Aufklärung über Gefässoperationen

Sie haben sich mit einer Erkrankung der Blutgefäße in unser Krankenhaus begeben. 
Wir wollen Sie mit den nachfolgenden Zeilen mit in unsere Überlegungen hinsichtlich Ihrer Erkrankung und deren Therapiemöglichkeiten, insbesondere in Form einer Operation, einbeziehen.

Sie wissen sicher, daß jede Operation unvermeidlich eine gewisse Gefährdung für den Patienten mit sich bringt und auch ein gefäßchirurgischer Eingriff seine typischen Risiken und Komplikationsmöglichkeiten hat, die wir Ihnen im folgenden erklären möchten.

Wir möchten Sie mit diesen Ausführungen unter keinen Umständen ängstigen, sondern im Gegenteil durch gezielte Information einen Teil der Angst nehmen, die meistens ihren Ursprung in Unwissenheit hat:

Jede Operation wird durchgeführt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Bei Ihnen soll die Durchblutung einer bestimmten Körperregion (Bein, Arm, Gehirn, Niere) normalisiert oder zumindest verbessert werden. 
Es ist eine Eigentümlichkeit ärztlichen Handels, daß wir Ihnen das gesteckte Operationsziel, also den Erfolg der Operation, nicht garantieren können.
Ihr behandelnder Arzt ist Ihnen aber Garant für eine größtmögliche Sorgfalt bei dem geplanten Eingriff und auch dafür, daß die Art der Ausführung der geplanten Operation die beste nach gegenwärtiger medizinischer Auffassung für Ihren speziellen Fall ist.
Es liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen, daß das angestrebte Ziel der Operation durch Wiederverschluß des operierten Gefäßes nicht oder nicht ganz erreicht wird. In ganz seltenen Fällen kann sich sogar einmal die Durchblutungssituation nach der Operation durch neue zusätzliche Gefäßverschlüsse verschlechtern. 
Dies kann u.U. zu einem Verlust des betroffenen Körperteils (Bein, Arm) oder Organs (Niere) führen. Um diese Gefahr möglichst frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, führen wir in vielen Fällen während und/oder nach der Operation eine Rötngenkontrolluntersuchung des operierten Gefäßes mit Kontrastmittel durch. 

Eine Operation an den großen Blutgefäßen des Körpers kann mit einer größeren Blutung einhergehen. Wir versuchen durch eine rechtzeitige Erkennung und Behandlung von Blutgerinnungsstörungen sowie eine sorgfältige Operationstechnik und Blutstillung während der Operation diese Komplikation auszuschalten. 
Sie läßt sich allerdings nicht immer vermeiden und kann nach der Operation, wenn die Blutstillung auf konservativem Wege nicht gelingt, eine erneute Notfalloperation erforderlich machen.

Ein gefäßchirurgischer Eingriff ist nur möglich, wenn man das Gefäß, an dem operiert werden soll, freilegt. Dabei ist die Schädigung von unmittelbar benachbarten Gebilden (Nerven, Harnleiter) nicht immer zu vermeiden.
Das Verletzungsrisiko dieser benachbarten Strukturen erhöht sich, wenn in dieser Region schon einmal operiert wurde und die Narbenverhältnisse die Erkennung der einzelnen Gebilde erschweren.

Bevor man das freigelegte Gefäß eröffnet, ist es unbedingt notwendig, den Blutstrom in diesem Gefäßabschnitt zu unterbrechen. Durch diese, natürlich möglichst kurz gehaltene Blutstromunterbrechung kann es in den dahinterliegenden Abschnitten zu einer Mangeldurchblutung kommen.
Diese kann zu einer Funktionsminderung oder sogar zu einem Funktionsausfall des davon abhängigen Organs (Gehirn, Niere, Bein, Arm) führen. Sie können sicher sein, daß wir alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, um dieses Risiko möglichst klein zu halten. Völlig ausschließen können wir es jedoch nicht.

Man kann einen Menschen nicht keimfrei machen. Deshalb bringt jede Operation die Möglichkeit einer Keiminfektion des Operationsgebietes mit sich. 
Die Gefahr einer Infektion ist in durchblutungsgestörten Gewebe und insbesondere bei bereits bestehendem infektiösem Herd (Geschwür, abgestrobenes Gewebe) besonders groß.
Vor allem bei der Verwendung von "Kunststoffgefäßen" ist eine einmal eingetretene Infektion meist nicht zur Abheilung zu bringen. Sie kann das angestrebte Operationsziel völlig zunichte machen.
Durch höchste Sorgfalt und u.U. auch medikamentös (Antibiotikagabe) versuchen wir, das Risiko einer Keimbesiedlung des Operationsgebietes möglichst klein zu halten. Komplett ausschalten läßt sich das Infektionsrisiko jedoch auch hiermit nicht. 

Die Ausdehnung der Verkalkung ist vor der Operation nicht immer exakt feststellbar, und auch die durchgeführte Röntgendarstellung der Blutgefäße spiegelt nicht selten einen günstigeren Befund vor, als er in Wirklichkeit vorliegt.
Es kann deshalb u.U. unvorhersehbar erforderlich sein, die Gefäßoperation über das besprochene Ausmaß hinaus ausweiten zu müssen, um ein gutes Operationsresultat zu erzielen.

Obwohl bei Ihnen ein bestimmter Gefäßabschnitt in besonderer Weise betroffen ist und die Operation erforderlich macht, handelt es sich bei der vorliegenden Gefäßerkrankung um eine sog. "Systemerkrankung".

Sie umfaßt die Gefäße des gesamten Körpers, und Ihr Arzt kann nicht voraussagen, in welchem Zeitraum und Umfang sich neue "Aderverkalkungen" entwickeln werden.


Das Grundleiden selbst besteht weiter und schreitet schicksalmäßig fort. Es wird durch die Operation nicht beeinflußt, sondern kann im Gegenteil durch die Operationsbelastung zu Komplikationen an unterschiedlichen Organen (Herz, Niere, Gehirn) führen.

 

Inhalt, Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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