Interventionelle
Therapie bei Gefäßerkrankungen
Neben der
konservativen Behandlung von Gefäßerkrankungen (Gehtraining, medikamentöse
Therapie) und der operativen Therapie (örtliche Entfernung von Gefäßverengungen,
vor allem an Gefäßgabelungen durch Ausschälplastik oder Bypass-Operation)
gibt es noch eine dritte Behandlungsform. Diese heißt „interventionelle
Therapie“.
Dabei können
ohne offene Operation in der Regel mit einer Gefäßpunktion von der Leiste
( seltener von der Ellenbeuge) aus lokale Verengungen durch Aufdehnung
beseitigt oder innere Gefäßschienen (Stents) zum
Offenhalten der Gefäße eingebracht werden. Außerdem besteht die Möglichkeit,
frische Gerinnsel in den Gefäßen durch Einspritzen von Medikamenten aufzulösen
oder mit einem Katheter abzusaugen und in neuerer Zeit auch Gefäßendoprothesen
ohne offene Operation in den Körper einzubringen. Diese Behandlungen finden
am wachen Patienten – außer bei Behandlung von Erweiterungen (Aneurysmen
) der Hauptschagader (Aorta) in örtlicher Betäubung statt und sind in
der Regel schmerzfrei, weil der Mensch im Gefäßsystem keine Schmerzempfindung
hat.
Behandlungen
in der unteren Körperhälfte
Angewandt
werden können solche Methoden in der unteren Körperhälfte bei kurzstreckigen
Verengungen oder Verschlüssen der Beckenarterien und der Oberschenkelgefäße,
bei örtlicher Gerinnselbildung oder Abschwemmung von Gerinnseln aus dem
Herz in die Beine (Embolie).
Vor
allem in den Beckengefäßen können solche Behandlungen zu einer lang anhaltenden
Beschwerdefreiheit führen, weil die Gefäße des Becken mit 7 bis 9 mm Durchmesser
gut für diese Therapie geeignet sind. Hier treten häufig lokal begrenzte
Verengungen oder kurze Verschlüsse auf, die dann von der Leiste aus in
der Regel durch eine Ballonaufdehnung beseitigt werden können. In der zweiten
Hälfte der 90er Jahre konnte auch gezeigt werden, dass die Langzeitoffenheit
von Behandlungen durch Ballonaufdehnungen in der Beckenregion durch das
Einbringen von Gefäßstents (inneren Gefäßschienen aus Metall) um ca. 10
Prozent verbessert werden kann.
In
der Leistenregion sollte eine interventionelle Behandlung nur in Außnahmefällen
erwogen werden. Das beruht auf der Tatsache, dass in der Leiste durch
die Bewegung der Hüfte eine ständige mechanische Beanspruchung der Arterien
stattfindet, was schnell zum Auftreten einer erneuten Verengung führen
kann. Außerdem ist die Leistenregion für eine Ballonaufdehnung nur von
der anderen Leiste oder von einer Armarterie aus zugänglich. Dadurch wird
eine Behandlung an dieser Stelle oft technische schwierig.
Schließlich
ist für den Chirurgen die Leistenschlagader sehr leicht zugänglich und
die hier oft nötigen Ausschälplastiken haben eine sehr gute Langzeitprognose
für den Patienten.
Auch
in der Oberschenkeletage ist eine Ballonbehandlung möglich. Allerdings
ist diese auf lange Sicht nur
erfolgversprechend, wenn einzelne kurzstreckige Engstellen (Stenosen)
vorhanden sind. Es zeichnet sich aber ab, dass längerstreckige Veränderungen
(bis ca. 14 cm Länge) auch längerfristig durch das Einlegen von inneren
Gefäßendoprothesen (innere Bypassanlage) behandelt werden können.
Allerdings befindet sich dieses Verfahren derzeit noch in der Entwicklung
und ist deshalb speziellen Zentren und speziell auszuwählenden Patienten
vorbehalten.
Das Einbringen
von metallischen Gefäßschienen (Stents), die keine Gefäßprothesenummantelung
tragen, ist in der Obeschenkeletage leider von wenig Erfolg gekrönt und
führt häufig zu einem frühzeitigen Gefäßverschluss. Solche Maßnahmen führen
nur in ganz speziellen Fällen und bei Verwendung von sehr kurzen Stents
(kürzer 2 cm) zu einem vernünftigen Langzeitergebnis.
Im
Unterschenkel sind die Gefäße von sehr kleinem Kaliber (1 bis 3 mm im
Durchmesser). Deshalb ist die Gefahr einer erneuten Verengung nach einer
Aufdehnungsbehandlung recht groß. Aus diesem Grund wird hier eine Aufdehnung
nur durchgeführt, wenn keine Operation möglich ist und ohne Behandlung
die Gefahr der Amputation droht. Im Unterschenkel hat die Aufdehnungsbehandlung
also in der Regel nur einen aufschiebenden Charakter und führt nicht zu
einer langfristigen Heilung.
Allerdings
sind derzeit innere Gefäßschienen (Stents) in Erprobung, die ein Medikament
tragen, das einen erneuten Gefäßverschluß durch Hemmung des Zellwachstumes
verhindern soll. Die ersten Ergebnisse sind sehr ermutigend, erstrecken
sich aber nur über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten. Daher kann noch nicht
beurteilt werden, ob die Gefäße auch jahrelang nach so einer Behandlung
offen bleiben werden.
Anders
ist dies bei der Auflösungsbehandlung von Gerinnseln. Hier können auch
die kleineren Gefäße des Unterschenkels freigemacht werden, wo man unter
Umständen mit Operationsinstrumenten mechanisch Gerinnsel nicht mehr entfernen
kann.
Behandlungen
im Bauchraum
Im
Bauchraum ist die Behandlung von Verengungen der Nierenarterie , vor allem
bei sehr schlecht einstellbarem Bluthochdruck möglich, weil eine Nierenarterieneinengung
zu schwerem Bluthochdruck führen kann. Allerdings betrifft die nur ca.
2 % aller Menschen mit hohem Blutdruck.
Bei
einer Störung der Ausscheidungsfunktion der Nieren wegen einer Verengung
der zuführenden Arterien ist die Beseitigung der Verengung aber leider
wenig erfolgreich. In der Regel kann dadurch allenfalls ein Fortschreiten
der Erkrankung verzögert oder verhindert werden. Deshalb wird diese Behandlung,
ohne daß zusätzlich ein schwerer Bluthochdruck besteht, praktisch nicht
durchgeführt.
Die
besten Ergebnisse kann aber die Behandlung von Verengungen der Nierenarterien
durch Aufdehnung und Stentimplantation erstaunlicherweise bei jüngeren
Patienten mit einem speziellen angeborenen Krankheitsbild erzielen. Es
handelt sich dabei um die sog. „fibromuskuläre Dysplasie“. Man erkennt
sie daran, daß die Nierengefäße
perlschnurartige Einschürungen aufweisen. Dies kann zu einem nicht
mehr beherrschbaren Bluthochdruck schon in jungen Jahren führen. Solche
Patienten profitieren am besten und am längsten von einer derartigen Behandlung.
Allerdings ist das Krankheitsbild ebenfalls sehr selten.
Behandlung
von Aussackungen ( Aneurysmen ) im Bauch – und Brustraum
In
den letzten zehn Jahren wurde außerdem die Möglichkeit entwickelt, Aneurysmen
(Aussackungen) der Körperhauptschlagader (Aorta) in Bauch und Brust durch
das Einbringen von inneren Gefäßprothesen ohne Eröffnen von Bauch-
oder Brustraumes zu behandeln. Dabei werden über kleine Schnitte oder
inzwischen schon durch Stichkanäle in der Leiste auf engem Raum zusammengefaltete
Gefäßprothesen in die Hauptschlagader vorgeschoben und dort entfaltet.
Gehalten werden diese Prothesen durch kleine Häkchen in der Gefäßwand
oder durch Klammern,die sich tulpenblütenartig im Gefäß aufspannen und
innerhalb von ca. 6 Wochen
in die Wand einwachsen. Vorteil der Methode ist, daß auch schwerkranke
Menschen , die einer großen Bauch – oder Brustoperation nicht mehr gewachsen
wären, operiert werden können.
Nachteile der Methode sind die sehr hohen Kosten (zwischen 7.500
und 9500 Euro) für eine solche Prothese, die Tatsache, daß noch keine
Langzeitergebnisse über mehr als 4 Jahre vorliegen und daß sich im Laufe
der Zeit innere Undichtigkeiten der Prothese ergeben können. Deshalb müssen
die so behandelten Patienten nach heutigem Stand ein lebenslanges Nachsorgeprogramm
durchlaufen und ggf. Nachbehandlungen bis hin zur Umwandlung in eine offene
Operation in Kauf nehmen.
Die
Methode ist in letzter Zeit wieder stark umstritten, weil in der Vergangenheit
doch etliche zu junge oder vom Gefäßbild her schlecht geeignete Patienten
so operiert worden sind, die sich heute einer Umwandlung zu einer „klassischen“
offenen Operation unterziehen müssen.
Vom heutigen Wissensstand aus sollten nur ältere und auch sonst
kranke Menschen so behandelt
werden. Außerdem ist vor dem Eingriff eine genaue Untersuchung des Patienten
und eine exakte Planung und Auswahl der zu verwendenden Endoprothese durchzuführen,
weil nur so ein gutes Gelingen der Operation und ein guter Langzeiterfolg
zu erreichen sind.
Einsetzbar
ist die Methode auch in einigen Fällen bei einem akuten Platzen (Ruptur)
des Aneurysmas, weil Patienten in diesem Moment schnell einen schweren
Kreislaufschock erleiden. Es kann dann ggf. eine Endoprothese auch als
zeitweiliger „Platzhalter“ eingesetzt werden, bis der Patient sich stabilisiert
hat und , wenn noch nötig, eine offene Operation durchgeführt werden kann.
Allerdings setzt das voraus, daß der Patient halbwegs von seiner Aneurysmaform
her geeignet ist, eine passende Endoprothese vorrätig ist und ein trainiertes
OP – Team zur Verfügung steht, was zur Zeit nur Sezialkliniken der Fall
iat.
Bei
Ersatzoperationen an der Brusthauptschagader besteht ein erhebliches Risiko
einer anhaltenden Lähmung aller vier Gliedmaßen (Tetraplegie). Im Brustraum
kommt es auch häufiger zum Einreißen der Gefäßwand , wobei sich das Blut
dann in der Wand der Hauptschlagader vom Blutdruck getrieben nach unten
vorwühlt. Diese Erkrankung tritt gar nicht so selten bei Menschen mit
einem ständig sehr hohen Blutdruck auf. Sie tritt in der Regel plötzlich
ein und verursacht einen Vernichtungsschmerz zwischen den Schulterblättern,
ähnlich einem schweren Herzinfarkt. Für den dann herbeigerufenen Notarzt
ist oft nicht zu unterscheiden, ob es sich um einen Herzinfarkt oder eine
sog. „ akute Aortendissektion“ handelt. Dies ergeben dann erst die Untersuchungen
im Krankenhaus. Bei dieser Erkrankung wird die Zukunft in der Verwendung
von Endoprothesen liegen, weil die Ergebnisse recht gut sind und das Auftreten
von Lähmungen deutlich seltener beobachtet wird als bei der offenen Operation.
Allerding kann bis heute nur die Dissektion im absteigenden Teil der Brustschlagader
so behandelt werden. Betrifft die Erkrankung den herznahen Aortenbogen,
kommt nur die offene Operation mit Anwendung einer Herz – Lungen – Maschine
in Frage, weil hier etliche Gefäße ( z.B. die hirnversorgenden Arterien)
entspringen, die nicht verschlossen werden dürfen. Allerdings machen sich
heute schon findige Tüftler daran Prothesen zu entwickeln, die vielleicht
eines Tages auch das Problem dieser Gefäßabgänge überwinden können.
Behandlung
der hirnversorgenden Halsgefäße
In
besonderen Fällen kommen solche Behandlungsformen auch bei Verengungen
der Halsschlagader oder der zu dem Gehirn oder zu den Armen führenden
Gefäßen in Frage. Bei Verengungen der Halsschlagadern (A. carotis) kann
es zu einer fortschreitenden Drosselung der Blutversorgung einer Gehirnhälfte
kommen. Dies äußert sich frühzeitig in einer vorübergehenden Lähmung einer
Hand oder einem Verlust der Sprache (Aphasie), wenn die linke Hirnhälfte,
die normalerweise das Sprachzentrum enthält, betroffen ist. Allerdings
sind diese Verengungen an den Halsschalgadern oft innen rauh und zeklüftet,
sodass es hier zum Abbröckeln von Wandteilen oder Gerinnseln kommen kann.
Auch das kann zu einer vorübergehenden Störung oder sogar zu einem richtigen
Schlaganfall führen, bei dem die Ausfallserscheinungen erhalten bleiben
und der Betroffene im Rollstuhl endet.
Genau
diese Tatsache erschwert aber auch die Behandlung der Halsschlagaderverengung
durch Aufdehung. Bei der Aufdehung kann sich ebenfalls etwas aus der Wand
lösen und in das Gehirn gespült werden. Dies versucht man derzeit durch
den Einsatz von Filtersystemen zu
verhindern, die abgeschwemmte Bröckelchen auffangen sollen, bevor
sie das Gehirn erreichen und schädigen können. Allerdings
ist diese Methode noch nicht ganz ausgereift, sodass derzeit bei der nicht
vorbehandelten Verengung (Stenose) der Halsschlagader die Operation auf
jeden Fall die bessere Wahl für den Patienten darstellt. Außerdem ist
inzwischen bekannt, das die Aufdehnungsbehandlung mit einem höheren Risiko
einer erneuten Verengung behaftet ist. Damit bleibt diese Methode – auch
wenn gelegentlich das Gegenteil behauptet wird - speziellen
Zentren und speziellen Patienten vorbehalten.
Behandelt
werden kann aber auch eine Verengung der Schlagader, die die Arme versorgen.
Tritt diese Erkrankung auf, so bemerkt der Patient oft ein Schwindelgefühl
bei starker Belastung des betroffenen Armes. Das kommt daher, daß die
hintere gehirnversorgende Arterie ( A. vertebralis) aus der Armschalgader
entspringt. Kommt es dabei zu einer Verengung vor dem Abgang der Arterie,
so entsteht eine Umkehr der Flussrichtung in dem Gefäß, weil der Arm über
den Umweg über das Gehirn mit Blut versorgt wird. Die Erkrankung wird
„ subclavian steal syndrome“ genannt, weil der Arm dem Hirn das Blut abzapft.
Hier kann ein Stent eingelegt werden. Man macht sich dabei die Tatsache
zunutze, dass es während der Behandlung eine gewisse Zeit braucht, bis
die Blutflussrichtung sich normalisiert, d.h. das Blut wieder vom Arm
ins Gehirn läuft. Dadurch ist der Patient bei der Behandlung in der Regel
vor einem Abschwemmen von Gerinnseln Richtung Gehirn geschützt.
Insgesamt
gesehen ist eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten und Verfahren verfügbar.
Im Einzelfall muß aber genau abgewogen werden, ob mit Rücksicht auf das
Langzeitergebnis besser eine operatives oder ein interventionelles Verfahren
ein besseres Langzeitergebnis für den Patienten erbringen kann.
Neues
aus der interventionellen Therapie : Beschichtete Stents
Bei
der interventionellen Therapie von Gefäßverengungen kommen an verschiedenen
Stellen im Körper die Einbringung von metallischen Gefäßschienen (Stents)
in Frage (siehe Seite „interventionelle Behandlung“).
Da
es sich hierbei um einen metallischen Fremdkörper handelt reagiert jedes
Gefäß, das so behandelt wird, mit einem Heilungsprozess. Dabei wird der
Stent mit einer neu gebildeten Gefäßwandinnenschicht überdeckt und so
in die Gefäßwand eingebaut.
Etliche
Menschen neigen jedoch zu einer überschießenden Heilungsreaktion. Dieser
Prozess wird als Hyperplasie bezeichnet.
Wird
ein großlumiges Gefäß (z.B. eine Beckenarterie) mit einem Stent versorgt,
spielt in aller Regel die Intimahyperplasie eine Rolle,
weil der Gefäßkranke den erneut auftretenden Verlust von Gefäßquerschnitt
nicht bemerkt.
Werden
aber kleinere Gefäßregionen behandelt, kann die Behandlung mit einem Stent
zum Verschluss des Gefäßes führen.
In
den letzten Jahren gab es Bestrebungen, die überschießende Neubildung
von Gefäßwandinnenschichten über einem Stent zu hemmen oder zu verhindern.
Dazu
wurden die metallischen Stents mit einer Trägerschicht versehen, die Medikamente
enthalten können.
Zusätzlich
wurde eine Deckschicht aufgebracht, deren Zusammensetzung die Geschwindigkeit
der Abgabe des Medikamentes steuern kann.
Untersucht
wurden Medikamente, die als Zellgift wirken (also zu einem Absterben der
Zellen führen) und Medikamente, die als Hemmer des Zellwachstums (Zytostatika)
bekannt sind und inzwischen schon häufig in der Krebstherapie eingesetzt
werden.
Bei
den Zellgiften (zytotoxische Substanzen) besteht der Nachteil,
dass es zu einem kompletten Untergang der Gefäßinnenwandzellen
kommt und damit der metallische Stent auf Dauer frei und ohne organischen
Zellüberzug im Gefäß liegen bleibt.
Außerdem
erzeugen diese Medikamente Veränderungen z.B. im Fettstoffwechsel.
Zur
Serienreife gebracht worden ist ein Medikament aus der Linie der Zytostatika.
Das Medikament heißt Rapamycin (offizieller chemischer Name Virolimus).
Der
Fa. Cordis, die zum Johnson & Johnson Konzern gehört,
ist es gelungen, ein Stentsystem zu entwickeln, das dieses Medikament
trägt und über einen Zeitraum von zwei bis sechs Wochen (je nach Ausführung
der o. beschriebenen Deckschicht) aus dem Stent auswaschen kann.
Dadurch
kommt es über bis jetzt nachgewiesenermaßen sechs Monaten zu keiner überschießenden
Neubildung von Zellen in dem behandelten Gefäßabschnitt.
Eine
Medikamentenabgabe erscheint
dabei für die Zeit von vier bis sechs Wochen sinnvoll, weil in dieser
Zeit die Einheilungsprozesse stattfinden und danach ein stabiler Zustand
erreicht wird, so dass das Zellwachstum durch den Fremdkörper nicht mehr
weiter angeregt wird.
Die
o. beschriebenen Ergebnisse beziehen sich im Moment jedoch auf die Behandlung
von Herzkranzarterien, weil metallische Stents in größerem Durchmesser
derzeit noch nicht verfügbar sind (dies mag darin begründet sein, dass
Stents in einem größeren Durchmesser bei der Implantation schnell eine
Beschädigung der Medikamententrägerschicht und der oberen Deckschicht
erleiden, wenn sie im Gefäß entfaltet werden).
Die
bis dato vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Methode zu keinen Nebenwirkungen
führt. Allerdings besteht ein derzeit noch ungelöstes Problem an der Stelle,
an der der Stent beginnt und wo der Blutstrom auf den Stent trifft.
Hier
wird nämlich das freigesetzte Medikament nicht an die Gefäßwand gespült
sondern durch den entgegengesetzten Blutstrom in die körperfernen Regionen
getragen.
Dadurch
kann es vor allem am herznäheren Eingang des Stents weiterhin zu einer
überschießenden Gefäßwandneubildung kommen.
Außerdem
wurde in den vorliegenden Studien beobachtet, dass nach einer gewissen
Zeit kleine leere Räume zwischen den Stentgittermaschen und der eigentlichen
Gefäßwand nachweisbar sind.
Noch
nicht klar ist, ob dies auf eine ungenügende Anformung des Stents bei
der Implantation zurückzuführen ist oder eine Folge des eingebrachten
Medikaments darstellt.
Vom
jetzigen Standpunkt aus (Juni 2002) erscheint diese Methode durchaus vielversprechend.
Der
entsprechende Stent hat auch die klinische Erprobung durchlaufen und ist
unter dem Namen Cypher von der Fa. Cordis zu erworben und für die Behandlung
von Menschen zugelassen.
Allerdings
sind die vorhandenen Größen derzeit nur für Herzkranzarterien bzw. vom
Durchmesser her analog für Unterschenkelgefäße einsetzbar (Erfahrungen
in den Unterschenkelgefäßen, die eine sichere Aussage erlauben, gibt es
derzeit noch nicht).
Des
weiteren besteht noch Bedarf, die o. genannten Probleme, die bisher beobachtet
wurden, bei der Methode näher zu untersuchen und es muss abschließend
gesagt werden, dass nach Angaben der Industrie wegen der hohen Entwicklungskosten
ein solcher Stent mit ca. ¤ 2.000,--
Materialkosten zu Buche schlägt.
Es
ist damit in der Tat ein neues Behandlungsverfahren in der Behandlung
von Gefäßverengungen eingeführt. Daten über Sicherheit und Langzeiterfolge
stehen jedoch noch aus.
Aus
diesem Grunde und auch wegen der derzeit noch sehr hohen Kosten der Methode
und der beschränkten Verfügbarkeit der Größen wird die Methode im wesentlichen
bei speziellen Problempatienten angesetzt werden können.
Es
steht aber zu hoffen, dass nach Lösung der noch vorhandenen Probleme und
durch eine Absenkung der Kosten bei der Herstellung von großen Stückzahlen
dieses Verfahren in der Behandlung einen größeren Stellenwert erlangen
kann.
|