hörbare  sich  krankhafte Flussgeräusche. 

Bedauerlicherweise werden solche Vorboten eines Schlaganfalls häufig von Patienten ignoriert oder "auf die leichte Schulter genommen", so dass eine diagnosesichernde Abklärung und die daraus folgenden Therapieschritte nicht eingeleitet werden.  
  

Welche Möglichkeiten bestehen, einen drohenden Schlaganfall zu verhindern ?
Nach Feststellung eines drohenden Schlaganfalls ist die medikamentöse Behandlung des Betroffenen sofort einzuleiten.  
Ziel ist, das Verkleben von  Blutplättchen zu großen Blättchenklumpen zu hemmen, den arteriellen Blutdruck ggf. richtig einzustellen und die Herz-Kreislauf-Funktionen zu optimieren.  
Eine gefäßchirurgische Operation (Carotis-Thrombendarteriektomie) bei festgestellter hochgradiger Verengungen der Halsschlagadern kann bewiesenermaßen einen drohenden Schlaganfall verhindern und langfristig vorbeugend wirken.  
Große Studien haben gezeigt, dass Verkleinerungen des Durchmessers der Halsschlagadern von mehr als 70 % operativ erweitert werden sollten, um einem Schlaganfall vorzubeugen. 
Die Operation sollte jedoch gefäßchirurgischen Spezialabteilungen vorbehalten sein. So kann das Auftreten von Komplikationen wälhrend der Operation auf ca. 1 % reduziert werden und der Patient von der Operation mit hoher Wahrscheinlichkeit profitieren.  
 

Wie häufig im Vergleich zu anderen Erkrankungen ist der Schlaganfall Todesursache?
Bezogen auf Deutschland sind die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolg von den bösartigen Tumorerkrankungen die häufigste Todesursache, der Schlaganfall ist die dritthäufigste Ursache für den Tod eines Menschen.  
In der Bundesrepuplik Deutschland erleiden jährlich ca. 250 000 Menschen einen Schlaganfall.

 

 


Letzte Aktualisierung :

 

 

 

 

Home | Site Map | Kontakt | Impressum | ©2009 Gefäßchirurgie Behandlungszentrum Vogtareuth