| Gefässchirurgisches Klinikmanagement mit der Datenbank VasoDat |
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Autor: Marcel Hofmann Situation
des Patientenmagements in der Klinik Im
Klinikallatg sind EDV - Systeme zum Patientenmanagement und Führung von
Abteilungen immer noch die Ausnahme. Das beruht auf folgenden Faktoren: -
Der potentielle Anwender (Arzt) ist nicht identisch mit dem
Beschaffer (Verwaltungsleiter, Geschäftsführer) der Soft - und Hardware
und damit nicht Herr der entsprechenden Finanzmittel. -
Der Anwender ist in der Regel kein EDV - Fachmann und damit oft
nicht in der Lage seine Bedürfnisse adäquat zu artikulieren. -
Der EDV - Spezialist ist normalerweise ohne Einblick in
medizinische Bedürfnisse und die Abläufe eines Klinikalltages oder einer
Abteilungsstruktur. -
Bei der Beschaffung von Klinik - EDV wird in der Regel von einem übergreifenden
Gesamtkonzept ausgegangen. Damit entsteht der Zwang eine Vielzahl von Bedürfnissen
einzelner Anwender und Arbeitsbereiche möglichst gleichzeitig zu berücksichtigen.
Das führt in der Regel zu einer Verzögerung der Inbetriebnahme solcher
Systeme. Auf
gefässchirurgischem Gebiet hat sich diesbezüglich in den letzten zehn
Jahren auf kommerzieller Seite im deutschsprachigen Raum auch offenbar
nichts Neues ergeben. Nachdem
seit nunmehr fünf Jahren an der eigenen Abteilung ein solches System in
eigener Regie betrieben und weiterentwickelt wird, soll diese gefässchirurgische
Datenbank ”VasoDat” vorgestellt werden. Entwicklung der
gefässchirurgischen Datenbank VasoDat Die
Entwicklung begann 1989 am Klinikum rechts der Isar in München. Das
Projekt wurde zunächst als Machbarkeitsstudie angesehen. Eine
Zusammenarbeit mit dem damaligen Distributor des Mutterprogrammes
entwickelte sich jedoch nicht, weil dieser nicht an der Entwicklung von
Folgeanwendungen interessiert war. 1996/97
folgte die Neustrukturierung als relationale Datenbank Vasodat 3.0. Das
erforderte eine komplette Neuprogrammierung der Datenbank, weil durch den
Übergang zur relationalen Struktur eine Vielzahl von Abläufen im System
neu gestaltet werden mussten. Hilfreich waren die bis dahin gesammelten
Erfahrungen.. Verlassen
wurde im Verlauf der Weiterentwicklung die Archivierung von Laborbefunden,
die Bearbeitung von Antragsformularen und weitgehend die Brieferstellung
aus Textbausteinen wegen zu geringer Flexibilität. Bis
dato wurde nur in geringem Maß eine Datenaustausch mit anderen
Rechnersystemen realisiert. Die Übergabe von Patientendaten zur Qualitätsicherung
in der Carotischirurgie - dem Projekt der DGG - erfolgt per Datenträger,
sodass hier eine lückenlose Dokumentation gewährleistet ist. Eine
Bilddatenübertragung (DSA, CT, Op - Röntgen) wurde nicht implementiert.
Dies scheiterte im Wesentlichen am fehlenden Interesses der angesprochenen
Gerätehersteller Schnittstellen zum Abgreifen der digitalen Daten außerhalb
der Serienproduktion zur Verfügung zu stellen. Die
Grundstruktur von VasoDat Die
aktuelle Version 3.1v.3 von VasoDat erfüllt für die Abteilung alle
Aufgaben des Patientenmanagements in der täglichen klinischen Arbeit.
Hinzugekommen sind die Bereiche wissenschaftliche Datenerfassung und
statistische Auswertungen. Zur
Zeit sind zwölf Arbeitsplätze mit Netzrechnern und vier mit
Laserdruckern ausgerüstet. Ein Server, der die physikalische
Datenbereitstellung für die Arbeitsplätze leistet, befindet sich in
einem separaten Raum. Er wird an einer unterbrechungsfreien
Spannungsversorgung betrieben. Nachts findet regelmäßig eine
automatische Datenspiegelung statt. Allerdings mußte in jetzt ca. 36 -
monatigem Dauerbetrieb des aktuellen Systemes noch nie auf die
Spiegeldateien zurückgegriffen werden. Außerdem wird nachts automatisch
die Belegungsstatistik für die Abteilung erstellt. Die Anbindung eines
weiteren Arbeitsplatzes in Form eines DOS - Rechners steht bevor. Das ist
im Gesamtsystem ohne zusätzlichen Aufwand möglich. Momentan werden über das System jährlich ca. 2500 Ambulanzkontakte, 1400 stationäre Patientenaufenthalte, 1200 Operationen und ca. 900 Röntgenuntersuchungen abgewickelt. Hinzukommt eine Unzahl von Funktionsuntersuchungen. Der gesamte Datenbestand aus fünfeinhalb Jahren erfordert einen Speicherplatz von ca. 160 MB - lächerlich wenig im Vergleich zur derzeitigen Festplattengröße eines PC´s von 10 Gigabyte. In den beiden Zentraldateien der Datenbank befinden sich momentan je ca. 20.000 einzelne Datensätze, was aber keine merkliche Beeinträchtigung bei Routine - Such - oder Sortierfunktionen verursacht. Dies wird durch die interne Speicherverwaltung des Mutterprogrammes sichergestellt. Die Grundstruktur der Datenbank ist ”relational”. Die Basiseinheit entspricht einem beliebigen Patientenkontakt oder ”Vorgang”. Ihm werden einzelne ”Prozeduren” z.B. Operation zugeordnet oder ”relational verknüpft”. Jeder ”Vorgang” steht zusätzlich
in Beziehung zur Zeitachse und zu weiteren ”Vorgängen” die den
gleichen Patienten betreffen.. Mit den Merkmalen ”geplant” , ”in
Bearbeitung” oder ”abgeschlossen” gekennzeichnet wird ein
”Vorgang” in den Arbeitslisten aufgerufen. Jeder ”Vorgang” wird
durch einen Bericht - Konsilschein,
Arztbrief mit Leistungserfassung, Ambulanzbrief - abgeschlossen. Die
Eigenschaft ”abgeschlossen” wird nur vergeben, wenn alle
erforderlichen Aktionen in den zugeordneten Prozeduren durchgeführt sind.
Ist dies nicht der Fall, wir der Anwender durch ein entsprechendes Icon
darauf hingewiesen. Bei
der Gestaltung der Benutzeroberfläche wurde besonderer Wert auf die
graphische Kennzeichnung durch Icons und durchgehende Farbgebung gelegt. Der Zugang zum Programm geschieht über das Hauptmenu. Von hier aus
sind die verschiedenen Organisationbereiche der Abteilung zu erreichen. Über
die Option ”Neuer Patient” werden zunächst in der Praxissoftware
PatiO® die Patientenstammdaten erfasst. Das Praxisprogramm
verwaltet Ambulanzleistungen, für die eine KV - Ermächtigung besteht.
Simultan wird ein Patientenvorgang in VasoDat angelegt. Handelt es sich um
einen ambulanten Kontakt, erscheint der Patient auf der Terminliste des
entsprechenden Tages. Gleiches gilt für stationäre Aufnahmetermine. Über die „Suchen“ - Funktion werden die Vorgänge nach den eingegebenen Kriterien - in der Regel nach Namen - angezeigt. Hier gelangt man zu einer Übersicht mit den zugeordneten Prozeduren. In dieser Übersicht
sind aber, bis auf zwei Ausnahmen, keine Änderungen an den einzlnen Einträgen
möglich, weil hier nicht zwischen den zeitlichen Merkmalen der Vorgänge
unterschieden wird. Eine Ausnahme bildet die Möglichkeit einen
Rehabilitationsantrag anzulegen, weil dieser gelegentlich erst nach
Entlassung wegen fehlender Daten (Rentenversicherungsnummer o.ä)
komplettiert werden kann. Außerdem
kann der Patient nachträglich in eine „Wissenschaftsmappe” (s.u)
aufgenommen werden. Alle übrigen Daten eines abgeschlossenen Vorganges können
nur auf Ebene des Systembetreuers verändert werden.. Das dient dem Schutz
vor nachträglichen Änderungen im Datenbestand. Die
”in Bearbeitung” befindlichen Vorgänge finden sich im Bereich
Ambulanz, Konsil und Station. Jede der abgebildeten Tasten führt zur
entsprechenden Liste, von der aus jeweils ein Layout zur Bearbeitung oder
Erstellung von Prozeduren für den Patienten aufgerufen wird. Diese sind
sich weitgehend ähnlich. Als Beispiel ist ein ”Tages - OP - Plan” in
Abbildung 4 dargestellt. Eine
zentrale Rolle spielt für die Stationsarbeit die Option ”Tagesbelegung
heute”. Sie erzeugt eine Liste der stationären Patienten. Sie wird täglich
aktualisiert und für jeden Arzt ausgedruckt. Auf dem Ausdruck finden sich
Stammdaten, Hauptdiagnosen, Versichertenstatus, der oder die OP - Termine,
Aufnahmedatum und Hausarzt des Patienten. Die Daten sind nach Zimmern
geordnet. Neuaufnahmen, Entlassungen und Intensivpatienten werden
gesondert geführt. Die Liste und Ihr Ausdruck dienen dem Stationsarzt als
Leitfaden bei der Tagesarbeit. Die
Bereiche OP und Röntgen führen zu den entsprechenden Listen von
Prozeduren. Nach Abschluß eines Eingriffes geht der Operateur an den
Rechner im OP und gibt die Daten des Eingriffes, wie Beginn und Ende der
OP, OP - Titel, ggf. interne Bemerkung (Gedächtnisstütze für den OP -
Bericht), Leistungsziffern nach ICPM und ggf. zugehöriges Sonderentgeld
ein. Ähnlich
wird in der Röntgenabteilung verfahren. Hier werden nach einer
Untersuchung oder Intervention ebenfalls Leistungsziffern und
Sonderentgelte sofort erfasst. Außerdem werden verwendete Materialien,
Medikamente, Strahlungsparameter und eventuelle Komplikationen
protokolliert. Schließlich wird über das Netzwerk auf der Bettenstation
ein Nachbehandlungsblatt ausgedruckt, das alle für das Stationspersonal
wichtigen Informationen enthält. Dieses Vorgehen erzeugt eine
schriftliche, für die Mitarbeiter leserliche und verbindliche Information
und Dokumentation. Die
Kalendertasten im Hauptmenu führen zu entsprechenden Kalenderübersichten.
Sie werden regelmäßig aktualisiert, d.h. vergangene Abschnitte gelöscht
und neue Tagesdateien angelegt, um keinen überflüssigen ”Datenmüll”
mitzuschleppen. Wählbar ist dabei der Löschungszeitraum, die Zahl der
neu zu generierenden Tage getrennt nach Ambulanz- und Stationskalender und
die belegbaren Ambulanztermine sowie deren Zeitintervalle. Ein
weiteres wichtiges Element ist die sog ”last minute - Liste”. Sie wird
für kurzfristig verfügbare Patienten genutzt und stellt ein Instrument
zur Steuerung der Auslastung für Stationsbelegung und OP - Kapazität
dar. Vorrangig werden hier Varikosispatienten für Elektiveingriffe geführt.
Derzeit können etwas 30 bis 40 Prozent der Patienten, die auf der Liste
eingetragen sind mit kurzfristig verfügbaren Terminen versorgt werden.
Dabei beträgt die Wartezeit bei regulärer Terminvergabe für solche
Eingriffe im Winterhalbjahr bis zu 5 Monate. Weitere ca. 50 Prozet
erreichen Ihren regulären OP - Termin und ca. 10 Prozent der Patienten
verschwinden aus anderen Gründen von der Liste . Zu
den jüngsten Teilen der Datenbank zählt der Programmteil
”Wissenschaft”. Hier haben wir eine einfache Lösung erarbeitet. Ziel
ist in der Vielzahl von Datensätzen Entitäten für laufende oder
geplante wissenschaftliche Fragestellungen zusammenzufassen. Der Patient
wird dazu in eine ”Wissenschaftsmappe” aufgenommen. Datentechnisch
erfolgt dabei der Export der Patientennummer in eine Unterdatei, die ein
farbiges Mappensymbols beim Patientenaufruf erzeugt. Die Mappen und ihre
Namen können vom Systemverwalter vergeben werden. In den Mappen sind
jeweils freie Kriterienfelder mit den entsprechenden Sortier - und
Suchfunktionen angelegt. Man kann aus der Mappe in die Übersicht der Vorgänge
eines Patienten wechseln, um
einen Überblick über klinische Verläufe und Kontakte zu haben. Mehr
wird hier nicht angeboten. Ziel ist dabei nicht z.B. eine ”sich selbst
generierende” klinische Nachuntersuchung zu erzeugen, sondern vielmehr
dem Einzelnen ein flexibles Werkzeug an die Hand zu geben eine bestimmte
Fragestellung ohne das Wälzen von Akten zu untersuchen.
Insgesamt
wurde so der Einsieg in die ”elektronische Patientenakte” (EPA) eröffnet.
Von einer kompletten EPA ist das System aber noch weit entfernt. Nicht
zuletzt, weil das eine komplette Vernetzung der verschiedenen Abteilungen
und Funktionsbereiche im eigenen Haus voraussetzen würde. Letztlich wird
immer noch eine doppelte Buchführung in Form einer Papierakte und einer
EPA erforderlich. Etliche Kladden und Strichlisten und nicht zuletzt das
OP - Buch sind aber schon verschwunden. Verwaltungsaufgaben
und Statistikfunktionen Über
die Kodierung der Sonderentgelte und Fallpauschale wurde schon berichtet. Auch
die ICD - Kodierung ist in der Datenbank implementiert. In einer separaten
Datei sind alle ICD - Schlüssel abgelegt. Diese können entweder direkt
in einem Patientendatensatz verwendet oder in die ”abteilungseigene ICD
- Liste” übernommen werden. Diese Liste stellt damit eine
”Hitliste” der häufig verwendeten Schlüssel dar. Das System wird
damit lernfähig und übersichtlich. Der
jüngste Teil der Datenbank sind die Statistikfunktionen. Diese sind als
feste Programmteile erst im letzten Jahr erstellt worden. Grund dafür
ist, dass durch die eigene
Betreuung des Programms auch jederzeit jede gewünschte Suchabfrage durch
den Systembetreuer möglich ist. Ausserdem ist die Datenbank bisher nicht
kommerziell genutzt worden, sodass kein Bedarf bestand für einen
Fremdnutzer feste Auswertungs - und Statistikfunktionen zu implementieren. Fest
integriert sind inzwischen Abfragen über Belegungsstatistik, stationäre
Patientenzahlen, Konsilleistungen, OP - Zahlen
und - arten, ICPM - Leistungen und ICD - Diagnosen sowie
Auswertungsfunktionen nach Sonderentgelten, Sonderentgeldkombinationen und
Fallpauschalen. Außerdem ist eine Kostenerfassung für Prothesen,
Endoprothesen und Stents hinzugekommen.
Datensicherheit,
Bedienungsfehler, Datenschutz Der
Zugang zu jedem Netzrechner ist passwortgeschützt. Für die Datenbank
sind ebenfalls Passwörter in Benutzergruppen geteilt vergeben. Außerdem
werden die Einlogzeiten der Netzrechner stichprobenweise überprüft, um
unautorisierte Zugriffsversuche erkennen zu können, was auch schon
vorgekommen ist. Es blieb zwar nur bei Versuchen, es muß aber auch klar
gesagt werden, dass jedes System naturlich bei festem Vorsatz und nur eher
geringem EDV - Sachverstand zu ”knacken” ist. Bedienungsfehler
sind in aller Regel bei dem System inzwischen auf Unachtsamkeiten der
Anwender zurückzuführen. So kommt es vor, dass Patienten, die ihre
Termine absagen, versehentlich nicht gelöscht werden. Diese Fehler sind
dann nicht mehr zuzuordnen, weil sie eben durch das Fehlen einer Aktion
auch keine Spuren des Anwenders hinterlassen. Leichter ist es Falscheinträge
zu orten, weil das System den Netzrechner, auf dem ein Datensatz erstellt
oder zuletzt bearbeitet wurde, offen protokolliert. Das
Löschen von Vorgängen oder Prozeduren, das in Form eine „Mülltonne“
angeboten wird, erfolgt für die Benutzer „virtuell”. Der Anwender fügt
dabei dem Datensatz nur das Merkmal „Löschen” bei. Dadurch wird der
Datensatz bei einem entsprechenden Aufruf nicht mehr angezeigt. Die
physikalische Löschung oder Wiederherstellung kann nur vom Systembetreuer
durchgeführt werden. Der
Alltagsbetrieb Im
Alltag bleibt das System rund um die Uhr in Betrieb. Bei einem
Patientenkontakt wird zunächst von der Sekretärin überprüft, ob es
sich um einen bekannten Patienten handelt, bzw. ein neuer Stammdatensatz
erstellt. Dann wird ein neuer Vorgang angelegt getrennt nach stationär,
ambulant oder Konsilanforderung. Dabei wird eine Arbeitsdiagnose angegeben
und ggf. eine interne Bemerkung zum Procedere angefügt. Bei Wochenend - oder Notaufnahmen erledigt das der
Dienstarzt. Bei Ambulanzterminen wird nach Untersuchung des Pat. direkt
ein Brief in den Rechner diktiert und ggf. ein Folgevorgang - z.B. stationärer
Aufnahmetermin - angelegt. Der Pat. erhält den fertigen Arztbrief nach
wenigen Minuten für den Überweiser ausgehändigt. Beim stationären
Terminen erscheint der Patient automatisch auf der Tages - oder
Wochenliste. Der OP - Koordinator plant - soweit möglich - am Ende der
Vorwoche das laufende OP - Programm und erstellt die erforderlichen
Patientenprozeduren am Rechner. Genauso wird für das Röntgenprogramm
verfahren. Erhält ein Patient eine Funktionsuntersuchung, kann der
Untersucher am Arbeitsplatzrechner sofort die zugeordnete Prozedur anlegen
und den Befund erfassen. Längere Freitextbefunde (OP - Bericht oder DSA -
Befund) werden diktiert und später geschrieben. Bei geplanter Entlassung
diktiert der Stationsarzt am Vorabend einen Freitextbrief für die
Stationssekretärin, in den OP - Titel und DSA - Befunde direkt übernommen
werden. Dadurch kann der Patient in der Regel den Arztbrief persönlich
zum Weiterbehandler mitnehmen, worauf auch großer Wert gelegt wird. Nur für
Standardvarizenoperationen existiert ein Formularbrief, dessen
Fertigstellung ca. 5 Minuten beansprucht. Andere Textbausteine oder
Standardbriefe kommen nicht zum Einsatz, da sie ich als zu unflexibel
erwiesen haben. Konsilien werden bei Vorliegen aller Befunde vervollständigt
und der Abschlußbericht dem Anforderer zugesandt. Vorteilhaft
ist, dass bei Nachfragen jederzeit auf die gesamte gefässchirurgische
Vita eines Patienten zugegriffen werden kann, was sich bei Akutfällen oft
schon vor Eintreffen des Pat. als wegweisend zeigt. Programmprobleme Nicht
verschwiegen werden sollen auch zwei Probleme bei der Programmierung: Ein
Problem der Datenbank ist, dass sich Aktionen in FileMaker Pro zwar nach
Zeitintervallen, aber nicht nach absoluten Uhrzeiten steuern lassen. Das
hatte lange Zeit zur Folge, dass die Erfassung der Tagesbelegungsdaten der
Station irgendwann im Laufe des Tages an eine andere Aktion gekoppelt
erfolgte und damit Abweichungen zur Statistik der Hausverwaltung
auftraten. Das
Problem ist gelöst, weil die Serversoftware von FileMaker Pro sehr
wohl eine Uhrzeitsteuerung kennt die sich von aussen durch ein
Hilfsprogramm ansprechen lässt. Ein
weiteres Problem trat auf, weil zum Anfang keine Set an OP - Titeln
angelegt war. Es war also dem einzelnen Operateur überlassen einen OP -
Titel zu verwenden. Damit war eine standartisierte Suche nach Untergruppen
die nicht durch eine eigene ICPM - Nummer kodiert sind, unmöglich. Das
wurde durch Implementierung einer festen OP - Titelliste beseitigt. Natürlich
bleibt ein Rest von Operationen, die weiterhin frei benannt werden müssen.
Eine weitere Auswertung dieser inhomogenen Gruppe von Operationen muss
dann ”von Hand” erfolgen. Standortbestimmung Die
gefässchirurgische Datenbank VasoDat blickt jetzt auf eine zehnjährige
Entwicklungs - und Einsatzzeit im klinischen Alltag zurück. In dieser
Zeit hat sie sich zu einem integralen Bestandteil der täglichen Arbeit
der Abteilung entwickelt. Die aktuelle Version ist ein Expertensystem mit
möglichst naher Anpassung an die individuellen Bedürfnisse der
betreibenden Abteilung. Durch die eingene Wartung und Weiterentwicklung
ist das System sehr flexibel für die Integration neuer Aufgaben. Dadurch
eignet es sich aber in dieser Form nicht zur kommerziellen Nutzung für
andere Kliniken mit einer eigenen spezifischen Infrastuktur. Die
Entwicklung einer adaptierten, von jeweiligen Anwender frei
konfigurierbaren Version ist aber bei Bedarf möglich. Eine Softwarefirma
stünde auch für ein derartiges Projekt zur Verfügung ( Fa. MediMac,
Brannenburg). Das
gesamte Patientenmanagement vom ersten Ambulanzkontakt über stationäre
Aufenthalte mit Funktionsdiagnostik, OP - Planung und Dokumentation,
Befunderstellung und Arztbriefschreibung läuft inzwischen über die
Datenbank. Seit Neugründung der Abteilung konnte jeder Patienten mit
allen Befunden und Briefen in der Datenbank erfasst werden. Der Kostenfaktor Schlecht
beziffern lassen sich die bisher in die Entwicklung des Systems
investierten Kosten. Um eine Vorstellung zu liefern, können aber die
aktuellen Kosten für eine komplette Neueinrichtung des System in etwa
angegeben werden. Dabei ist für ein Netzwerk mit bis zu 15 Rechnern mit
Kosten pro Arbeitsplatz (Rechner, Netzwerk,Mutterprogramm und Kabellängen
bis 100 mtr) von ca. DM 2500 .- bis 3000.- zu rechnen. Ausreichend
langlebige Drucker sollten für unter DM 1000 .- zu beschaffen sein. Dazu
kommt der Serverrechner mit Serversoftware, USV und Spiegeleinrichtung für
ca. DM 5500 .- . Über 15 Arbeitsplätzen sollte aber eher mit DM 8000 .-
bis 9000 .- gerechnet werden, weil sonst die Geschwindigkeit der Arbeitsplätze
erheblich leidet. Nicht exakt angegeben werden können zur Zeit noch die
Kosten für eine freie Programmversion mit entsprechendem Supportangebot,
weil diese Kalkulation mangels Interesse nicht durchgeführt wurde. Ausblick Für
die Weiterentwicklung dieser Datenbank zeichnen sich momentan drei
Richtungen ab. 1)
Weiterentwicklung durch Fortschritte der Computerhardware. Langfirstig
soll die Implementierung von bildlicher Befunddokumentation und
Langzeitarchivierung erreicht werden. Mittelfristig
steht die Vernetzung des Systems mit anderen Rechnersystemen im eigenen
Haus und außerhalb an. Kurzfristig
haben wir die Einbindung einer zeichnerischen Befunddokumentation z.B. zur
übersichtlichen Visualisierung von DSA - Befunden im Visier. 2)
Qualitätssicherung und Verfahrenskontrolle Dazu
zählt die Weiterentwicklung von Werkzeugen zur Qualitätssicherung bei
der operativen und interventionellen Tätigkeit in der Gefässchirurgie,
wie sie teilweise in VasoDat schon umgesetzt sind. 3)
Resourcenmanagement und Kostenkontrolle Im
Rahmen dieser Abteilungsdatenbank ist es relativ einfach möglich quasi
als Nebenprodukt der klinischen Tätigkeit eine Datenerfassung zur
Kostenkontrolle und Budgetauslastung durchzuführen. Dazu haben wir mit
der Kostenerfassung von Implantaten und Prothesen begonnen. Als Beispiel zeigt Abbildung 5 den ”Interventionsassistenten” des Programmes. Hier werden medizinische Daten von Interventionen sowie die
verwendeten Implantate und deren aktuelle Kosten erfasst. Im statistischen
Teil können dann für einen gewünschten Zeitraum die Gesamtkosten
abgefragt werden. Eine
effiziente Kostenerfasssung in den medizinischen Bereich
”vorzuverlagern” erscheint insofern sinnvoll, als dadurch beim
Verursacher ein Kostenbewußtsein entsteht und zum anderen Datenmaterial
gesammelt wird, dass bei entsprechenden Verhandlungen als verlässliche
Grundlage dienen kann. Schlussbetrachtung Die
eigenen Erfahrungen der letzten 10 Jahre zeigen, dass zur Entwicklung
einer alltagstauglichen Klinikdatenbank vor der Niederschrift der ersten
Programmzeile eine Vielzahl von Fragen zu klären sind. Zunächst muß der
Anspruch an das Produkt als konkretes Pflichtenheft formuliert werden. An
erster Stelle steht dabei die Maxime, dass im Resultat das Programm
Arbeitszeit sparen und Abläufe beschleunigen muß. Es
darf aber nicht vergessen werden, dass jede EDV nur Ergebnisse liefert,
wenn der Daten - Input sorgfältig und regelmäßig geschieht. Dazu muss
ein Teil der erreichbaren Zeitersparnis reinvestiert werden. Weiter
muß klar sein, dass zu Anfang die EDV nicht die Patientenakte ersetzen
wird, dass bei der Installation eines Systemes unvermeidlich Fehler
auftreten werden und dass die Schulung der Mitarbeiter auf dem System Zeit
und Geduld erfordert. Gerade
bei Installation und Schulung können Fehler gemacht werden, die sich
langfristig auf die Arbeit mit dem Programm auswirken. Die Akzeptanz der
EDV bei den Mitarbeitern hängt nämlich davon ab, wie praxisnah und
bedienerfreundlich das Programm ist. Im
laufenden Betrieb müssen stetig neue Mitarbeiter in das System eingeführt
werden müssen. Die Einarbeitungszeit wird dabei durch selbsterklärende
und intuitive Benutzerführung wesentlich verkürzt. Die eigenen Erfahrungen zeigen , dass inzwischen nicht mehr als ein Arbeitstag nötig ist um einen neuen, durchschnittlich mit Computerwissen ausgestatteten Mitarbeiter in die zentralen Programmteile von VasoDat einzuweisen.
Zusammenfassung: Es
gibt im gefässchirurgischen Sektor kaum kommerzielle Angebote von
Kliniksoftware zum Abteilungsmanagement. Die Datenbank VasoDat wurde vor
zehn Jahren als Machbarkeitsstudie für die Gefässchirurgie konzipiert.
Inzwischen ist sie in Eigenregie zu einem integralen Bestandteil der
Alltagsarbeit der eigenen Abteilung geworden. Mit ihrer relationalen
Struktur deckt sie alle Routineabläufe der Abteilung mit hoher
Betriebsstabilität ab. Es
sind Instrumente zur Optimierung der Abteilungsorganisation und zur
Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten entwickelt worden. Feste
Statistikfunktionen sind hinzugekommen. Der Datenaustausch mit anderen
Systemen beschränkt sich derzeit auf das Programm zur ”Qualitätssicherung
Carotischirurgie” der DGG, die Anbindung an das Praxisprogramm PatiO und
die zugehörige Privatliquidation. Weiterentwicklungen zur
Bildarchivierung, visuellen Befunddokumentation und Vernetzung mit anderen
Rechnersystemen sind einfach möglich. Erweiterungen der Datenbank für
Aufgaben beim Budget - und Resourcenmanagement, z.B. bei der OP - Kapazitätsauslastung,
wurden entwickelt, um zeitnahe Resultate und die Kontrolle auf dem
Gebiet zu erhalten. Summary There
are only a few commercial offers of medical software for
department-management on the vascular surgery field. The database VasoDat
was created as an eventual study for vascular surgery 10 years ago. In the
meantime it has been autonomously developed to an integral part of daily
life in one’s own department. With it’s relational structure it is
covering all routine procedures in the department with an intense working
stability. Instruments have been developed for optimizing the
department’s organisation and for supporting scientific works.
Statistical functions have been added. Data exchange with other systems at
the moment is restricted on the programme ”Quality management in carotid
surgery” of the DGG (=German Society of Vascular Surgery), on the
linking to the practising programme PatiO and the according private
liquidation. Adding tools for image storing, visual report documentation
and linking with other computer systems is easily possible. Extentions for
supporting the management of budgets and resources, e.g. in managing
operative capacity, were developed in order to succeed in adequate time
results and department controls. |
Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2007 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
Veröffentlichungen nur mit schriftlicher Genehmigung, Konzept & Layout (c)
2007 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy