Durchblutungsstörungen
bei Zuckerkrankheit
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Die nationale Versorgungsleitlinie dazu (für Fachleute): Prävention und Therapie von Fußkomplikationen
Unter dem diabetischen Fußsyndrom versteht man verschiedene Wundheilungsstörungen an den Füßen des Zuckerkranken.
Die
Erscheinungen sind sehr unterschiedlich. Es gibt im wesentlichen zwei
verschiedene Hauptursachen.
Im
einen Fall steht die neurologische Störung im Vordergrund (neuropathisches
Fußgeschwür), im anderen Fall die Durchblutungsstörung (ischämisches
Fußsyndrom).

Beide Varianten können zusammen auftreten, so dass Durchblutungsstörung und neurologische Störung zusammenwirken und schwere Wunden und Geschwüre am Fuß auslösen können.
In
der Verteilung der Fälle liegt in 60 % ein vorwiegend polyneuropathisches Fußsyndrom
vor, bei dem, wie gesagt, die Nervenstörung im Vordergrund steht, in 20 % die
rein durchblutungsbedingte Wundheilungsstörung und in 20 % die Mischformen.
Wie viele Menschen sind davon bedroht?
Die Zahl der Zuckerkranken in Deutschland ist in ständigem Anwachsen begriffen. Sie beträgt derzeit etwa 4 Millionen Zuckerkranke (Diabetiker).
Durch die zuckerbedingten Beeinträchtigungen des Nervensystems und der Gefäße steigt auch die Anzahl der Patienten, die das sog. diabetische Fußsyndrom haben, in geradezu erschreckendem Maße an.
Etwa
100 000 zuckerkranke Patienten jährlich (!) entwickeln ein Geschwür am
Fuß und bei etwa 28 000 zuckerkranken Patienten wird eine Amputation
notwendig.
Jährlich
verliert etwa 1 von 200 Diabetikern sein Bein.
Zuckerkranke Patienten, die ein Fußgeschwür aufweisen, haben in etwa 70 % der Fälle eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. 80 % weisen eine zuckerbedingte Polyneuropathie auf.
Oftmals
dauert es Monate, bis ein Diabetes-Patient in eine adäquate und fachgerechte
Behandlung kommt. Auch ein Grund dafür ist, dass durch die zuckerbedingte,
gleichzeitige Nervenerkrankung die Wunden häufig schmerzlos sind.
Aber
vielfach ist dieses Krankheitsbild
zu wenig bekannt oder wird unterschätzt.
Der Befall und die Schädigung der großen Gefäße zeigt im Prinzip das gleiche Aussehen wie die Arteriosklerose des nicht Zuckerkranken. Sie tritt jedoch beim Diabetiker frühzeitiger, viel rascher fortschreitend und auch eher die peripheren Gefäße, also z.B. die Unterschenkelarterien betreffend, auf.
Einen
Unterschied im Befall zwischen Frauen und Männern gibt es nicht.
Das
Arterioskleroserisiko von Zuckerkranken ist um das Vier- bis Fünffache erhöht.
Die Ursache für die Gefäßveränderung ist die
Einwirkung des Zuckers, der zu einer Schädigung der Gefäßwand führt.
Besonders ausgeprägt ist die Wandverdickung. Diese Wandverdickung führt dann
auch zu einer Verhärtung der Gefäßwand („Mediasklerose“).
Deshalb kann man z.B. peripher den Blutdruck nicht mehr gut
messen, weil sich aufgrund der Wandverhärtung die Arterien nicht mehr
zusammendrücken lassen. So werden dann falsch hohe Blutdruckwerte gemessen.
Manachmal ist es deshalb notwendig den Blutdruck im Gefäss
(„blutig“) zu messen, um korrekte Werte zu erhalten. Wird dieses Problem der
falsch hohen Blutdrucke nicht beachtet, kann der Blutdruck fälschlicherweise
medikamentös sogar soweit gesenkt
werden, dass dadurch eine Durchblutungsstörung verursacht wird !
Früher
hat man angenommen, dass der Zucker hauptsächlich die kleinsten Gefäße in den
Weichteilen und der Haut befällt. Eine solche sog. „Mikroangiopathie“ ist
z.B. aus der Augen-Retina und den Nierengefäßen bekannt.
Für
die Füße und die Haut haben sich jedoch solche Veränderungen nicht nachweisen
lassen. Allerdings lassen sich in mikroskopischen Untersuchungen eine
Verringerungen der Kapillaren (das sind die kleinsten Blutgefäße überhaupt)
im Nagelfalzbereich der Finger nachweisen. Welche Bedeutung dies hat ist gegenwärtig
noch nicht geklärt.
Gefunden
wurde auch eine funktionelle Störung der Mikrozirkulation, d.h. eine Störung
der Anpassung der Gefäßweite an bestimmte Reize, wie z.B. Kälte oder Hitze.
Durch die hohen Blutzuckerwerte kommt es zu einer Störung der Gefäße, die die Nerven versorgen oder der Zucker schädigt direkt die Nerven, die den Fuß versorgen. Daraus ergibt sich eine Nerven-Funktionsstörung, so dass Temperaturunterschiede, Schmerzreize oder Vibrationsempfinden nicht mehr wahrgenommen werden können.
Auch
die Muskelenervierung ist gestört, so dass es zu einer Muskelatrophie, d.h.
„Wegschmelzen“ der Fußmuskeln kommt. Diese Störung der Fußmuskeln kann
wiederum Knochenveränderungen auslösen, die mit Verformungen des Fußes einher
gehen (Fußdeformität).
Da
durch den Zucker auch das vegetative Nervensystem gestört wird, funktionieren
auch die Talg- und Schweißdrüsen nicht mehr. Die Haut kann ihre Barriere und
Schutzfunktion nicht mehr ausüben. Die Haut ist trocken.
Das
Zusammenwirken aller dieser Faktoren, also Fußverformung und Störung der Haut
führen dann bei Tragen von ungeeignetem Schuhwerk zum Ausbilden von Schwielen.
Dadurch, dass das Schmerzempfinden herabgesetzt wird, kommt es dann zu dem
typischen Druckgeschwür, dem „Malum perforans“. Dieses hat ein ganz
typisches Erscheinungsbild, da am Fuß über Zonen großer Druckbelastung durch
die Knochen kreisrunde, wie ausgestanzt wirkende, Löcher entstehen.
Das durchblutungsbedingte („ischämische“) diabetische Fußsyndrom
Wie vorher bereits erwähnt, wird durch die Verhärtung der Arterienwände und damit die fehlende Zusammendrückbarkeit der Blutgefäße oft ein zu hoher Blutdruck gemessen und die hochgradige Durchblutungstörung nicht erkannt.
Sehr
häufig wird die Durchblutungsstörung als „schicksalshaft“ angenommen und
auf eine exakte Untersuchung verzichtet. Es muss sich jedoch nicht um eine
Durchblutungsstörung, die keiner Behandlung mehr zugänglich ist, handeln.
Immer sollte eine Angiografie, d.h. eine Röntgen-Darstellung der Blutgefäße
erfolgen oder zumindest eine Ultraschall-Doppler (Duplex) Untersuchung.
Durch
die modernen Verfahren der Gefäßmedizin, die entweder in der Operation
(Bypassanlage) oder auch minimal-invasive Intervention (Ballonkatheter-Dilatation),
oder Einbringen von Drahtgitterstützen (Stents) bestehen, kann die
Durchblutungssituation auch beim Diabetiker häufig verbessert werden.
Die
Veränderungen der Blutgefäße sind oft im Unterschenkelbereich lokalisiert (in
etwa 70 %), während die Fußgefäße weniger betroffen sein können. Dies eröffnet
dem Gefäßchirurgen die Möglichkeit, einen Venenbypass auf Fußgefäße
anzulegen (pedaler Bypass).
Die
verbesserte Durchblutung ist die Voraussetzung für das Abheilen von Fußwunden,
die sich beim Zuckerkranken sehr leicht infizieren und entzünden.
Kleine,
unbemerkte Verletzungen führen zum Auftreten einer schweren Weichteilinfektion
und leider manchmal sogar dann zum
Verlust des ganzen Fußes oder Unterschenkels.
Neben der Nervenstörung und der Störung der Hautintegrität besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. Leider sind gerade Bagatell-Läsionen, wie interdigitale Rhagaden (Risswunden zwischen den Zehen), oder kleine Verletzungen im Rahmen der Fußpflege die Auslöser einer schweren Weichteilinfektion (diabetische Gangrän).
Die
entzündliche Schwellung führt dann zu einer Beeinträchtigung der Durchblutung
in der schlecht durchbluteten „letzten Wiese“ und bewirkt das nachfolgende
Absterben des Gewebes (Gewebsnekrose).

Zuckerkranke
haben ein 45fach höheres Amputationsrisiko als Nicht-Diabetiker.
Jährlich müssen immer noch etwa 28 000 Amputationen bei Zuckerkranken
durchgeführt werden.
Bereits 1998 wurde in der St. Vincente Deklaration gefordert, innerhalb von fünf Jahren die Amputationsrate bei Diabetikern zu halbieren. Diese Forderung,auch der WHO wurde kurze Zeit später von allen Europäischen Staaten unterstützt.
2001
wurde die Schaffung eines neuen medizinischen Assistenzberufes, der Beruf des
„Podologen“ besprochen. Der Beruf des Fußspezialisten ist wie folgt
beschrieben: Er soll spezielle fußpflegerische Maßnahmen selbständig durchführen,
Veränderungen, die eine ärztliche Abklärung erfordern, erkennen und
medizinische Behandlung unter ärztlicher Anleitung durchführen.
Es
konnte nachgewiesen werden, dass durch Spezialambulanzen die Amputationsrate um
die Hälfte gesenkt werden kann.
Gerade
im Bereich der Mittelfußköpfchen entstehen beim Gehen sehr hohe
Druckbelastungen.
Eine chronische
Fehlbelastung und Überlastung wird
vom Betroffenen nicht wahrgenommen, da die Nervenfasern keine Schmerzreize mehr
leiten. Die Fehlbelastung führt zu
einem Verschieben der Fuß-Knochen und –Gelenke, der sog. Osteoarthrose. Häufig
sind Hammer- und Krallenzehen. Es können sogar spontane Knochenbrüche
auftreten. Die chronische Überbelastung des Gewebes ruft Schwielenbildung und
schließlich den Gewebsuntergang und damit das Geschwür hervor. Ein sehr schwer
zu durchbrechender Teufelskreis.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Leider dauert es manchmal sehr lange, bis die betroffenen Patienten in eine qualifizierte Behandlung kommen. Es wäre sehr wichtig, dass solche Patienten frühzeitig von einem Gefäßspezialisten (Angiologe, Gefäßchirurg oder angiologisch versierter Diabetologe) untersucht werden. Dies verbessert die Chancen einer Behandlung ganz wesentlich und die Amputationsrate kann dadurch deutlich gesenkt werden. Neben der Schilderung der aktuellen Beschwerdeproblematik muss natürlich auch der Status der Zuckerkrankheit genau erfasst werden und man muss sich immer vor Augen halten, dass aufgrund der Nervenstörung die Schmerzsymptomatik sehr wenig ausgeprägt sein kann.
Wie immer bei der Diagnosestellung ist die Inspektion
(Betrachten) und die Palpation (das Befühlen) die Grundlage der
Diagnostik. Es muss auf Veränderungen der Fuß- und Zehenform und des Fußskeletts
geachtet werden. Bereits Farbe und Temperatur des Fußes können einen
Hinweis geben. Ein warmer, roter Fuß kann trotzdem in die Irre führen, da
durch die Beeinträchtigung des vegetativen Nervensystems die Hautdurchblutung
besonders ausgeprägt ist. Trotzdem kann der Blutzufluss für das Gewebe zu
gering sein. Die Geschwüre müssen ganz exakt betrachtet werden und das
getragene Schuhwerk muss auf mögliche Druckstellen untersucht werden. Wenn
bereits ein kreisrundes, wie ausgestanztes Geschwür vorliegt, muss man die
Tiefe und etwa unterminierte Ränder ganz genau austasten. Sehr wichtig ist es
auch, gleich zu Anfang einen
bakteriologischen
Abstrich zu entnehmen. Leider kommt es sehr häufig zum Auftreten von
resistenten Keimen, die nicht mehr oder nur auf ganz wenige Antibiotika
ansprechen (MRSA).
Der
nächste Schritt ist, danach zu suchen, ob eine zuckerbedingte Nervenstörung
vorliegt. Hier werden die Muskeleigenreflexe überprüft (mit dem berühmten
Hämmerchen des Arztes). Zusätzlich sollte das Vibrationsempfinden und das Berührungsempfinden
getestet werden sowie ob der Patient noch in der Lage ist, zwischen warm und
kalt zu unterscheiden.
Der nächste Schritt ist der Pulsstatus. Hier muss man sich allerdings darüber klar sein, dass das Befühlen der Pulse in die Irre leiten kann und der Puls natürlich nur ein sehr grobes Untersuchungsmittel ist. Außerdem zeigt der Puls natürlich nur den Blutzufluss zu der Stelle, an der eben der Puls gefühlt wird. Weiter entfernt davon gelegen kann durchaus eine Gefäßverengung vorliegen, die für die Fußdurchblutung entscheidend ist. Die dopplersonografische Messung der Knöcheldrucke, die ja sonst eine sehr aussagekräftige Methode ist, kann beim Zuckerkranken sehr häufig versagen, da, wie vorher erwähnt wurde, die Gefäßwand stark verhärtet ist und die Gefäße sich deshalb zur Blutdruckmessung nicht mehr zusammen pressen lassen. Wichtig ist,bei Verformungen der Knochen und Gelenke eine frühzeitige Skelettaufnahme, also eine Röntgenaufnahme des Fußskeletts durchzuführen. Sehr häufig sieht man dabei auch in vielen Fällen eine Verringerung des Kalk-Salz-Gehaltes der Knochen (Osteoporose). Eine Darstellung der Gefäße, sei es in Form der klassischen Angiografie (digitale Subtraktionsangiografie, DSA) oder als MR-Angiografie (Magnet-Resonanz-Angiografie) müssen den Gefäßverlauf bis „in die Zehenspitzen darstellen, um die Gefäßverengungen, die die Durchblutung des Fußes beeinträchtigen, sicher festzustellen. Andere Verfahren, die aber nicht überall verfügbar sind, sind die akrale Oszillografie (so ähnlich wie eine Doppler-Druckmessung) oder die Messung des transkutanen Sauerstoffpartialdruckes (misst den Sauerstoffdruck im Gewebe). Eine weitere Methode ist die Laserflowmetrie. Keiner der zuletzt genannten drei Untersuchungsmethoden kommt allerdings eine entscheidende Bedeutung zu.
Der
erfahrene Gefäßspezialist wird die Diagnose eines diabetischen Fußes ohne
weiteres stellen können und danach kann die dem Gewebsschaden angepasste Form
der Therapie gewählt werden.

Wie wird der diabetische Fuß
behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung der Erkrankung, sie muss also stadiengerecht erfolgen. Die Hauptgefahren eines Geschwürs beim diabetischen Fußsyndrom ist die fortschreitende Infektion, die sich dann auf die ganze Fußsohle ausbreiten kann (Plantarphlegmone).
Diese
Weichteilinfektion kann danach durch Blut übertragene allgemeine
lebensbedrohliche Infektion (Sepsis) führen. Manchmal bleibt in so ausgeprägten
Fällen dann nur die notfallmäßige Amputation der Gliedmaße.
Dementsprechend
sind die Ziele der Behandlung ausgerichtet, also Kontrolle der Infektion,
Wundreinigung, Erzeugen eines guten Granulationsgewebes als Basis für
die nachfolgende Hauttransplantation (Spalthautdeckung). Deshalb muss bei dem Fuß
eine konsequente Druckentlastung durchgeführt werden.
Das
Geschwür muss evtl. chirurgisch in Narkose gereinigt werden. Manchmal ist es
auch ausreichend, wenn man mit Feuchtverbänden oder der Ultraschallreinigung
arbeitet. Danach muss für die frische, saubere Wunde ein ideales
Umgebungsmilieu erzeugt werden, damit die Zellteilung optimal gefördert wird.
Dafür bieten sich die modernen Hydrocolloid-Verbände an.
Besonders
bewährt zur Erzeugung eines gesunden Granulationsgewebes hat sich die Vakuumtherapie.
Dabei wird ein dosierter Sog über einem Geschwür angelegt. Diese moderne, zwar
sehr teure aber effektive Verbandsform saugt alle Sekrete ab und stimuliert die
Zellteilung und die Entwicklung des Granulationsgewebes manchmal ganz
erstaunlich. Um einen Weichteilinfekt in den Griff zu bekommen ist zusätzlich
die Gabe von Antibiotika erforderlich. Voraussetzung aller Behandlungsmaßnahmen
ist natürlich aber, dass genügend Sauerstoff an das Geschwür gelangt, d.h.
dass eine ausreichende Durchblutung hergestellt wird. Dies erfordert entweder
einen chirurgisch angelegten Gefäßbypass oder aber die Beseitigung von
Gefäßverengungen durch Ballonkatheterdilatation (PTA, perkutane
transluminale Angioplastie), oder sogar auch manchmal die Implantation von Gefäßstützen
(Stents) und Endoprothesen.


Bei
der chirurgischen Wundreinigung muss konsequent vorgegangen werden und alles
kaputte, zugrunde gegangene Gewebe ganz radikal entfernt werden. Dies kann sogar
Knochenanteile betreffen. Infizierte Gelenke können nicht ausheilen. Auch sie müssen
leider komplett reseziert werden, manchmal auch mit Sehnenanteilen. Die Testung
der Keime hinsichtlich der optimalen Therapie mit Antibiotica muss unbedingt
erfolgen. Diese Keime sitzen häufig tief im Gewebe und sind andere als an der
Wundoberfläche.
Nur
mit einem solchen radikalen Vorgehen, das manchmal erschreckend ausgedehnt sein
muss, kann eine
solche,
wie eine „Lunte glimmende“ Infektiosausbreitung unterbrochen und in den
Griff bekommen werden. Leider ist
das Ausmaß der chrirurgischen Maßnahme schwer festzulegen. Dies führt dann zu
der unangenehmen „Salami-Taktik“, d.h. dass immer wieder eine
scheibchenweise Nachamputation notwendig wird. Aber jeder Zentimeter Gewebe ist
kostbar und es gibt keine Methode, vor einer Gewebsabtragung die genaue Grenze,
ab der das Gewebe gesund und ausreichend durchblutet ist, sicher festzulegen.
Bei
der Wiederherstellung der Durchblutung kommt dem sog. „pedalen“ Bypass
besondere Bedeutung zu. Durch die Verwendung der körpereigenen Vene als
Bypassmaterial ist es möglich, die Bypässe ganz weit bis in den Fuß auf die
kleinsten Arterien hin fortzuführen und dies führt zu einer hervorragenden
Verbesserung der Durchblutung. Mit einem erfolgreichen pedalen Bypass kann fast
jedes diabetische Ulcus zum Abheilen gebracht werden. Allerdings sind diese Bypässe
für den Chirurgen technisch sehr anspruchsvoll, da die kleinen, oft stark
verkalkten Gefäße schwer zu nähen sind.
Aus
den vorangegagenen Ausführungen geht hervor, dass die rechtzeitige Vorstellung
bei einem Gefäßspezialisten mit der richtigen Diagnose und danach der
gezielten, genau abgewogenen und konsequenten Durchführung der Therapiemaßnahmen
in vielen Fällen eine Rettung des Fußes ermöglicht. Dazu gehört natürlich
auch, dass die Betroffenen genau über die Krankheit Bescheid wissen und
entsprechend geschult werden.
Ein
besonders schlimmer Fall als abschreckendes Beispiell: Hier ging ein Patient mit
einer zuckerbedingten, hochgradigen Nervenstörung barfuß (!) in Griechenland
über eine heiße Teerstraße. Er merkte erst, dass irgendetwas nicht stimmt,
als er mit den Füßen „kleben“ blieb. Er meinte zuerst, der Teer wäre
vielleicht durch die Hitze weich geworden. Leider war es aber so, dass seine Fußsohlen
an der heißen Straße festklebten und sich die gesamte Haut ablöste. Trotz
Einsatz aller Mittel in der Behandlung bei uns gelang es uns nicht, dem
Patienten die Beine zu retten und er musste beidseits amputiert werden.
Ein
schreckliches Schicksal, das vermeidbar gewesen wäre (bei entsprechender Aufklärung
und Vorsicht)
Die nationale Versorgungsleitlinie dazu (für Fachleute):
Prävention und Therapie von Fußkomplikationen
Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2007 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
Veröffentlichungen nur mit schriftlicher Genehmigung, Konzept & Layout (c)
2007 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy