| Gefässchirurgie gegen Beinamputation bei Durchblutungsstörungen der Beine |
| Zahl der Gefässeingiffe am Bein ist stark im
Ansteigen Gefässchirurgische Eingriffe zur Durchblutungsverbesserung unterer Extremitäten haben grosse Bedeutung. Nach Schätzungen werden auch heute wegen Durchblutungsstörungen in Deutschland immer noch zwischen 30.000 und 40.000 Beine pro Jahr amputiert. Jeder Patient hat den Anspruch, nach modernsten gefässchirurgischen Gesichtspunkten zur Erhaltung seiner bedrohten Beine einer optimalen Behandlung zugeführt zu werden. Der Bedarf an solchen Eingriffen steigt ständig an. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass es der Tabakindustrie nach wie vor gelingt ,durch Vermittlung eines positiven Bildes junge Menschen in den Nikotinabusus zu locken, andererseits liegt es auch an dem ständig steigenden Lebensalter. Eine Übersicht
über die Anzahl gefässrekonstruktiver Eingriffe in der BRD
(alte Bundesländer) ergab 1984 für gefässchirurgische
Operationen am Bein unterhalb der Leiste die Zahl von
10.284 Eingriffen und bei der letztmals 1989 von Prof. Becker
durchgeführten Erhebung eine Anzahl von 16.150 Eingriffen.
Kosten-Nutzen Relation spricht für Gefässrekonstruktion statt Amputation Ganz abgesehen
von der schweren psychischen Beeinträchtigung, die eine Amputation
bedeutet , konnte sowohl in den USA als auch in der BRD nachgewiesen
werden, daß gefässrekonstruktive Operationen an den unteren
Extremitäten kostengünstiger sind als die heute noch oft
praktizierten primären Amputationen.
Aus den individuellen Bedürfnissen und Beschwerden des einzelnen Patienten ergibt sich die Indikation zu einer gefässchirurgischen Behandlung. Deshalb hat sich im klinischen Alltag die Stadieneinteilung nach Fontaine als Einteilung des Schweregrades einer Durchblutungsstörung bewährt . Die Indikationsstellung
im Stadium II muß fließend sein, da der Grad
der Einschränkung von jedem Patienten individuell unterschiedlich
empfunden wird. Auch dieser Gesichtspunkt muß bei der Planung
eines Gefässeingriffes berücksichtigt werden. Ein sportlich
aktiver Mensch, der vielleicht auch noch im Berufsleben auf eine unbehinderte
Gehstrecke angewiesen ist, wird sich früher zur einer Gefässrekonstruktion
entschließen und bedarf eines höheren Grades der durch
das angebotene Verfahren zu erreichenden Durchblutungsverbesserung
als z. B. ein unsportlicher Mensch, der eine Schreibtischtätigkeit
ausübt. Welche gefäßchirurgischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Die gefässchirurgischen Rekonstruktionsmöglichkeiten am Bein reichen von der Ausschälung der Kalkablagerungen (Thrombendarteriektomie, TEA), meist in Kombination mit einer Patcherweiterungsplastik ("Flicken" in das Gefäss nähen, um eine Verengung zu beseitigen),über die Ballonaufdehnung ( percutane Angioplastie) bis hin zum langstreckigen, manchmal bis zum Fuß reichenden Bypass (Blutumleitung). Das sich am
frühesten und auch am häufigsten verschließende Gefäß
des Beines ist die oberflächliche Oberschenkelschlagader (die
Arteria femoralis superficialis). Gezeigt werden konnte, daß gerade dieser kollaterale Blutfluß durch die Ausschaltung des vegetativen Nervensystems, durch eine sog. lumbale Sympathektomie gesteigert werden kann. Diese wurde früher operativ vorgenommen, heute ist es ein Computertomogramm-gesteuertes perkutanes Verfahren, welches den Patienten kaum belastet.
Die Aufdehnung mittels eines Ballonkatheters (perkutane Angioplastie) und (wie hier mit Stabilisierung durch eine Drahtgitterprothese = Stent gezeigt) kommt nur bei möglichst kurzstreckigen Verschlüssen zur Anwendung und hat den Nachteil einer häufig nicht langen Erfolgsdauer. Auch die
langstreckige TEA ist nur für geeignete Fälle mit der sog.
"reifen Arteriosklerose" geeignet. Eine fortgeschrittene Kalkinfiltration
der Gefässwand kann dieses Verfahren undurchführbar machen.
(nebenstehendes Bild zeigt einen femoro-poplitealen Bypass von der Leiste bis zum Knie mit Gefässeratzmaterial=Gefässprothese) Crurale (Unterschenkel-) und pedale (Fuß-) Bypasses sind für Spezialisten Venenmaterial findet dann Verwendung, wenn Gefäßrekonstruktionen an die Kniegelenksarterie unterhalb des Knies , oder im Bereich der Unterschenkel- bzw der Fußarterien angeschlossen werden müssen. Entscheidendstes
Kriterium für die Erfolgsaussichten einer sehr peripheren Gefäßrekonstruktion
auf kleine Gefäße ist also das Vorhandensein einer gutkalibrigen
körpereigenen Vene. Venen können auch aus dem Arm (V. cephalica)
oder aus der Rückseite des Unterschenkels (V. saphena parva)
entnommen werden.
Vorbeugen ist besser als operieren Immer muß man sich jedoch bewußt sein, daß es sich bei der arteriellen Verschlußkrankheit um eine fortschreitende (progressive) Krankheit handelt, die auch nach einer Gefäßoperation, welcher Art auch immer, fortschreitet. Deshalb muss eine konsequente Kontrolle und Therapie der Risikofaktoren und ggf. eine Veränderung der Lebensgewohnheiten selbstverständlicher Bestandteil der Gefässtherapie sein. |
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Inhalt,
Zahlen, Daten und Fakten (c) 2002 Prof. Dr. Stefan von Sommoggy
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