| Durchblutungsstörungen bei Diabetikern |
Patienten mit Diabetes mellitus werden sich der Tragweite ihrer Erkrankung oft viel zu spät bewußt.
Erschwerend
kommen oft die Verschlüsse grösserer Gefässe (einer
Makroangiopathie) hinzu, die sich als arterielle Verschlusskrankheit(
AVK), Herzgefässerkrankung(koronare Herzkrankheit) oder Hirngefässbefall(zerebrovaskuläre
Insuffizienz) äußern kann.
Zu späte Diagnosestellung In der Deklaration von St. Vinzent wird die Reduktion der Amputationsrate bei Diabetikern um 50 % gefordert. Der bekannte Diabetologe H. Mehnert hält bei Diabetikern sogar 80% der Amputationen für vermeidbar. Dies würde jedoch eine effektive Primärprophylaxe erfordern, so daß erst gar keine Durchblutungsstörungen in Erscheinung treten. Ist es beim Diabetiker zu einer Durchblutungsstörung gekommen, so ist eine frühzeitige Diagnosestellung und optimierte Therapiezu fordern. Bei
rechtzeitiger Diagnose könnten neben einem Erhalt der Extremität
auch Linderung der Schmerzen, Verbesserung der Wundheilung, Verminderung
der Infektionsgefahr und Verbesserung von Mobilität und Lebensqualität
der Patienten erreicht werden .
Weshalb wird
die Diagnose einer zuckerbedingten Gefässerkrankung bei einem
Großteil der Patienten so spät gestellt?
Krankheitsursachen Die diabetische Gefässerkrankung (Angiopathie) stellt eine Sonderform der Durchblutungsstörung im gefäßchirurgischen Krankengut dar. Die Stoffwechselstörung führt zu einer Beeinträchtigung gerade der kleinsten peripheren Gefäße und zusätzlich zu einer Verhärtung der Gefäßwand (Mediaverkalkung). Deshalb findet man häufig periphere (akrale) Nekrosen, obwohl die üblichen Pulse noch gut tastbar sind . Werden Verschlußdruckmessungen mit dem Dopplergerät durchgeführt und der Bein/Arm-Index errechnet, so ergibt sich nicht selten der überraschende Befund, daß falsch hohe Werte gemessen werden. Die Mediasklerose bewirkt, daß die Gefäßkompression mit der Blutdruckmanschette nicht stattfinden kann, wodurch die falschen Meßwerte verursacht werden. Histopathologisch
konnten bisher keine diabetesspezifischen morphologischen Veränderungen
klassifiziert werden. Wie bei Mikrozirkulationsstörungen anderer
Genese zeigen sich Kapillar-Rarefizierungen, Verdickungen der Basalmembran,
Mirkoaneurysmen und Degeneration der Perizyten. Jüngste Untersuchungen
lassen vermuten, daß beim Diabetischen Fuß auch das entzündliche
Geschehen einer Infekt-assoziierten Vaskulitis eine wichtige Rolle
spielt. Da die Mikrozirkulationsstörung in ihrer Anfangsphase als vorwiegend funktionelle Durchblutungsverminderung bei sehr guter Stoffwechseleinstellung noch reversibel ist, ist eine möglichst frühe Diagnosestellung der Zuckerkrankheit, der Makroangiopathie und der Mikroangiopathie für die Prognose des Patienten von erheblicher Bedeutung. Diagnostik Die zur Verfügung stehenden Methoden zur Diagnostik der Mikrozirkulationsstörung sind entweder sehr aufwendig (Video-Kapillar-Mikroskopie) oder wenig spezifisch (transkutane Sauerstoffdruckmessung, Biopsie mit Histologie, laborchemische Messung rheologischer Parameter). Lediglich für die am Nagelfalz durchgeführte Kapillarmikroskopie wurde bisher eine sinnvolle Klassifikation zur Risikoabschätzung entwickelt. Die Laser-Dopplerfluxmetrie als einfach durchführbare Methode scheint sich in der Beurteilung der Mikrozirkulation zu bewähren. Bei Typ I-Diabetikern wird in jüngsten experimentellen Studien auch der Dicke von Intima und Media (IMT = Intimal-Medial Thickness), ohne Patientenbelastung sonographisch an der A. carotis gemessen, ein prädiktiver Wert zuerkannt. Wegen der großen individuellen Unterschiede eignen sich alle diese Verfahren allerdings eher zur Kontrolle der Effektivität therapeutischer Maßnahmen als zur Frühdiagnostik. Die Diagnostik
der Makroangiopathie
beginnt mit Anamnese, Ratschow-Lagerungsprobe und Pulsstatus. Weiter ist neben der Doppler- und Duplexsonographie die Angiographie, heute meist als digitale Subtraktionsangiographie (DSA) durchgeführt, immer noch der "Gold-Standard" für die Planung einer Interventionellen oder Operativen Therapie. Patientenbefragung (Anamnese) und Untersuchung entscheidend Für die
praktische und langfristige Betreuung der Patient mit Diabetes mellitus
bleiben daher die wiederholte Anamneseerhebung und klinische Untersuchung,
durch die Früh-Symptome erfaßt werden können, von
entscheidender Bedeutung.
Die gezielte Anamnese erfolgt im Hinblick auf Limitierung der Gehstrecke, Kältegefühl der Beine, Gang-Unsicherheit, "Burning Feet", Empfindungsstörungen, Fußpflege sowie Minderung des Sehvermögens und der Potenz. Schulung und Prophylaxe erforderlich Ein wichtiger und stark vernachlässigter Aspekt zur Vermeidung gravierender Folgeschäden bei Diabetikern ist die Patientenschulung. Neben der Aufklärung über mögliche Folgen und Komplikationen der Erkrankung ist die Schulung in der Überwachung und Einstellung der Blutzuckerwerte und die diesbezügliche Sensibilisierung jedes Patienten und seiner Angehörigen langfristig die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von schweren Durchblutungsstörungen. Die wichtigste Prophylaxe der diabetischen Mikroangiopathie ist die optimale Stoffwechseleinstellung. Hierfür stehen mit den Möglichkeiten der Blutzucker-Selbstkontrolle in Kombination mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) oder einer Insulinpumpenbehandlung (CSII) heute hochentwickelte Methoden zur Verfügung, welche je nach logistischen und organisatorischen Gegebenheiten zur Anwendung kommen können. Oberstes Gebot muß die sorgfältigst überprüfte und immer wieder hinterfragte stoffwechselnahe Einstellung der Blutzuckerwerte sein. Selbstverständlich ist hierbei der Patient in seiner Selbstdisziplin und Mitarbeit in höchstem Maße mit in die Verantwortung gezogen. Auf die Bedeutung und Wichtigkeit einer sorgfältigen Therapie einer Hypertonie und zusätzlicher Risikofaktoren (Nikotin, Übergewicht, Fettstoffwechselstörung) soll hier nicht eingegangen werden. Die Indikation zur Verabreichung von Lipidsenkern ist hierbei streng zu stellen, da die bei Diabetikern in der Regel sekundäre Dyslipoproteinämie durch eine gute Stoffwechseleinstellung nicht selten normalisiert werden kann. Entscheidend, insbesondere im Hinblick auf die aktive Mitarbeit des Patienten, ist die Aufklärung über diabetische Durchblutungsstörungen mit all ihren Konsequenzen bis hin zur Amputation. Schuhwerk, Hygiene und Fußpflege beachten Die Prophylaxe
jeglicher Verletzung ist von enormer Wichtigkeit, wobei insbesondere
bei Fußpflege und Schuhwerk viele prophylaktische Möglichkeiten
fahrlässig verspielt werden: die Bedeutung von weichen Wollstrümpfen
und von nicht drückenden, weiten Schuhen bzw. von individuell
angepaßten druckentlastenden orthopädischen Schuhen kann
gar nicht genug betont werden.
Schadensbegrenzung durch frühe Einweisung Ist es dennoch zum Auftreten einer Nekrose gekommen, so bedarf es einer kompletten, sehr sorfältigen angiologischen Untersuchung. Die großzügige Indikationsstellung bezüglich einer angiographischen Abklärung der Durchblutungsverhältnisse ist dringend zu empfehlen. Häufig
sind nämlich bei Vorliegen einer diabetischen Mikroangiopathie
zusätzlich hämodynamisch wirksame Stenosen im Bereich der
chirurgisch zugänglichen Gefäße vorhanden, die den
peripheren Perfusionsdruck zusätzlich vermindern. Da bei fehlender
autonomer Regulation eine gesteigerte Permeabilität mit Ödemneigung
erzeugt wird, können auch entstauende Maßnahmen und eine
manuelle Lymphdrainage adjuvant zur Anwendung kommen.
Therapeutische Möglichkeiten
Geh-Training Es konnte
nachgewiesen werden, daß bei der symptomatischen Makroangiopathie
ein gezieltes Gefässtraining (AVK-Training) zu einer deutlichen
Steigerung der schmerzfreien Gehstrecke führen kann. Hierbei
genügt es jedoch nicht, dem Patienten zu raten, er solle täglich
zweimal Spazieren gehen. Medikamente
Als erste Therapie nach Diagnose einer Durchblutungsstörung hat sich niedrig dosierte Acetylsalicylsäure international durchgesetzt. Hier ergaben Dosierungen zwischen 100mg und 300mg täglich vergleichbar gute Ergebnisse. Bei Unverträglichkeiten oder Allergien gegen ASS steht mit Ticlopidin heute ein gutes Ersatz-Präparat zur Verfügung. Der Stellenwert rheologisch wirksamer Maßnahmen wie der isovolämischen Hämodilution (Aderlaß und Plasmaexpander), der Gabe von Rheologica und einer ausreichenden Trinkmenge sollte nicht unterschätzt werden. Vasoaktive Substanzen wie Pentoxifyllin, Naftidrofuryl und Buflomedin sind weitere Möglichkeiten der medikamentösen Therapie. Diese Präparate besitzen allerdings bei einer Mikroangiopathie nur sehr eingeschränkte Wirksamkeit. In nicht operablen Fällen kann die Infusion von Prostaglandin-Präparaten zur Anwendung kommen. Die klare Indikation hierfür ist jedoch wissenschaftlich bisher noch nicht eindeutig geklärt. Interventionelle Verfahren
Für kurzstreckige, isolierte Stenosen steht mit der perkutanen Ballondilatation (PTA = Perkutane Transluminale Angioplastie), eine minimal invasive Technik zur Verfügung. Weiter können die lokale Thrombolyse und die Einlage von metallischen Gefäßendoprothesen (Stents) gute therapeutische Erfolge aufzeigen. Perkutane transluminale Embolektomie (PTEE), Rotationsangioplastie und Laserangioplastie haben sich nicht als Standardverfahren durchgesetzt. Vereinzelt wird auch eine systemische Fibrinolyse durchgeführt, welche jedoch zunehmend von regionalen Verfahren verdrängt wird, bei denen die Thrombolytika durch Katheter gezielt appliziert werden. Aufgrund der krankheitsimmanenten autonomen Neuropathie des langjährigen Diabetikers ist eine Sympathektomie bzw. die CT-gesteuerte lumbale Sympathikolyse bei diesen Patienten nur selten indiziert. Gefäßchirurgie
bei peripherer AVK
In der Therapie der peripheren AVK steht im Stadium I und IIa die Sekundärprävention mittels o.g. Maßnahmen und konsequentem Gehtraining an erster Stelle. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß bereits ab dem Stadium IIb eine ausreichende Gewebsperfusion nur durch den Einsatz revaskularisierender Maßnahmen erreicht werden kann. Im Stadium III und IV wird dem Erhalt der Extremität höchste Priorität beigemessen, wobei sich in aller Regel gefäßchirurgische Maßnahmen nicht umgehen lassen. Der Erfolg gefäßchirurgischer Maßnahmen erfordert sowohl einen guten Zustrom als auch einen Abstrom des Blutes. Gerade beim Diabetiker mit seiner generalisierten Angiopathie ist jedoch häufig keine intakte Arterie für den distalen Blutabstrom vorhanden. In diesen Fällen kann bei Abgangsstenosen eine Profunda-Erweiterungsplastik durchgeführt werden, wodurch die Durchblutung über Kollateralkreisläufe verbessert werden kann. Sofern möglich, wird grundsätzlich die Rekanalisierung oder Wiederherstellung der Hauptstrombahn angestrebt. Die gefäßchirurgischen Techniken umfassen Thrombendarteriektomie (TEA), Erweiterungs-Plastiken sowie Bypass-Operationen. Bei einer TEA erfolgt die Rekanalisierung durch Entfernung der arteriosklerotisch veränderten Gefäß-Innenschicht mittels Dissektionsspatel und Ring-Stripper. Die Erweiterungsplastiken beinhalten das Einnähen eines spindelförmigen Erweiterungs-Segmentes (Patch) in die Gefäßwand. Hierbei hat die Anwendung von Kunststoff-Patches die früher favorisierten autologen Venen-Patches zunehmend verdrängt. Dieses Verfahren kommt vornehmlich an der A. carotis und der A. profunda femoris zur Anwendung. Beim Venen-Bypass
kann die Vene als freies Transplantat in umgedrehter Flußrichtung
("reversed") oder nach Zerstörung der Venenklappen in ursprünglicher
Flußrichtung ("orthograd") verwendet werden. Werden die Klappen
einer Vene ausgeschaltet, so kann diese auch in ihrem anatomischen
Verlauf belassen als Bypass verwendet werden ("In situ-Venenbypass").
Kunststoff-Bypässe werden häufig anatomisch, d.h. im Verlauf von A. femoralis superficialis und A. poplitea, verlegt. Bisweilen ist jedoch eine extra-anatomische Rekonstruktion erforderlich. Beispiele hierfür sind z.B. femoro-crurale Bypässe, die lateral am Knie entlang geführt werden, Bypässe von der A. subclavia aus zur unteren Extremität sowie cross-over-Verfahren. Bei diabetischer Gangrän oder infizierten Nekrosen im minderdurchbluteten Gewebe läßt sich eine Amputation nicht immer vermeiden. Die Amputation beim Durchblutungs-gestörten Diabetiker ist von der posttraumatischen, orthopädischen, onkologischen oder osteomyelitischen Amputation grundsätzlich zu unterscheiden. Im Gegensatz zu o.g. Fällen, in denen sich die Lokalisation der Amputation an Gegebenheiten der Anatomie und der prothetischen Versorgung orientiert, empfielt sich beim AVK-Patienten eine Grenzzonen-Amputation am Rande der Nekrose ohne Wundverschluß oder lediglich mit Adaptations-Nähten. Postoperativ haben sich die klassischen Feucht-Verbände mit Ringer-Lösung bewährt. Nach Grenzzonen-Amputation mit größtmöglicher Schonung des Gewebes stellt sich häufig zunächst keine Heilungstendenz ein, so daß in höherer Ebene nachamputiert werden muß. Dies ist jedoch mit dem Ziel des Erhaltes einer möglichst weitreichenden Rest-Funktion der Extremität gerechtfertigt. Ein elastische Wickelung des Stumpfes ist beim AVK-Patienten unbedingt zu unterlassen, da sie die Durchblutung der ohnenhin am seidenen Faden der Perfusion hängenden Extremität noch mehr beeinträchtigt. Nach Bildung eines Granulationsgewebes erfolgt die Deckung des Defektes mittels Spalthaut (Mesh-Graft). Nachbehandlung Alle Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen sollten Thrombozyten-Aggregations-Hemmer (ASS, Ticlopidin) erhalten. Bei infragenualen Bypässen, Hyperkoagulabilität oder Patienten mit rezidivierenden Bypass- oder Gefäßverschlüssen ist unter Beachtung der Kontraindikationen die Langzeit-Antikoagulation mit Coumarin-Präparaten indiziert. Die postoperative Nachsorge sollte eine engmaschige Kontrolle der Bypassfunktion und eine Trainingstherapie beinhalten. Nachuntersuchungen mit Duplexsonographischer Kontrolle im Abstand von 3, 6 und zwölf Monaten haben sich bewährt. Bei Bypassverschlüssen ist eine möglichst frühzeitige Intervention von enormer Bedeutung, worüber die Patienten aufgeklärt werden müssen. Wundbehandlung beim Diabetiker Kaum eine
Wunde ist schwerer zur Heilung zu bringen, als chronische Wunden beim
Diabetiker, insbesondere beim Diabetischen Fuß. Bei der Erstdiagnose
ist eine genaue Befunddokumentation geboten.
Hierzu gehören Inspektion beider Füße, Überprüfung von Sensibilität, Motorik, Reflexen und autonomem Nervensystem sowie Gefäßstatus und gegebenenfalls Knochenstatus. Eine photographische Dokumentation hat sich im Hinblick auf eine Verlaufskontrolle gerade bei diesen sehr langsam heilenden Wunden bestens bewährt. Nach Entfernung von Hyperkeratosen und trockenen Wundbelägen sollte jede Wunde sorgfältig untersucht und ein Entzündungsstatus erhoben werden. Unterstützend sollte, je nach Befund, eine Sicherung des Keimspektrums und beim Verdacht auf Knochenbeteiligung eine Röntgenuntersuchung erfolgen. Neben einer "scharfen" Einstellung der Blutzuckerwerte und Beseitigung aller Risikofaktoren ist in der Anfangsphase der Behandlung das Bereitstellen des granulationsfördernden Milieus erforderlich. Hierzu dienen Ruhigstellung, Debridement, Anfrischen der Wunde sowie evtl. Spülen mit enzymatischen Wundreinigungslösungen oder Wasserstoffperoxid. Es sollten keine Salben zur Anwendung kommen, und Okklusionen sind unbedingt zu vermeiden. Während in letzter Zeit zahlreiche enzymatische Verbindungen und Hydrokolloidalverbände propagiert werden, haben der klassische Feuchtverband mit Ringer-Lösung (wegen der Kalium-Anreicherung der NaCl-Lösung vorzuziehen) und die Behandlung mit Wundzucker ihren seit Jahrzehnten bestehenden Stellenwert nicht eingebüßt. Nach Epithelialisierung ist eine orthopädische Schuhversorgung und eine professionelle Fußpflege erforderlich. Bei infizierten Wunden steht die Sanierung aller Infektionsherde im Vordergrund, welche in der Regel der chirurgischen Intervention bedarf. Die Wundrevision sollte äußerst sorgfältig und gewebeschonend nur soweit ausgedehnt werden, bis gerade vitales, durchblutetes Gewebe erreicht wird. Eine systemische Antibiose kann unterstützend zur Anwendung kommen, wobei jedoch berücksichtigt werden muß, daß in den betroffenen bradytrophen und minderperfundierten Geweben nur selten ausreichende Wirkspiegel erreicht werden können. Die Wertigkeit der systemischen Antibiose besteht in erster Linie in der Prophylaxe und Therapie einer generalisierten Infektion. Das Auftreten von Fieber sowie ein Anstieg von Muskelenzymen (insbes. LDH und CK) sind Hinweis auf ein Übergreifen der Infektion auf benachbarte Gewebe und eine drohende Generalisierung. Dann ist meist eine operative Sanierung erforderlich. Ausblicke Die Zukunft in der Therapie von durchblutungsbedingten Gewebsdefekten beim Diabetiker scheint neben einer verbesserten Stoffwechselregulation und Pharmakotherapeutischen Fortschritten in der Mikrogefäßchirurgie zu liegen. Vielversprechende Erfolge konnten gerade beim Diabetiker mit fehlender Makroangiopathie Amputationen mit nachfolgender Deckung mittels mikrovaskulär gestielter Lappen erzielt werden. Bei diesem Verfahren wird, nach Amputation ohne Wundverschluß, durch Feuchtverbände eine erste Granulation des Wundgrundes herbeigeführt. In einer späteren Sitzung erfolgt dann die Deckung mittels freier, mikrovaskular anastomosierter myokutaner Lappen. Hierfür kommen in erster Linie Radialis-Lappen oder Latissimus Dorsi-Lappen in Frage. Voraussetzung ist neben einer durch selektive DSA gesicherten anastomosierbaren Fußarterie auch eine intensive Schulung und Betreuung der Patienten, da die so entstandene Deckung asensibel und anfangs sehr verletzlich ist. Insbesondere bei einer Mikroangiopathie mit erhaltenen Hauptarterien scheint hier Grund zur Hoffnung auf den Erhalt von Extremitäten zu bestehen. Zusammenfassung Die Extremitäten-erhaltende Therapie der Durchblutungsstörung beim Diabetes mellitus ist sehr schwierig. Das Ziel muß daher sein, die Entstehung eine Durchblutungsstörung und ihrer Komplikationen zu vermeiden. Als Mittel hierzu dienen intensive Schulung der Patienten, eine optimale Stoffwechseleinstellung, Therapie aller Beglerierkrankungen und Risikofaktoren und die regelmäßige gezielte Untersuchung. Sind bereits Durchblutungsstörungen aufgetreten, so werden die Patienten oft zu spät einer adäquaten Therapie zugeführt. Bei diesen Patienten ist die frühe Entscheidung zur stationären Abklärung und Therapie gerechtfertigt und notwendig. Neben der Sanierung von Infektionsherden und einer Druckentlastung ist die Wiederherstellung eines pulsatilen Blutflusses als Grundlage für eine Wundheilung anzustreben. Selbstverständlich darf nicht versäumt werden, Begleiterkrankungen adäquat zu therapieren und auf eine Vermeidung aller Risikofaktoren hinzuwirken.
So erscheint
es tatsächlich möglich, die Häufigkeit der
Amputationen, wie in der Deklaration von St. Vincente gefordert, um
50 % zu senken. |
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Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
Veröffentlichungen nur mit schriftlicher Genehmigung, Konzept & Layout (c)
2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy